Archiv der Kategorie Geschichten

Un-Heile Welt

Gesellschaft und Utopie

Das Buch „KohĂ€renz“ von Ralph Edenhofer

Heile Welt

Herr Edenhofer hat ein Buch geschrieben. Das hat er schon mal gemacht. Aber ich habe bisher von ihm nur dieses eine gelesen. Ich habe es bis zur Seite 141 gelesen, bin dann auf die Seite 258 gesprungen und habe dort weitergelesen. Ich konnte mir bei Seite 140 nicht vorstellen, dass da noch irgendwas kommen könnte, was mich ĂŒberraschen wĂŒrde. Ich kann nicht sagen, ob das von Seite 141 bis 258 der Fall gewesen wĂ€re, aber fĂŒr die Seiten ab 258 kann ich sagen, dass es eigentlich keine Überraschungen mehr gegeben hat.

Warum ich trotzdem bis zur Seite 377 weitergelesen habe? Nun, Spannung hat das Buch ja. Und gefĂ€llig geschrieben ist es auch. Es macht also Spaß, es zu lesen und das reicht ja in den allermeisten FĂ€llen aus, ein Buch nicht aus der Hand zu legen.

Aber fĂŒr mich ist dieses Buch auch bemerkenswert. FĂŒr mich bricht es mit meinem bisher Erlebten in der SF-Szene der (west)deutschen Buchwelt – die ich eigentlich nicht kenne, da mir lediglich „Perry Roden“ und Stephen King als typisch fĂŒr diese Gegend einfĂ€llt. Orwell und Wells zĂ€hle ich nicht dazu, denn das sind Werke die unbestritten einer anderen Welt angehören.

ZurĂŒck zum Buch. Ein Bild von einer heilen Welt in der fernen Zukunft. Der Mensch hat keine materiellen Sorgen mehr, das Leben des Einzelnen kann bis in die Unendlichkeit ausgedehnt werden, die Menschheit wĂ€chst zahlenmĂ€ĂŸig ins Unendliche. Was fĂŒr eine schöne Welt, möchte man meinen. Aber diese Welt hat auch gravierende Fehler und sie werden deutlich durch den Autor hervorgehoben. Darauf baut er seinen Konflikt auf.

Niemand stirbt mehr. Jedenfalls muss niemand mehr wegen eines verbrauchten Körpers sterben, es wird ihm ganz einfach ein neuer Körper zur VerfĂŒgung gestellt. Der Geist wird in einer digitalen Konserve aufgehoben und kann wiederverwendet werden. Wie schön. Ein Menschheitstraum ist erfĂŒllt, das ewige Leben.  

Der Geist allerdings und wir kennen das aus unserem digitalen Leben, verschleißt. Unsere Konserven der digitalen Welt, etwa Filmkopien auf DVD, verschleißen mit der Zeit. Die Filme verlieren Pixel. Oder der Computer, den wir lange benutzten, stĂŒrzt dann immer öfter ab. Irgendwann ist die Festplatte so mit zerstĂŒckelten Programmen belegt, dass eine Neuinstallation notwendig wird. NatĂŒrlich verlieren wir dabei wichtige Daten. Oder es gibt einen einfachen Stromausfall
.

Wenn der Geist des Menschen verschlissen ist, wir nennen es in unserer Welt wohl „Demenz“, versinken sie in einen zunehmenden Zustand der EntrĂŒckung von der Welt und sterben endlich, weil sie keinen neuen Körper mehr annehmen oder bekommen. Das ist die Lösung, fĂŒhrt aber zu steigenden Einwohnerzahlen, weil es eben mit den „Defekten“ nicht so schnell geht, wie mit dem Kindermachen. Dieses ewige Leben in der Zukunft ist aber nur eine nebenbei-technische Konstruktion, die dabei hilft den Konflikt der Protagonisten im Buch aufrecht zu erhalten.

Beim Lesen treten Fragen auf. Es gibt keinen Missbrauch der Konserve, es gibt keine Unstimmigkeiten, keinen ernsthaften Streit. Ist die Menschheit so zufrieden, dass sie gar nicht mehr zu Meinungsverschiedenheiten, zu Eifersucht, Missgunst, Machtmissbrauch, kommt? Sind wirklich alle Probleme mit der Behebung materieller EngpÀsse beseitigt?

