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Null Covid Bock!

Ich habe so die Schnauze voll. Wie weit muss der Verstand gelitten haben. Vor kurzem ging so eine Kampagne durch die Medien. NullCovid oder ZeroCowid oder #ZeroCovid ist die Initiative, die scheinbar von LINKS ausgeht und auch die Betriebe, Fabriken, Schulen und Büros schließen will und die Aufsicht über den totalen Shutdown an die ArbeiterInnen übergeben will. Es geht um die ABSOLUTE Stilllegung, um TOTALES Runterfahren aller Aktivitäten.

Wie weit muss der Verstand gelitten haben, wie weit muss das Geschwür der Dummheit sich schon vorgearbeitet haben, wie weit muss das Wissen aus den Köpfen schon ausgeblasen worden sein durch Xbox-Ballerspiele und „Hartz aber herzlich“ und Seifenschmierentheater??

Null, total, absolut, das ist schon mitten drin in ein einer absoluten Welt, in einer Welt der Diktatur, des Faschismus! Und es ist die scheinbar linke Bewegung, die dem noch Vorschub gibt. Die Säuberung des Reichstages von der Opposition geschah noch gegen Widerstand in der politischen Welt. Die Säuberung des Bundestages von der Opposition scheint schon vollzogen. Jedenfalls sind es nicht die sogenannten linken Kräfte, die da in der Gegenwehr sind.

Seht euch um: Die Gesichter sind verschwunden, das Lächeln, die Menschen weichen sich aus, scheuen jede Berührung, sehen sich nicht mehr in die Augen, Tanz, Sport und Spiel sind verboten, fröhliche Kinder nur noch hinter verschlossenen Türen, arbeiten erlaubt, für den Sieg, Alte gehören weggesperrt, sind überflüssige Fresser, Freiheit ist Schweigen, Kritik ist leugnen, Null ist Alles, die Grenzen werden geschlossen, jeder ist Niemand, die Impf-Helfer wachen über die Volksgesundheit, die Uniformen sorgen für Jeden. Seht euch nicht um.

Es ist an der Zeit die Betriebe nicht mehr zu betreten, ja. Bleibt vor dem Tor stehen. Atmet die frische Luft, zeigt eure Gesichter! Natürlich mit Abstand.

Ich habe so die Schnauze voll. Um ziebzehn Uhr, wenn ich von der Arbeit komme läutet immer die Kirchenglocke auf dem Turm. Es ist niemand gestorben. Sie läutet immer, vielleicht läutet sie auch gar nicht und es nur ein Tonträger, der regelmäßig abgespielt wird, um die Zeit anzuzeigen, besser anzuhören. Die verscheißern uns ja überall. Meine Oma erzählte, wie immer die Heldenglocke geläutet wurde, wenn einer gefallen war. Dann haben sie es aber verboten. Es waren zu viele und das macht Angst.

Vielleicht haben sie es ja jetzt auch verboten, die Glocken zu läuten Ich habe jedenfalls dieses Jahr die Totenglocke noch nicht gehört , nur einmal, da ist Pfarrer Rendtmeier gestorben. Aber der war 96, nicht Fan, war er ja auch, aber er hat immer den Mädchen in die Backen, die Hinterbacken, gekniffen. Er war 96 Jahre alt. Jedenfalls hat er keine Chorknaben vernascht. Eher mal einen über den Durst getrunken. Und gestorben ist er trotz Corona. Hat er gesagt. Wenn das jetzt so ist, hat er gesagt, dann müßte er vielleicht noch ein Weilchen auf dieser Erde bleiben, damit er seine Schäfchen aufklären kann. Die sind ja alle so verloren, die werden ja so verscheißert, er kann es ja sagen, ihm tut keiner mehr was. Aber tot ist tot.

Jetzt kommen die Nachrichten. Ich muss gleich los zur Arbeit. Die Kinder zum Schulbus bringen, heute kriegen sie wieder einen neue Maske, wer soll das jeden Tag bezahlen, sie reißen sie sich vom Gesicht und dann sind sie dreckig und dann müssen sie eine Neue haben. Dann ich zum Bus, in die andere Richtung.

