Genscher versus Herder

Das Herder – Gymnasium Halle soll in Genscher – Gymnasium umbenannt werden.

Welcher Geist wohnt in den Umbenennern? Herder ist doch nun weder Kommunist, Sozialist, er ist nicht mal Demokrat! Was haben die gegen den? Herder ist nun kein Sohn Halles. Genscher schon. Oder fast.

Aber muss Genscher noch mehr Ehrung zukommen? Der Mann hat zu aktiven Lebzeiten jedes Jahr 4 Ehrenämter und Auszeichnungen bekommen. Muss außer einem Platz und einer Straße in Halle/Saale dort auch noch ein Gymnasium nach ihm benannt werden? Was soll dann im Gymnasium als Schwerpunkt im gelehrt werden? Schlitzohrigkeit? Liberale Politik?  Wenn der Mann alle seine Orden und Großkreuze an der Brust getragen hätte, so wäre er vorne übergekippt.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Der Mann hat seine Verdienste. Er hat 1989 die Stationierung neuer amerikanischer Kurzstreckenraketen in Deutschland verhindert und seinen Anteil am Befriedungsprozess in Zeiten des Kalten Krieges. Er hat auch die Russen beruhigt, als ihnen die Westgebiete vom Glauben abfielen. Aber er ist Politiker. Immer gewesen. Ein freiheitlich-Liberaler, einer, der immer für die Unternehmen da war.

Der mit Herder verbundene Gedanke an Aufklärung und Weimarer Klassik wird dem Gymnasium genommen. Das ist vielleicht in Zeiten, in denen die Lehrer wegen Kleist erst einmal bei Wikipedia nachschauen müssen und auch darüber nachdenken, Schiller aus dem Lehrplan zu nehmen, eine ganz normale Entwicklung.

Ist es der gelbe Pullunder, der als Einheitskleidung im Gymnasium eingeführt werden soll? Oder ist es tatsächlich die freiheitlich-liberale Grundidee, die den Schülern eingeimpft werden soll?

Herder war durchaus ein Weltbürger. Und weit vielfältiger unterwegs als mancher unserer heutigen Zeitgenossen mit Doktor-Titel und Auszeichnungen diverser Universitäten. Er ist ein Mann der Aufklärung, humanistischer Dichter und Philosoph. Besser, die Gymnasiasten schreiben über ihn ihre Aufsätze. Was gäbe es bei Genscher noch zu schreiben? Vielleicht eine weitere Huldigung der FDP. Die armen Schüler.

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Wen will Putin wählen?

„Berlin (dpa) – Die Union befürchtet eine Manipulation des Bundestagswahlkampfs 2017 durch Falschnachrichten im Internet – mit dem Ziel der Abwahl von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Als einen möglichen Urheber nannte Unions-Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer den russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem es nicht gefalle, wie kritisch Merkel gegenüber Moskau sei. Politiker von CDU und CSU sprachen sich für ein verschärftes Vorgehen gegen sogenannte Fake News aus – bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen.“ (zeit.de vom 13.Dezember 2016)

Wen würde denn Putin wählen lassen wollen? Er selber darf ja nicht. Er müsste die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Da es die doppelte Staatsbürgerschaft gibt, könnte er weiter Präsident Russlands sein. (Und hier in Deutschland Arbeitslosengeld beziehen.) Putin würde natürlich eine Rot-Rot-Grüne Regierung bevorzugen. So ist die Meinung von Herrn Grosse-Brömer. Und er begründet das mit der persönlichen Abneigung Putins zu Merkel. Da bewegt sich der Herr Fraktionsgeschäftsführer auf Kindergartenniveau. Hoffentlich sind seine Beweggründe bei der Fraktionsführung etwas professioneller angelegt. Putin interessiert wohl mehr die Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland oder auch Deutschlands Beitrag und Stellung in der Nato. Eine persönliche Abneigung wird sich Herr Putin verkneifen, wenn es um Wirtschaft, Macht und Militär geht.