Eine zweite, die entscheidende, Konstruktion fĂŒr die Geschichte ist die Schaffung der KohĂ€renz. Es ist erstrebenswert, keine Kriege mehr zu erleben. Besonders wenn in naher oder ferner Zukunft immer wieder die Gefahr eines Atomkrieges mit dem Ergebnis der Auslöschung der gesamten Menschheit ĂŒber unseren HĂ€uptern schwebt, ist es ein nicht abzuweisender und verstĂ€ndlicher Wunsch, Kriege an sich unmöglich zu machen.

Angehaltene Welt

Und doch ist da etwas. Da entsteht dieser Konflikt. Es darf in dieser Welt der Menschen keine technologischen Entwicklungen geben. Der Autor hat die unterschiedliche Entwicklung, besonders im technologischen Bereich, der Menschen auf den verschiedenen Welten/ Erden/ SiedlungsrĂ€umen als die Ursache von Kriegen ausgemacht. Und aus diesem Grunde wird die technische und gesellschaftliche Entwickelung unterbunden und wenn jemand dagegen verstĂ¶ĂŸt dann droht die physische Vernichtung.

Der Held der Geschichte hat die Aufgabe, zu ĂŒberwachen, dass niemand in seinem Sonnensystem vom Grundprinzip der KohĂ€renz abweicht, das eherne Gesetz ĂŒbertritt. Der große Zusammenhalt aller menschlich besiedelten Sonnensysteme soll ĂŒber gleichschnelle Entwicklung erreicht werden. Wenn eine Menschheit in einem Sonnensystem das Prinzip verletzt und etwa technologischen Fortschritt erforscht und zu erlangen versucht, so sind die „Revisoren“, wie eben auch der Protagonist, zustĂ€ndig fĂŒr die Vernichtung der gesamten Menschheit des Planetensystems. Millionen, vielleicht Milliarden Menschen sterben.

Ist das erstrebenswert? Was sind da unsere Kriege in der Jetztzeit, wenn nachher Milliarden umgebracht werden, wegen der Einhaltung des Prinzips? Die BegrĂŒndung der Regierenden dafĂŒr ist, dass es der Untergang der gesamten Menschheit ist, wenn das Prinzip nicht eingehalten wird.

Der Autor hat da ein Problem. Es lĂ€sst sich mit seiner Sicht auf die Dinge auch nicht lösen. Ist es heute notwendig, alle Atomforscher umzubringen und das Wissen ĂŒber die Atomenergie zu vernichten, damit die Menschheit nicht in einen Atomkrieg kommt? Dazu ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Es herrscht weitgehend Einigkeit, dass es nicht sinnvoll ist, alle Atomphysiker umzubringen und dass es auch nicht möglich ist, den Fortschritt der Technologie mit dieser Vorgehensweise aufzuhalten.

Der Autor ist in eine ferne Zukunft gereist, in der alle TrĂ€ume und Ideen der Kommunisten erfĂŒllt sind. „Jeder nach seinen BedĂŒrfnissen!“ Die Voraussetzung dafĂŒr ist es, ausreichende Menge von allem bereitzustellen. Es sollen alle aus dem Überfluss schöpfen können, der nicht unter ihren BedĂŒrfnissen und WĂŒnschen zusammenbricht.

Gleichzeitig ist hier der große Vorwurf gegen eine Gesellschaft im Überfluss verarbeitet. Das „Schlaraffenland“ in dem einem die gebratenen GĂ€nse in den Mund fliegen und MĂŒĂŸiggang die bevorzugte BeschĂ€ftigung ist, wird hier als allgegenwĂ€rtiger Zustand genommen. Das große Ziel ist erreicht, Tod, Krankheit, Mangel, Unfreiheit in jeder Form ist besiegt, Gleichheit herrscht ĂŒberall.

Was fĂŒr ein Alptraum! Keine Entwicklung mehr, nur noch MĂŒĂŸiggang, der Innovationsgeist der Menschen, der Menschheit, ist gebrochen.

Alternativen?

Das ist ein Vorwurf der auch gegen den Traum vom Kommunismus gerichtet ist, so wie ein „westlich denkender“ Mensch es versteht. Wenn alle gleich viel haben und jeder hat genug, wie soll es dann noch die Menschen zur Entwicklung inspirieren?  Und Stillstand ist gleich Untergang. Die Gleichmacherei unterdrĂŒckt den Innovationsgeist und die Freiheit des Einzelnen in Denken und Handeln. Es ist nicht nur der volle Bauch, es ist auch die UnterdrĂŒckung von Fortschritt und Denken, die der Kommunismus aus dieser Sicht hervorbringt und angeblich zu seiner StabilitĂ€t braucht.