17tausend Infizierte bei 34tausend Inzidenzien und 8 belegten Betten von 7prozent ins Schienbein. Ich höre da nicht mehr hin. Das ist unlogisch.

Und dann der Wetterbericht mit trocknen Wolken. Mir reichts. Wenn die wenigstenss die 6. Klasse erreicht hätten, die solche Zahlen raushauen, dann könnten die sich das selber ausrechnen. Da stimmt irgendwas nicht.

Vorsicht, Achtung:  Das ist eine Textaufgabe, lasst euch von euren Eltern helfen! Wenn von 15.000 Krankenhausbetten in einem Land 2 Krankenhäuser geschlossen werden und wenn also 1500 Krankenhausbetten und davon 25 Intensivbetten und davon waren 20 Betten belegt, wenn also das Krankenhaus wegrationalisiert wurde, weil es einfach keinen Gewinn eingefahren hat, das ist ja verständlich, wenn es heute also weg ist, wieviel Intensivstationsbetten stellt es dann heute zur Verfügung? Richtig, vollkommen richtig! Gut und wieviel davon sind dann bei 80% Auslastung belegt? Die wollen uns verscheißern. Mit mir nicht. Schmiert Euch Eure Zahlen in die Haare!

Ich sitze im Büro. Heimarbeit ist nicht, habe ich abgelehnt. Hat auch der Chef abgelehnt. Ich hätte die ganze Ausrüstung mitnehmen müssen. Da sitzen wir. Absaugvorrichtung, die in der ersten Woche eine angenehme Lautstärke hatte, jetzt aber zieht es und ich habe schon den zweiten Schnupfen durch in diesem Winter und mit dem Kollegen treffe ich mich an der Kaffeemaschine. Trotz der rumfliegenden Viren und Bazillen. Das hat uns die ganzen Jahre vorher auch nicht gestört.

Jetzt sollen wir uns auch noch testen lassen. Aber der Chef sagt, Quarantäne gibt es nicht, dann könnt ihr ja gleich im Homeoffize arbeiten. Und wer soll dann die Fahrer abfertigen?

Ich denke wir sollten dem Spuk ein Ende bereiten. Ob Virus oder nicht. Wenn die Leute sterben würden wie die Fliegen oder alle zusammen zu Hause krank im Bett liegen würden, dann müßte man vorsichtig sein, aber solange die sich hier alle auf Arbeit rumdrücken, was soll da der ganze Coronaspuk? Nur damit wir nicht in die Kneipe gehen oder in den Urlaub fahren können? Ne, ich habe die Schnauze voll. Ich höre da nicht mehr hin. Basta.

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Pünktlich wieder raus

Ist Ihnen das auch schon einmal so gegangen: Sie setzen sich pünktlich auf den Friseurstuhl. Es ist Fünfzehn Uhr, pünktlich. Der Zeiger rückt gerade auf die Zwölf. Die Friseuse macht im Spiegel ein freundliches Gesicht, wirft Ihnen den Umhang über und in diesem Augenblick kommt dieses Zeitzeichen im Radio und der Radiosprecher sagt in seinem gewohnt sachlichen Ton: „Beim letzten Zeichen war es genau 15 Uhr.“

„Nein“, denkst Du bei dir, nein, das Radio geht schon wieder fast zwei Minuten nach!“ Aber du sagst es nicht der Friseuse, erzählst nichts von deinen Gedanken. Vielleicht würde sie dann darüber nachdenken und dann müssten die Haare drunter leiden oder dein Angesicht.

So aber erzählt sie nur von ihrer Tochter und da das so mehr Selbstgespräche sind, du also nichts antwortest, nichts antworten musst, ist alles in Ordnung. Bewegen, vielleicht mit dem Kopf nicken, vermeidest du, jedenfalls, solange dir die Schere im Nacken klappert, sowieso. Solange  ist deine Schönheit auch nicht gefährdet.