„Justizminister Maas verwies auf die Schwierigkeiten: „Es ist nicht ganz einfach, eine Institution zu schaffen, die sozusagen in Form einer Wahrheitskommission entscheidet, was ist wahr und was nicht. Dann muss ja auch noch entschieden werden, was ist relevant oder was ist nicht relevant. Da befinden wir uns am Anfang einer Diskussion.“ (zeit.de vom 13.Dezember 2016)

Das ist doch mal fein! Der Justizminister will entscheiden, was relevant ist!?  Die Wahrheit hat er ja schon gepachtet. Ebenso die Gerechtigkeit.  Wer Banken-Geldwäsche aufdeckt kommt in die geschlossene Anstalt, wer Zivilisten zerbombt wird zum Brigadegeneral befördert. Demnächst wird (in noch größerem Umfange) dann die verfassungswidrige Beteiligung von deutschen Soldaten an Angriffskriegen einfach als „nicht relevant“ aus den Nachrichten gestrichen. Die OnLine-Blätter nehmen ja schon die „nicht-relevanten“ Beiträge aus ihren Kommentar-Spalten. Ein erster Schritt.

„Linksparteichefin Katja Kipping schlug vor, ähnlich dem Pressekodex, dem sich in Deutschland private Medienunternehmen durch eine freiwillige Selbstkontrolle verpflichtet sehen, einen „Kodex ethischer-informationspolitischer Grundsätze für soziale Netzwerke“ zu schaffen. Er solle Nutzer vor gezielter Desinformation schützen. Ein öffentliches Kontrollgremium müsse dann sicherstellen, dass Verstöße gegen den Kodex geahndet werden.“ (zeit.de vom 13.Dezember 2016)

Die Linkschefin will ethische Grundsätze der MedienUNTERNEHMEN auf soziale Netzwerke übertragen. Falls Kipping das wirklich gesagt hat, so kann einem die Frau nur leidtun. Erstens: Die Träger der „sozialen Netzwerke“ sind gleichfalls Medienunternehmen. Da gibt es also nichts zu übertragen. Zweitens: Sie sollte am besten wissen, welche ethischen Grundsätze MedienUNTERNEHMEN haben. Als Unternehmen haben sie nur einen Grundsatz und der lautet: „Profit machen“. Falls Frau Kipping meint, dass die Blogger sich den gleichen Grundsätzen wie die MedienUNTERNEHMEN verpflichtet sehen sollten, dann möchte ich mich dagegen verwahren.

Diese ganze Diskussion um die FAKE-NEWS ist nichts weiter wie ein FAKE. Einzig gemacht um die Konsumenten der Medien zu beschäftigen. So kommen sie nicht auf dumme Gedanken. Die Medien, die sie konsumieren, machen seit Jahrzehnten nichts anderes als: Verzerren, lügen, verschweigen, ignorieren, Selbstzensur betreiben, Kampagnen führen, Werbung unterbringen, parteiliche Nachrichten bringen, hetzen, Populismus betreiben, und so weiter. Tendenz vor den Wahlen: Steigend.

Wen will also Putin wählen? Und wie will er die Wahl beeinflussen, wenn er nicht die „sozialen Netzwerke“ und die anderen Medien kauft? Vielleicht sind es ja in Wahrheit die Chinesen, die schon alle Medien aufgekauft haben?

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Die Frage ist: Warum?

Die Wannsee-Konferenz jährt sich mal wieder. Tatsächlich ist sie auch noch Thema in auf Radiosendern. Zwar nur als Spezial auf den Kultursendern, aber es wird erinnert. Die Fragen nach dem Wer? und dem Wo? werden gestellt und sie werden beantwortet, soweit sie erforscht sind. Selten, eigentlich nie, aber wird die Frage nach dem Warum? gestellt.

Wenn die Frage gestellt werden würde, dann müsste auch das aktuelle Geschehen in diese Richtung hin untersucht werden.  Warum wird in Syrien bombardiert, warum wird ein ganzes Volk ins Elend gestürzt, tausende Menschen schuldig oder unschuldig, getötet, ermordet? Warum bekam Obama den Friedens-Nobel-Preis, wenn er doch genau so wie seine Vorgänger die Kriege fortgeführt und erweitert hat.

Wenn Warum? gefragt wird, dann immer nur bezogen auf die Menschen, die sich dort versammelt haben und über die Vernichtung eines Teiles des deutschen Volkes diskutierten.