Materiell ist diese Welt möglich. Sie liegt gar nicht so sehr in der Ferne. Zwar ist es technologisch noch weit hin, bis wir lichtschnell oder nahezu lichtschnell in andere Galaxien reisen können, aber den allgemeinen Wohlstand auf der Erde könnten wir in wenigen Jahrzehnten ausrufen. Wir produzieren genug GĂŒter, um die ganze Menschheit mit genĂŒgend Nahrungsmitteln, lebenswerten UnterkĂŒnften, Gesundheitsdiensten, Altersversorgung und auch mit der gegenwĂ€rtig modernen und erstrebenswerten Technik versorgen zu können.

Noch können wir das alles nicht im Überfluss bieten, aber alles ausreichend fĂŒr alle.  und gleichmĂ€ĂŸig verteilt, auch gerecht und befriedigend.

Wir Menschen als Menschheit haben jede Menge Potential. Wir mĂŒssen nur vernĂŒnftiger produzieren, manche Dinge nachhaltiger machen, gerecht verteilen, lokale Gegebenheiten nutzen und stĂ€rken. Das geht und wir haben die Technologie, bald einen Überfluss an materiellen GĂŒtern, auch fĂŒr alle, bereitzustellen.

VernĂŒnftiger wĂ€re allerdings nur das Benötigte herzustellen. Aber auch das ist möglich.

Selbst Gleichberechtigung, individuelle Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit lĂ€sst sich herstellen. Und das nicht nur zwischen den Menschen, sondern auch zwischen den Völkern. An vielen Stellen braucht es nur eine andere Denkweise, das Weglassen von hassschĂŒrender Propaganda, die Unterbindung von Gier der Reichen, ausreichende Bildung, auch in Geschichte.

Das sind die Sichten eines einseitig gebildeten und von der herrschenden Auffassung des herrschenden Systems, nÀmlich dem Kapitalismus, beherrschten Gehirns.

An keiner Stelle, jedenfalls ist mir keine aufgefallen, geht der Autor auf die Prozesse der Herstellung der GĂŒter ein. Es passiert alles automatisch, anscheinend braucht es keiner menschlichen Einflussnahme mehr, um alles zu richten und doch machen die Menschen ja was. Die Erstbesiedler erforschen den Planeten, sorgen fĂŒr die Entwicklung einer BiosphĂ€re, nachdem sie die GeosphĂ€re geordnet wurde.

Aber wer macht es, wer treibt das an, wer bezahlt das? Wer trifft Entscheidungen was, wann, wo und wieviel produziert wird? Der EigentĂŒmer all der Produktionsmittel sollte ermittelt werden. Derjenige trifft dann auch so schwerwiegende Entscheidungen ĂŒber den Tod von Milliarden und den Tod der gesamten Menschheit.

Wenn an die Stelle der jetzigen TriebkrĂ€fte, dem Trieb nach persönlichem Reichtum und Macht und dem Zwang immer besser zu sein, als der andere Produzent, weil sonst der eigene Untergang ansteht, eine andere Triebkraft, nĂ€mlich das Streben nach BedĂŒrfnisbefriedigung des Einzelnen, wie auch der Menschheit insgesamt, tritt, dann ist der Entwicklung kein Hindernis entgegengesetzt.

Wenn an Stelle der jetzigen KriegsgrĂŒnde, nĂ€mlich der Profitgier der RĂŒstungs- und anderen Konzerne, dem geschĂŒrten Hass, der Gier nach Macht der Obersten, die Gleichheit, Achtung, Gerechtigkeit, das Gesetz, treten wĂŒrde, wenn vor allem die Gier beseitigt wĂ€re, dann brĂ€uchte es keine Kriege. Technologieunterschiede bedeuten nicht automatisch Krieg. Es kann zum friedlichen Austausch von Technologie kommen, wenn alle Parteien das Beste fĂŒr alle Parteien wollen. Krieg vernichtet, Technologie hebt.

Alles Feinde

Der Mensch ist des Menschen Feind? Der Mensch ist ein Tier? Der StĂ€rkste setzt sich durch? Was fĂŒr absurde Theorien. Was fĂŒr hĂ€ssliche Propaganda! Der Mensch ist Mensch und konnte sich als Menschheit auf diesem unseren Planeten behaupten und ĂŒberleben, weil er eben in der Gemeinschaft zusammengehalten, sich gegenseitig geholfen, Technologien und Kultur weitergegeben hat. Der Mensch hat sich mit und gegen die Natur (und das Klima) behauptet. Und das konnte er nicht allein dank einzelner Akteure (Helden, Unternehmer), sondern nur in der Zusammenarbeit erreichen.