Dann kommt im Radio diese Nachricht: Die USA haben den INF-Vertrag gekündigt! Die Friseuse hält inne. Und du spürst, Gefahr liegt in der Luft! „Diese Idioten!“ sagt die Friseuse. Sie klappert gefährlich mit der Schere in der Luft. Du duckst dich unwillkürlich ein wenig in deinem Stuhl.

Die Frau tritt einen Schritt von deinem Stuhl zurück. Du siehst es im Spiegel. Sie ringt mit der Fassung.

„Wie haben wir damals gejubelt“, sagt sie. Der Gorbatschow hat es geschafft. Er hat den Reagen rumgekriegt. Allerdings, wir haben uns damals schon gefragt, wie er das gemacht hat, wie er das erkauft hat und tatsächlich, die Abrüstung war ein wenig einseitig. Die Russen, damals ja noch Sowjetunion, haben Kernkompetenz“, sie kichert leise, und wiederholt „Kernkompetenz“ und betont dabei –Kern-, „die Raketen abgebaut und die Amis haben ihre Hauptwaffen, die Bomber und Fernraketen behalten.“

Da du jetzt außer Reichweite der Schere bist, wagst du eine Frage.

„Nein“, antwortet die Frau. „Nuklearsprengsätze wurden nicht  reduziert. Es wurde nur das Wettrüsten bei den Raketen mit Reichweiten von 500 bis 5500 KM beendet. Die Trägersysteme sollten beseitigt werden.“

„Warum war das so ein Erfolg, wenn die nukleare Gefahr genau so ist wie vorher?“

Die Friseuse lehnt sich an das Waschbecken. „Eine Rakete mit Nuklearsprengkopf vorzubereiten und  abzuschießen dauert nur wenige Minuten. Die Rakete fliegt von Westdeutschland bis Moskau weniger als eine Stunde. Ein Flugzeug mit einer nuklearen Bombe braucht länger in der Vorbereitung, länger für den Flug und ist leichter abzuschießen, bevor es das Ziel erreicht. Somit ist die Gefahr, einen überraschenden Nuklearschlag zu führen, wesentlich geringer. Und damit die Gefahr eines Kriegsausbruches.“

Ich nicke zustimmend. Das leuchtet mir ein. Dann will also die USA wieder mehr Kriegsgefahr. Das kann ich verstehen. Die werden von der wirtschaftlichen und finanziellen Macht der Inder, Chinesen und vielleicht Russen stark bedrängt. Die Flugzeugträger reichen nicht mehr als Abschreckung, denn die Chinesen haben inzwischen auch solche Dinger. Sogar die Inder haben einen gekauft. Da muss man endlich mal dagegenhalten, wenn solche billigen ehemaligen Kolonien jetzt aufmüpfig werden. Da braucht man Raketen, die bis nach Peking fliegen und nach Teheran und Moskau. Dann wird eben Polen zur Front, wenn dort die Raketen stationiert werden.  Polen ist schwach besiedelt. Da kann man so einige Raketen zur Abschreckung aufstellen. In der Türkei stehen auch Abschussrampen.

Ich äußere gegenüber der Friseuse die Hoffnung, dass Deutschland von der Stationierung von Abschussrampen verschont bleiben würde. Sie ist anderer Meinung. „Diese Regierung und jede andere werden aufs Geld gucken und die sind doch schon immer von den Amis gekauft. Da kann das Volk“, sie betont „DAS VOLK“, und es hört sich ein wenig verächtlich an, „ruhig zu einhundert Prozent dagegen sein, auch die Abgeordneten. Die amerika-hörige Regierung wird es wieder zulassen. Und dicke Pensionen beziehen.“

Ich protestiere gegen diese Meinung. Die Friseuse hebt drohend die Schere. „Das Grundgesetzt wurde von den Amis abgenickt und die bundesdeutsche Regierung hat in den letzten 70 Jahren keinen Beschluss ohne die Zustimmung der Amis oder der Industrie gefasst.“ Sie tritt von hinten an meinen Stuhl. „Aber lassen Sie mal. Es kommt wie es kommt. Als Volk brauchen wir uns darüber keine Gedanken zu machen.“ Zwischen den Schneiden der Schere höre ich meine Haare knirschen. Die Frau konzentriert sich auf ihre Arbeit. Ich verlasse unverletzt den Laden.