Die Personalien der Wannsee-Konferenz sind bekannt. Ihre Schuld und Unschuld wird beleuchtet. Es wird gefragt, wie die dort versammelten Menschen so unmenschlich werden konnten.  Das ist sicher wichtig. Jeder kann für sich selbst beleuchten, ob er jemals in die gleiche Situation kommen könnte – dort an diesem Tisch zu sitzen oder an einem anderen. Und er kann mal für sich selbst spekulieren, wie er sich entscheiden würde. Ob er genauso kalt Pläne über Vernichtung machen könnte.

Das aber sind nur was-wäre-wenn-Spielchen.

Interessant wäre: Warum konnten diese Menschen dort an diesem Tisch sitzen, warum konnten sie diskutieren, warum haben sie keine Entscheidungen getroffen, dort an diesem Tisch, und warum lief dann später alles so reibungslos, fabrikmäßig und wie besprochen?

Es ist wie mit dem US-Trump.

Er sollte nicht unterschätzt werden. Schließlich ist er, im Gegensatz zu vielen anderen Amerikanern, ein in Amerika erfolgreicher Mann. Nach westlichen Wertevorstellungen ist er sogar sehr erfolgreich. Er hat ein oder mehrere Autos, ein oder mehrere Flugzeuge, ein oder mehrere Häuser, ein oder mehrere Frauen. Da gibt es einige in unserem Kulturkreis, die gerne an seiner Stelle wären.

Und er hat einen Job, der nicht nur sehr lukrativ ist, sondern auch noch richtig Macht beinhaltet und Anerkennung bringt. Vielleicht bekommt er ja demnächst noch den Nobel-Preis für Chemie?

Und doch: Weder wäre alles so gelaufen, wie die Teilnehmer der Wannsee-Konferenz es planten,  noch könnte US-Trump irgendetwas tun, was gegen die Wünsche und Vorhaben der Banken, der Öl-Industrie, gegen die der Panzerbauer, Versicherungen oder Geheimdienste sein würde.

Das endet dann, wie es immer geendet hat: Ein Schuss eines Texaners vom Balkon, aus dem Hinterhalt und keiner war’s.

Male Schowek

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Begrenzte Sicht

Sehschlitz. Wie ein Panzer. Wo ist der Unterschied. Die ganzkörperverhüllten Frauen suchen sich den Weg und beobachten den Gegner durch den Sehschlitz. Die Absichten sind nicht erkennbar. Ob sie nun gleich den Splint aus der Handgranatensicherung ziehen oder eine Kalaschnikow unter dem weiten Umhang hervorholen und auf die friedlich einkaufsbummelden deutschen Passanten richten wird – oder ob sie sich nur einen Bikini im Schaufenster anschaut, ist nicht erkennbar.

Da sind die Richtschützen im englischen Panzer in der irakischen Stadt Basra ehrlicher. Sie haben den gleichen Blick durch den Sehschlitz. Und es ist ganz klar, sie haben den Finger am Abzug und im Rohr ist schon die Sprenggranate. Das ist Ehrlichkeit und Wahrheit und das wollen wir. Das ist der Unterschied. Wir sind gegen die Hinterhältigkeit und deshalb sind wir gegen verschleierte Frauen!

Ich habe durchgezählt. Die Sehschlitz tragenden, (vielleicht aufmunitionierten) Frauen sind auf Berliner Straßen weniger präsent, als die gepanzerten Fahrzeuge mit Sehschlitzen auf den Straßen Basras. Aber selbst gegenüber den in Berlin aktiven Sehschlitzfahrern in den grünen Polizeifahrzeugen sind die uns durch den Sehschlitz ausspähende Frauen zahlenmäßig im Nachteil. Allerdings treten die Vermummten mit der Aufschrift „Polizei“ nur in Gefahrensituationen auf. Etwa wenn Fussballfreunde aus einer befreundeten Gemeinde zu Gast sind. Oder Staatsgäste aus autoritär regierten Staaten zu Freundschaftsbesuch und Erfahrungsaustausch eingeladen sind.

Die vermummten Frauen aber sind immer präsent. Das bedeutet doch: Da ist immer Gefahr!

Die christlich demokratische Ordnung ist gefährlich gefährdet.