Wenn alle Menschen Feinde wÀren, dann wÀre diese Spezies lÀngst vom Erdenrund verschwunden.

Wenn alle Menschen Helden wĂ€ren, wer wĂŒrde die SĂ€uglinge nĂ€hren, die Windeln wechseln, Kartoffeln anhĂ€ufeln, das Essen zubereiten, Holz hacken, Öl fördern?

Wenn alle Menschen erfolgreiche Unternehmer wĂ€ren, könnte es keine Insolvenzen mehr geben, wĂŒrde es keine noch besseren Staubsauger geben und schon gar keine Saugroboter.

Dem Marxismus wird der Vorwurf gemacht, er schlösse den „menschlichen Faktor“ aus seinen Überlegungen aus. Es wird behauptet, dass Gier, Neid, Missgunst usw. dem Menschen innewohne und dass immer einer besser als der andere wĂ€re und einer immer mehr haben wolle als andere haben.

Es ist so, die Menschen sind nicht gleich. Nicht einmal Frösche sind einer wie der andere. Aber deswegen bringen sich doch Frösche auch nicht gegenseitig um. Sie teilen nicht, wenn Not da ist, das können nur Menschen, oder auch LöwenmĂŒtter mit ihren Kindern.

Aber wenn die schlechten Eigenschaften nicht propagiert werden und nicht geschĂŒrt und wenn die Gierkranken ein wenig mit Regeln in Zaum gehalten werden, dann funktioniert das menschliche Zusammenleben ganz ohne Hass und Todschlag.

Die Produktionsmittel gehören allen. Das heißt nicht, dass sie keinem gehören, sondern dass alle teilhaben daran und an den Ergebnissen, der Produktion. Die Entscheidungen werden lokal fĂŒr die lokale Bevölkerung getroffen und global durch das Zusammenwirken aller. Die technischen Mittel fĂŒr Gerechtigkeit, Kontrolle und Durchsetzung sind da und entwickeln sich.  Die ethischen Regeln mĂŒssen sich auch nach und nach entwickeln, das aber funktioniert nicht, wenn einzelne auf Grund ihrer ökonomischen Macht auch die Propaganda und die Gesetzgebung und deren Durchsetzung beherrschen.

Dass lĂ€sst der Autor aus. Vermutlich hat er von der Marxschen Theorie gehört, vom „Kapital“ und der gĂ€ngigen Kritik, aber fĂŒr sein Buch ist es nicht relevant. Ein gesellschaftlicher Entwurf in dieser Richtung, das wĂ€re es wert mal durchzuspielen. Vielleicht ist dann diese Schrecklichkeit, Milliarden umbringen zu mĂŒssen und das um Stillstand durchzusetzen, zu vermeiden.

 

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Null Covid Bock!

Ich habe so die Schnauze voll. Wie weit muss der Verstand gelitten haben. Vor kurzem ging so eine Kampagne durch die Medien. NullCovid oder ZeroCowid oder #ZeroCovid ist die Initiative, die scheinbar von LINKS ausgeht und auch die Betriebe, Fabriken, Schulen und BĂŒros schließen will und die Aufsicht ĂŒber den totalen Shutdown an die ArbeiterInnen ĂŒbergeben will. Es geht um die ABSOLUTE Stilllegung, um TOTALES Runterfahren aller AktivitĂ€ten.

Wie weit muss der Verstand gelitten haben, wie weit muss das GeschwĂŒr der Dummheit sich schon vorgearbeitet haben, wie weit muss das Wissen aus den Köpfen schon ausgeblasen worden sein durch Xbox-Ballerspiele und „Hartz aber herzlich“ und Seifenschmierentheater??

Null, total, absolut, das ist schon mitten drin in ein einer absoluten Welt, in einer Welt der Diktatur, des Faschismus! Und es ist die scheinbar linke Bewegung, die dem noch Vorschub gibt. Die SÀuberung des Reichstages von der Opposition geschah noch gegen Widerstand in der politischen Welt. Die SÀuberung des Bundestages von der Opposition scheint schon vollzogen. Jedenfalls sind es nicht die sogenannten linken KrÀfte, die da in der Gegenwehr sind.