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Der Pfuhl muss zugeschüttet werden.

Ein See in Afrika, ein Krater-See des Nyiragongo, bestehend aus flüssigem Gestein, aus Lava,  produziert angeblich (wissenschaftliche Untersuchung = fake news) ebenso viel Schwefeloxid, wie die gesamte europäische Industrie.

Wenn also die Klimaschützer ernsthaft gegen die Klima-Killer-Gase vorgehen wollten, dann hätten sie hier ein lohnendes Objekt. Die Einstellung des Betriebes eines einzigen afrikanischen Vulkans würde die europäischen Klimaziele für Jahre sichern.

Aber, da ist natürlich noch die andere Sache. Mit der Schließung des afrikanischen Vulkans würden der Lärm in den deutschen Städten, der Smog an Sommertagen und die Feinstaubbelastung durch den Gummiabrieb bremsender und anfahrender Kraftfahrzeuge noch nicht beseitigt. Aber auch da findet sich sicher eine einfachere Lösung. Es muss sicher nicht an der Eigendefinition des freien Deutschen gekratzt werden: Am massenhaften Individualverkehr mit großen schnellen Automobilen. Sicher findet sich auch für das größte Ärgernis des freien Deutschen eine Lösung: den massenhaften und bremsenden Güterverkehr auf der Straße. Lassen wir den Verantwortlichen doch noch etwas Zeit.

Ein anderes Problem allerdings ließe sich mit der massenhaften Schließung afrikanischer Vulkane, wenn auch nicht beseitigen, doch aber wahrscheinlich vermindern. Wenn die Vulkane nicht mehr Feuer speien und Lava und totbringende Gase in die Umgebung entsenden, wird das Leben in Afrika wieder ungefährlich und lebenswert, und viele, die jetzt auf lebensgefährlichen Wegen nach Europa drängen, würden bei sich zu Hause bleiben.

Die Politik hat ja schon seit einiger Zeit erkannt, dass es seit einigen Jahren vermehrt Klimaflüchtlinge gibt. Auch bei den gegenwärtigen Diskussionen um die Regierungsbildung und die wichtigsten Fragen des deutschen Wohlstandes geht es genau um diese Frage. Dabei bezieht sich die Politik weniger auf die steigenden Zahlen der Flugreisenden in warme südliche Länder, sondern mehr auf die Ströme von Reisenden in den Norden des europäischen Kontinents. Dabei bietet der Norden doch bekanntlich ein wenig anheimelndes Wetter. Jedenfalls draußen. Seit Wochen regnet es. Und wenn erst vielleicht richtiger Schnee fallen würde….

Warum überhaupt ziehen diese ganzen Klimawanderer in den Norden? Wenn sie in den Süden ziehen würden, hätten sie einen viel kürzeren Weg! Und ungefährlicher als der Weg über das unberechenbare Mittelmeer ist es allemal!

Gib Gott, dass es bald eine deutsche Regierung für die freien Deutschen gibt. Die wird schon alles ordentlich regeln, oder?

 (Der fast 3.500 Meter hohe Stratovulkan Nyiragongo gehört zu den acht aktiven Virunga-Vulkanen im Grenzgebiet von Ruanda, Uganda und dem Kongo.)

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Oktober

Der erste Herbststurm ist durch. Es gab Tote. Die Stämme der Bäume, die die Straßen blockierten sind teilweise zersägt, aber wenigstens von der Fahrbahn geräumt. Frei Fahrt für freie Bürger. Unvorstellbar, wenn die Straßen für mehrere Tage unpassierbar blieben für die Berufspendler, die Einkäufer und die Konzertbesucher. Unvorstellbar für unsereins.