Ich bin nun nicht der Mensch, der sich zwischen verhüllten Frauenkörpern oder vor Augen hinter Sehschlitzen wohlfühlen könnte. Zumal ich ja nicht mal weiß, ob das Augen von Frauen da hinter dem Fliegengitter sind. Wenn ich durch Salzgitter oder den Berliner Kietz laufe, beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Wenn ich mich durch eine Gruppe arabisch oder türkisch oder was weis ich in was für einer Sprache schwätzende und gestikulierende dunkelhäutiger Leute drängen muss, die keine Notiz von mir nehmen, nehme ich mich in acht. Über den Nacken läuft eine Gänsehaut.

Noch schlimmer wird es wenn ich mich an der Hausecke an zwei tiefschwarzen Menschen vorbeidrängen muss, von denen jeder ein Fahrrad mit sich führt. Insgeheim denke ich: Wo haben sie die geklaut?“ und schelte mich natürlich sofort: „Wer sagt dir denn, dass genau die klauen, die Rumänen klauen immer, nachgewiesenermaßen , aber die hier?“

Unsere Demokratie ist ja per Grundgesetz und Gesetz säkular, also Gottlos. Zwar schwört der Bundespräsident auf die Bibel, wenn er sein Amt antritt, aber es darf jeder seinen Glauben ausüben, nachgehen, von seinem Gott träumen, oder wie auch immer. Das kann Jesus sein, Mohamed, Helene Fischer, Calvin Klein oder Pokémon. Alles ist erlaubt. Auch das Tragen von zerrissenen Hosen, Turnschuhen in der Öffentlichkeit und das Herumlaufen ohne Hut, ist erlaubt.

Es darf auch jeder seine Hautfarbe per Gesetz öffentlich tragen. Man gewöhnt sich dran. Es ist ja jedem erlaubt einen großen Bogen um Andersfarbige zu machen. Auch das ist per Gesetzt erlaubt (jedenfalls ist es nicht verboten). Auch von verschleierten Frauen darf jeder Abstand halten, gerade wie er es für nötig hält. Wenn sie gleichzeitig mit Dir in die U-Bahn einsteigen, ertrage es. Denk nur wie viel schlechter die Iraker, Syrer, Türken und Saudis dran sind. Aber auch dahin werden wir unsere christlich demokratische Werteordnung noch tragen. Und schlussendlich werden sie die Richtigkeit einsehen! Diese…..

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Säuberung

Tausende städtische Beamte, Polizisten, Piloten der Luftstreitkräfte, Lehrer, Richter und Justizbeamte, …. sind entlassen. Alle Bereiche des öffentlichen Lebens werden „gesäubert“. Die Stellen der entlassenen Bediensteten des Staates und an die Schaltstellen der Wirtschaft werden von neuen, regimefreundlichen Kräften übernommen. Bürgermeister werden ersetzt, Funktionäre der Sportvereine, auch Banker werden ausgetauscht. An den Universitäten werden die Lehrer entlassen. Auf den Straßen laufen sie zu tausenden, schwenken Fahnen und brüllen Parolen für die neue Macht. Sie begrüßen die Herstellung der Freiheit und der Demokratie.

Die alten Träger der Gesellschaft und der Wirtschaft werden juristisch verfolgt und ins Exil getrieben. Einige begehen Selbstmord. Selbst die, die bereit sind sich anzupassen, verlieren ihre Stellung und Lebensgrundlage. Das Verhältnis wird, wie die Verfolgung und Diskriminierung über Jahre anhalten.

Wir sprechen hier nicht von Erdogan und dem Umbau seiner Türkei nach seinem Putsch. Wir reden hier von den „Anschlussgebieten“ , von Ostdeutschland. Nach 1990 lief hier eine Welle der Säuberung, gegen die Erdogans Bemühungen nur ein grauer Schatten ist. Zirka 800.000 im öffentlichen Dienst Beschäftigte Ostdeutsche wurden „abgewickelt“, mehr als 120.000 im Hochschulwesen beschäftigte mussten ihre Stellen räumen. Und so weiter…. Der Öffentlicher Dienst, die Schulen, Universitäten, die Wirtschaft, das Militär und die Polizei im Osten werden heute von Westdeutschen beherrscht und gesteuert.

Wenn Frau Merkel sich über die undemokratischen Verhältnisse in der Türkei beschwert – Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen.

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