Seht euch um: Die Gesichter sind verschwunden, das LĂ€cheln, die Menschen weichen sich aus, scheuen jede BerĂŒhrung, sehen sich nicht mehr in die Augen, Tanz, Sport und Spiel sind verboten, fröhliche Kinder nur noch hinter verschlossenen TĂŒren, arbeiten erlaubt, fĂŒr den Sieg, Alte gehören weggesperrt, sind ĂŒberflĂŒssige Fresser, Freiheit ist Schweigen, Kritik ist leugnen, Null ist Alles, die Grenzen werden geschlossen, jeder ist Niemand, die Impf-Helfer wachen ĂŒber die Volksgesundheit, die Uniformen sorgen fĂŒr Jeden. Seht euch nicht um.

Es ist an der Zeit die Betriebe nicht mehr zu betreten, ja. Bleibt vor dem Tor stehen. Atmet die frische Luft, zeigt eure Gesichter! NatĂŒrlich mit Abstand.

Ich habe so die Schnauze voll. Um ziebzehn Uhr, wenn ich von der Arbeit komme lĂ€utet immer die Kirchenglocke auf dem Turm. Es ist niemand gestorben. Sie lĂ€utet immer, vielleicht lĂ€utet sie auch gar nicht und es nur ein TontrĂ€ger, der regelmĂ€ĂŸig abgespielt wird, um die Zeit anzuzeigen, besser anzuhören. Die verscheißern uns ja ĂŒberall. Meine Oma erzĂ€hlte, wie immer die Heldenglocke gelĂ€utet wurde, wenn einer gefallen war. Dann haben sie es aber verboten. Es waren zu viele und das macht Angst.

Vielleicht haben sie es ja jetzt auch verboten, die Glocken zu lĂ€uten Ich habe jedenfalls dieses Jahr die Totenglocke noch nicht gehört , nur einmal, da ist Pfarrer Rendtmeier gestorben. Aber der war 96, nicht Fan, war er ja auch, aber er hat immer den MĂ€dchen in die Backen, die Hinterbacken, gekniffen. Er war 96 Jahre alt. Jedenfalls hat er keine Chorknaben vernascht. Eher mal einen ĂŒber den Durst getrunken. Und gestorben ist er trotz Corona. Hat er gesagt. Wenn das jetzt so ist, hat er gesagt, dann mĂŒĂŸte er vielleicht noch ein Weilchen auf dieser Erde bleiben, damit er seine SchĂ€fchen aufklĂ€ren kann. Die sind ja alle so verloren, die werden ja so verscheißert, er kann es ja sagen, ihm tut keiner mehr was. Aber tot ist tot.

Jetzt kommen die Nachrichten. Ich muss gleich los zur Arbeit. Die Kinder zum Schulbus bringen, heute kriegen sie wieder einen neue Maske, wer soll das jeden Tag bezahlen, sie reißen sie sich vom Gesicht und dann sind sie dreckig und dann mĂŒssen sie eine Neue haben. Dann ich zum Bus, in die andere Richtung.

17tausend Infizierte bei 34tausend Inzidenzien und 8 belegten Betten von 7prozent ins Schienbein. Ich höre da nicht mehr hin. Das ist unlogisch.

Und dann der Wetterbericht mit trocknen Wolken. Mir reichts. Wenn die wenigstenss die 6. Klasse erreicht hÀtten, die solche Zahlen raushauen, dann könnten die sich das selber ausrechnen. Da stimmt irgendwas nicht.

Vorsicht, Achtung:  Das ist eine Textaufgabe, lasst euch von euren Eltern helfen! Wenn von 15.000 Krankenhausbetten in einem Land 2 KrankenhĂ€user geschlossen werden und wenn also 1500 Krankenhausbetten und davon 25 Intensivbetten und davon waren 20 Betten belegt, wenn also das Krankenhaus wegrationalisiert wurde, weil es einfach keinen Gewinn eingefahren hat, das ist ja verstĂ€ndlich, wenn es heute also weg ist, wieviel Intensivstationsbetten stellt es dann heute zur VerfĂŒgung? Richtig, vollkommen richtig! Gut und wieviel davon sind dann bei 80% Auslastung belegt? Die wollen uns verscheißern. Mit mir nicht. Schmiert Euch Eure Zahlen in die Haare!

Ich sitze im BĂŒro. Heimarbeit ist nicht, habe ich abgelehnt. Hat auch der Chef abgelehnt. Ich hĂ€tte die ganze AusrĂŒstung mitnehmen mĂŒssen. Da sitzen wir. Absaugvorrichtung, die in der ersten Woche eine angenehme LautstĂ€rke hatte, jetzt aber zieht es und ich habe schon den zweiten Schnupfen durch in diesem Winter und mit dem Kollegen treffe ich mich an der Kaffeemaschine. Trotz der rumfliegenden Viren und Bazillen. Das hat uns die ganzen Jahre vorher auch nicht gestört.