Die stehengebliebenen Bäume färben ihr Laub recht unterschiedlich. Die Nadelbäume bleiben vollkommen unberührt von der sich ändernden Stimmung. Goldener Herbst. In Nordamerika würde man „indian summer“ dazu sagen. Aber wir sind in Deutschland. Da sind wir selbst die „natives“. Da haben wir ein „Jobwunder“. Niemand bleibt stehen und sieht sich die bunten Blätter an. Keine Zeit.

Irgendwann im Oktober schoss der Panzerkreuzer „Aurora“ eine Platzpatrone in den Himmel von Petrograd. Das Signal zum Sturm der „Roten Garden“ auf das „Winterpalais“, in dem Provisorische Regierung Russlands ihren Sitz hatte. Ein Nebenschauplatz der Geschichte. Eine Kriegsgeburt, dieser Beginn einer neuartigen Diktatur, der „Diktatur des Proletariats“. Aber das Geschwür im Leib des Kapitalismus wuchs. Ein Tumor, der abgetötet werden konnte. Nicht zuletzt, weil aus der „Diktatur des Proletariats“ eine Diktatur ohne das Proletariat wurde.

Die Erinnerung aber, die Erinnerung an die Hoffnungen, die sich auch teilweise erfüllten, die bleibt und sie wird sich in den folgenden Generationen erhalten. Die Hoffnungen auf Gerechtigkeit, auf Menschenwürde, auf Brüderlichkeit und bewusster Zukunftsgestaltung für die Menschheit hat einen herben Schlag erhalten. Der Keim aber ist gelegt. Ein erster Versuch ist unternommen worden. Noch gibt es kein Schlussbild.

Es ist nicht mehr lang hin. Die Bäume werden auch ihre allerschönsten Blätter abgeworfen haben. Kahlheit. Aus Melancholie wird tropfende Traurigkeit. Die märkischen Kiefern behalten standhaft ihre Nadeln, die grünen. Die Fichten und Blautannen müssen zu abertausenden in die Wohnzimmer. Wegen der Hoffnung. Und wegen der Tradition. Und weil ohne dem das Weihnachtsgeschäft nicht läuft.

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Sommernacht in der Stadt

Quirlig bis spät in die Nacht. Hochsommer. Der Hotelgast holt seinen Schlüssel aus dem Kästchen. Die Rezeption ist nicht mehr besetzt. Der Besitzer legt vermutlich Wert auf seine Freizeit. Vielleicht hat er einen Garten vor der Stadt und sitzt unter dem Schatten des Pflaumenbaumes geschützt vor der immer noch brennenden Sonne.

Im Foyer ist es still. Der Lärm der Straße ist da draußen. Abgeschnitten durch das Zuklappen der Tür. Erstes Aufatmen. Der Gast fährt mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock. Im Augenblick beherrscht ihn der einzige Wunsch, die klebenden Textilien vom Körper zu bekommen und seine Glieder unbelastet auszustrecken. Er schließt die Tür auf. Der Raum ist muffig. Es ist noch heißer als draußen. Er stellt den Koffer auf die Pritsche und reißt die Fenster auf.  Da ist sie wieder, die Stadt.

Er hat den Blick auf beide Straßen einer Kreuzung, denn er hat das Eckzimmer. Ordentlich sind die Streifen für die Verkehrsführung aufgemalt. Pfeile kennzeichnen die Fahrtrichtungen. Die Fahrradwege sind farblich abgesetzt. Auf den Streifen, die die Fußgänger für die Überquerung der Straße nutzen sollen, sind die Farbstreifen unterbrochen. Die Haltelinien werfen grell das Sonnenlicht in die Hotelfenster. Stockt der Verkehr in die eine Richtung, verebbt der Lärm für einen winzigen Augenblick. Dann setzt sich der Strom in der querverlaufenden Richtung fort. Der Hotelgast betrachtet für einen Augenblick das Geordnete aus dem einen Fenster, dann aus dem anderen.

