Hindukusch und Corona

Streichholz 24.2.2021

Die Demokratie wird am Hindukusch verteidigt.

Der Bundestag tagt.  Es wird dieses Mal nicht vom Gesundheitsminister entschieden, aber es wird entschieden. Die Mission, das Mandat, die humanitären Maßnahmen, das Wiederaufbauprogramm, also kurz: Der Krieg geht weiter.

Vornevertedigung am Hindukusch, einer hat es mal ausgesprochen und dann musste er gehen, seinen Posten verlassen.

Grüne und SPD stimmten 2001 für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Wer den Einsatz von Soldaten in Waffen, für was auch immer, „humanitär“ nennt, ist entweder verbrecherisch naiv oder einfach verbrecherisch.

Schon hier zeigt sich der Charakter der Parteienführungen, der Berufspolitiker in den beiden Parteien, die für sich in Anspruch nehmen „links“ zu sein. Es sind Kriegs-Politiker.

In diesem Land, in dem Deutschland keinen Krieg führt, sind nach unterschiedlichen Zählungen zwischen 26 und 59 Deutsche gestorben. Das ist nicht mehr als im Urlaubsland Thailand im gleichen Zeitraum. Am Hindukusch waren es allerdings Soldaten in Thailand, meist Urlauber.

Die toten Afghanen hat mir noch keiner vorgezählt. Es gibt über 55000 Tote dort, die auf Corona zurückgeführt werden. Für den nicht erklärten Krieg finden sich keine Zahlen.

Die deutschen Politiker zieht es auch nach Mali, nach Schwarzafrika. Die Kolonien haben sie lange verloren. Jetzt dürfen sie sie bei den Franzosen ein wenig mitspielen. Aber für den Aktionär spielt es keine Rolle, ob der Politiker, der seine Interessen in der ehemaligen französischen Kolonie vertritt, die deutsche, die englische oder die französische Sprache benutzt. Auch die Sprache der bezahlten und bewaffneten Handlanger ist dem Aktionär und dem Politiker so ziemlich gleich. Die Toten Afrikaner werden nicht gezählt.

Sie sind beschäftigt mit der Unsicherheit

Vielleicht muss das so sein. Vielleicht soll es den totalen Kollaps geben. Den Schauspielern wird verboten, ihre Welt darzustellen, den Musikern wird verboten, die Massen zu erheitern, den Lehrern wird verboten, den Kindern das kleine Einmaleins beizubringen. Wozu sollen sie lesen, wenn sie doch nur Kreuzchen machen müssen hinter dem richtigen Parteisymbol? Und allen wird die Seele genommen und das Gefühl und das menschliche Miteinander.

Der von Menschen befreite Markusplatz atmet auf und ist in seiner wahren architektonischen Größe zu sehen. Seltsam, fast wie Ruinen muten die Hotelburgen an Spaniens Sonnenküste an, Ruhe strömt über die Hänge der Alpen.

Das haben wir getauscht.

Das ist der Preis für saubere Luft: Bettelnde Musiker, stressübervorderte Eltern, Analphabeten, gefühlskalte Sozialarbeiter, die vorher eine Gaststätte führten, Handwerkerkinder, die keine Ausbildung finden, Puppenspieler, die ihre Figuren öffentlich verkaufen, Ausstellungen, die nur vom Reinigungspersonal besucht wird, oder nicht einmal dass, weil diese schon entlassen sind.

Sterne reisen immer weiter ins All. Die Welt dreht weiter. Sie kümmert sich nicht um uns. Nicht um den Dreizehnjährigen am Ufer des Mali-Flusses mit dem G8 über der Schulter, nicht um den Arzt, der mit der Maske über Nase und Mund am Donauufer sitzt. Sie müssen es selbst tun. Oder es muss ihnen jemand sagen: Wirf das Gewehr weg, Du brauchst es nicht um glücklich zu sein! Nimmt die Maske ab, damit die Menschen Dir in das Gesicht sehen können, in Dein Lächeln, mit dem Du die Patienten heilst.

Julius Turm


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