Jetzt sollen wir uns auch noch testen lassen. Aber der Chef sagt, QuarantÀne gibt es nicht, dann könnt ihr ja gleich im Homeoffize arbeiten. Und wer soll dann die Fahrer abfertigen?

Ich denke wir sollten dem Spuk ein Ende bereiten. Ob Virus oder nicht. Wenn die Leute sterben wĂŒrden wie die Fliegen oder alle zusammen zu Hause krank im Bett liegen wĂŒrden, dann mĂŒĂŸte man vorsichtig sein, aber solange die sich hier alle auf Arbeit rumdrĂŒcken, was soll da der ganze Coronaspuk? Nur damit wir nicht in die Kneipe gehen oder in den Urlaub fahren können? Ne, ich habe die Schnauze voll. Ich höre da nicht mehr hin. Basta.

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PĂŒnktlich wieder raus

Ist Ihnen das auch schon einmal so gegangen: Sie setzen sich pĂŒnktlich auf den Friseurstuhl. Es ist FĂŒnfzehn Uhr, pĂŒnktlich. Der Zeiger rĂŒckt gerade auf die Zwölf. Die Friseuse macht im Spiegel ein freundliches Gesicht, wirft Ihnen den Umhang ĂŒber und in diesem Augenblick kommt dieses Zeitzeichen im Radio und der Radiosprecher sagt in seinem gewohnt sachlichen Ton: „Beim letzten Zeichen war es genau 15 Uhr.“

„Nein“, denkst Du bei dir, nein, das Radio geht schon wieder fast zwei Minuten nach!“ Aber du sagst es nicht der Friseuse, erzĂ€hlst nichts von deinen Gedanken. Vielleicht wĂŒrde sie dann darĂŒber nachdenken und dann mĂŒssten die Haare drunter leiden oder dein Angesicht.

So aber erzĂ€hlt sie nur von ihrer Tochter und da das so mehr SelbstgesprĂ€che sind, du also nichts antwortest, nichts antworten musst, ist alles in Ordnung. Bewegen, vielleicht mit dem Kopf nicken, vermeidest du, jedenfalls, solange dir die Schere im Nacken klappert, sowieso. Solange  ist deine Schönheit auch nicht gefĂ€hrdet.

Dann kommt im Radio diese Nachricht: Die USA haben den INF-Vertrag gekĂŒndigt! Die Friseuse hĂ€lt inne. Und du spĂŒrst, Gefahr liegt in der Luft! „Diese Idioten!“ sagt die Friseuse. Sie klappert gefĂ€hrlich mit der Schere in der Luft. Du duckst dich unwillkĂŒrlich ein wenig in deinem Stuhl.

Die Frau tritt einen Schritt von deinem Stuhl zurĂŒck. Du siehst es im Spiegel. Sie ringt mit der Fassung.

„Wie haben wir damals gejubelt“, sagt sie. Der Gorbatschow hat es geschafft. Er hat den Reagen rumgekriegt. Allerdings, wir haben uns damals schon gefragt, wie er das gemacht hat, wie er das erkauft hat und tatsĂ€chlich, die AbrĂŒstung war ein wenig einseitig. Die Russen, damals ja noch Sowjetunion, haben Kernkompetenz“, sie kichert leise, und wiederholt „Kernkompetenz“ und betont dabei –Kern-, „die Raketen abgebaut und die Amis haben ihre Hauptwaffen, die Bomber und Fernraketen behalten.“

Da du jetzt außer Reichweite der Schere bist, wagst du eine Frage.

„Nein“, antwortet die Frau. „NuklearsprengsĂ€tze wurden nicht  reduziert. Es wurde nur das WettrĂŒsten bei den Raketen mit Reichweiten von 500 bis 5500 KM beendet. Die TrĂ€gersysteme sollten beseitigt werden.“

„Warum war das so ein Erfolg, wenn die nukleare Gefahr genau so ist wie vorher?“

Die Friseuse lehnt sich an das Waschbecken. „Eine Rakete mit Nuklearsprengkopf vorzubereiten und  abzuschießen dauert nur wenige Minuten. Die Rakete fliegt von Westdeutschland bis Moskau weniger als eine Stunde. Ein Flugzeug mit einer nuklearen Bombe braucht lĂ€nger in der Vorbereitung, lĂ€nger fĂŒr den Flug und ist leichter abzuschießen, bevor es das Ziel erreicht. Somit ist die Gefahr, einen ĂŒberraschenden Nuklearschlag zu fĂŒhren, wesentlich geringer. Und damit die Gefahr eines Kriegsausbruches.“