Der Gast schaut sich im Zimmer um. Irgendwie muss die Hitze besiegt werden. Ein Ventilator steht auf dem Tisch. Er schaltet ihn ein. Ratsch, ratsch, schneller werdend setzen sich die Flügel in Bewegung. Der Gast öffnet die Knöpfe des Hemdes. Er streift den klammen Stoff vom Körper. Auch die Hose fällt. Er begibt sich in das Bad, wartet bis das Wasser der Dusche lauwarm ist und stellt sich darunter. Im Bad ist nur noch das Geräusch laufenden Wassers. Hier möchte er bleiben. Aber er ist müde. Er möchte sich hinlegen, schlafen. Die Hitze, die lange konzentrierte Autofahrt, die hinter ihm liegt, der Körper braucht Ruhe.  

Der Gast verlässt das Bad. Da ist sie wieder, die Stadt. Aber die vom Ventilator bewegte Luft kühlt wohltuend die Haut. Er bleibt in dem Strom stehen. Er wirft sich auf das Bett. Streckt sich aus. Ein neues Geräusch dringt an ihn. Rauschen, bullern, Quietschen. Ein Güterzug rattert über die nahen Gleise. Zuerst war es nur ein Nebengeräusch im Straßenverkehr, dann überstimmt es ihn aber, es ebbt wieder ab und der Hotelgast hört nur noch die anfahrenden Autos, die knatternden Mopeds und den keuchenden Bus unter dem Fenster.

Der Hotelgast schließt die Fenster. Ruhe. Nur noch das Ratsch, Ratsch des Ventilators. Der Gast liegt ausgestreckt auf dem Bett. Ab und an kann er das Rattern eines Güterzuges hören. Das Duschwasser ist abgetrocknet. Durch die Poren schiebt der Körper schon wieder Schweiß nach außen. Der Gast lässt es geschehen, was soll er auch tun. Ratsch, ratsch, schiebt der Ventilator ab und an einen kühlenden Hauch über die Haut.

Der Schlaf kommt. Der Gast wehrt sich nicht. Der Traum kommt. Ein brüllender Riese, bunt, wirft eine dunkle Glocke über ihn. Lava strömt um ihn herum. Sie verbrennt ihn nicht. Dann wächst dem Riesen ein neuer Arm. Mit diesem zerschlägt er, ratsch, ratsch, die Glocke und die Lava. Dann beginnt alles von vorn. Er wacht auf.

Die Haut zieht das Laken mit, als er sich erhebt. Er geht den Schritt zum dem einen Fenster. Er öffnet es. Die Stadt. Da ist sie wieder. Aber es ist kühler geworden. Er öffnet das Fenster weit. Er schaltet den Ventilator ab und öffnet auch das andere Fenster. Die Straße ist inzwischen künstlich beleuchtet. Immer noch lösen sich knatternde Mopeds von der Haltelinie, wenn sie es dürfen. Immer noch ziehen Autos und Radfahrer auf den Spuren entlang. Immer noch liegt die Luft schwer über der Kreuzung. Etwas ist anders. Bei einigen Autos sind die Scheiben heruntergelassen. Laut bullert die Musik daraus. Fremdländisches, türkisch oder arabisch, englisch oder auch ein afrikanisch anmutender Sound ist dabei.

Der Hotelgast rückt einen Stuhl in den Zug zwischen den beiden Fenstern. Er schaltet den Fernseher an. Den Ton stellt er ab. Dann setzt er sich auf den Stuhl. Bis er die Kirche neben dem Hotel Viertel nach Zwei schlagen hört, betrachtet er die Bilder auf dem Bildschirm. Dann ist die Stadt leise geworden. Dann geht er wieder auf das schon durchschwitzte Laken und schläft ein.

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