Ich nicke zustimmend. Das leuchtet mir ein. Dann will also die USA wieder mehr Kriegsgefahr. Das kann ich verstehen. Die werden von der wirtschaftlichen und finanziellen Macht der Inder, Chinesen und vielleicht Russen stark bedrĂ€ngt. Die FlugzeugtrĂ€ger reichen nicht mehr als Abschreckung, denn die Chinesen haben inzwischen auch solche Dinger. Sogar die Inder haben einen gekauft. Da muss man endlich mal dagegenhalten, wenn solche billigen ehemaligen Kolonien jetzt aufmĂŒpfig werden. Da braucht man Raketen, die bis nach Peking fliegen und nach Teheran und Moskau. Dann wird eben Polen zur Front, wenn dort die Raketen stationiert werden.  Polen ist schwach besiedelt. Da kann man so einige Raketen zur Abschreckung aufstellen. In der TĂŒrkei stehen auch Abschussrampen.

Ich Ă€ußere gegenĂŒber der Friseuse die Hoffnung, dass Deutschland von der Stationierung von Abschussrampen verschont bleiben wĂŒrde. Sie ist anderer Meinung. „Diese Regierung und jede andere werden aufs Geld gucken und die sind doch schon immer von den Amis gekauft. Da kann das Volk“, sie betont „DAS VOLK“, und es hört sich ein wenig verĂ€chtlich an, „ruhig zu einhundert Prozent dagegen sein, auch die Abgeordneten. Die amerika-hörige Regierung wird es wieder zulassen. Und dicke Pensionen beziehen.“

Ich protestiere gegen diese Meinung. Die Friseuse hebt drohend die Schere. „Das Grundgesetzt wurde von den Amis abgenickt und die bundesdeutsche Regierung hat in den letzten 70 Jahren keinen Beschluss ohne die Zustimmung der Amis oder der Industrie gefasst.“ Sie tritt von hinten an meinen Stuhl. „Aber lassen Sie mal. Es kommt wie es kommt. Als Volk brauchen wir uns darĂŒber keine Gedanken zu machen.“ Zwischen den Schneiden der Schere höre ich meine Haare knirschen. Die Frau konzentriert sich auf ihre Arbeit. Ich verlasse unverletzt den Laden.

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Der Pfuhl muss zugeschĂŒttet werden.

Ein See in Afrika, ein Krater-See des Nyiragongo, bestehend aus flĂŒssigem Gestein, aus Lava,  produziert angeblich (wissenschaftliche Untersuchung = fake news) ebenso viel Schwefeloxid, wie die gesamte europĂ€ische Industrie.

Wenn also die KlimaschĂŒtzer ernsthaft gegen die Klima-Killer-Gase vorgehen wollten, dann hĂ€tten sie hier ein lohnendes Objekt. Die Einstellung des Betriebes eines einzigen afrikanischen Vulkans wĂŒrde die europĂ€ischen Klimaziele fĂŒr Jahre sichern.

Aber, da ist natĂŒrlich noch die andere Sache. Mit der Schließung des afrikanischen Vulkans wĂŒrden der LĂ€rm in den deutschen StĂ€dten, der Smog an Sommertagen und die Feinstaubbelastung durch den Gummiabrieb bremsender und anfahrender Kraftfahrzeuge noch nicht beseitigt. Aber auch da findet sich sicher eine einfachere Lösung. Es muss sicher nicht an der Eigendefinition des freien Deutschen gekratzt werden: Am massenhaften Individualverkehr mit großen schnellen Automobilen. Sicher findet sich auch fĂŒr das grĂ¶ĂŸte Ärgernis des freien Deutschen eine Lösung: den massenhaften und bremsenden GĂŒterverkehr auf der Straße. Lassen wir den Verantwortlichen doch noch etwas Zeit.

Ein anderes Problem allerdings ließe sich mit der massenhaften Schließung afrikanischer Vulkane, wenn auch nicht beseitigen, doch aber wahrscheinlich vermindern. Wenn die Vulkane nicht mehr Feuer speien und Lava und totbringende Gase in die Umgebung entsenden, wird das Leben in Afrika wieder ungefĂ€hrlich und lebenswert, und viele, die jetzt auf lebensgefĂ€hrlichen Wegen nach Europa drĂ€ngen, wĂŒrden bei sich zu Hause bleiben.

Die Politik hat ja schon seit einiger Zeit erkannt, dass es seit einigen Jahren vermehrt KlimaflĂŒchtlinge gibt. Auch bei den gegenwĂ€rtigen Diskussionen um die Regierungsbildung und die wichtigsten Fragen des deutschen Wohlstandes geht es genau um diese Frage. Dabei bezieht sich die Politik weniger auf die steigenden Zahlen der Flugreisenden in warme sĂŒdliche LĂ€nder, sondern mehr auf die Ströme von Reisenden in den Norden des europĂ€ischen Kontinents. Dabei bietet der Norden doch bekanntlich ein wenig anheimelndes Wetter. Jedenfalls draußen. Seit Wochen regnet es. Und wenn erst vielleicht richtiger Schnee fallen wĂŒrde
.

Warum ĂŒberhaupt ziehen diese ganzen Klimawanderer in den Norden? Wenn sie in den SĂŒden ziehen wĂŒrden, hĂ€tten sie einen viel kĂŒrzeren Weg! Und ungefĂ€hrlicher als der Weg ĂŒber das unberechenbare Mittelmeer ist es allemal!

Gib Gott, dass es bald eine deutsche Regierung fĂŒr die freien Deutschen gibt. Die wird schon alles ordentlich regeln, oder?

 (Der fast 3.500 Meter hohe Stratovulkan Nyiragongo gehört zu den acht aktiven Virunga-Vulkanen im Grenzgebiet von Ruanda, Uganda und dem Kongo.)

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Oktober

Der erste Herbststurm ist durch. Es gab Tote. Die StĂ€mme der BĂ€ume, die die Straßen blockierten sind teilweise zersĂ€gt, aber wenigstens von der Fahrbahn gerĂ€umt. Frei Fahrt fĂŒr freie BĂŒrger. Unvorstellbar, wenn die Straßen fĂŒr mehrere Tage unpassierbar blieben fĂŒr die Berufspendler, die EinkĂ€ufer und die Konzertbesucher. Unvorstellbar fĂŒr unsereins.

Die stehengebliebenen BĂ€ume fĂ€rben ihr Laub recht unterschiedlich. Die NadelbĂ€ume bleiben vollkommen unberĂŒhrt von der sich Ă€ndernden Stimmung. Goldener Herbst. In Nordamerika wĂŒrde man „indian summer“ dazu sagen. Aber wir sind in Deutschland. Da sind wir selbst die „natives“. Da haben wir ein „Jobwunder“. Niemand bleibt stehen und sieht sich die bunten BlĂ€tter an. Keine Zeit.

Irgendwann im Oktober schoss der Panzerkreuzer „Aurora“ eine Platzpatrone in den Himmel von Petrograd. Das Signal zum Sturm der „Roten Garden“ auf das „Winterpalais“, in dem Provisorische Regierung Russlands ihren Sitz hatte. Ein Nebenschauplatz der Geschichte. Eine Kriegsgeburt, dieser Beginn einer neuartigen Diktatur, der „Diktatur des Proletariats“. Aber das GeschwĂŒr im Leib des Kapitalismus wuchs. Ein Tumor, der abgetötet werden konnte. Nicht zuletzt, weil aus der „Diktatur des Proletariats“ eine Diktatur ohne das Proletariat wurde.

Die Erinnerung aber, die Erinnerung an die Hoffnungen, die sich auch teilweise erfĂŒllten, die bleibt und sie wird sich in den folgenden Generationen erhalten. Die Hoffnungen auf Gerechtigkeit, auf MenschenwĂŒrde, auf BrĂŒderlichkeit und bewusster Zukunftsgestaltung fĂŒr die Menschheit hat einen herben Schlag erhalten. Der Keim aber ist gelegt. Ein erster Versuch ist unternommen worden. Noch gibt es kein Schlussbild.

Es ist nicht mehr lang hin. Die BĂ€ume werden auch ihre allerschönsten BlĂ€tter abgeworfen haben. Kahlheit. Aus Melancholie wird tropfende Traurigkeit. Die mĂ€rkischen Kiefern behalten standhaft ihre Nadeln, die grĂŒnen. Die Fichten und Blautannen mĂŒssen zu abertausenden in die Wohnzimmer. Wegen der Hoffnung. Und wegen der Tradition. Und weil ohne dem das WeihnachtsgeschĂ€ft nicht lĂ€uft.

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