Die Vorbereitungen zum 25. Jahrestag der friedlichen Konterrevolution in der DDR sind in vollem Gange. Der 65. Jahrestag der DDR konnte nicht gefeiert werden. Diesen Staat gibt es bekanntlich seit einiger Zeit nicht mehr.

Bei dem Aufwand, der zur Zeit in den Medien unserer Republik betrieben wird, könnte man meinen, der Anschluss der DDR sei fĂŒr die Zukunft der BRD so wichtig, wie etwa die Zerschlagung des Hitler-Faschismus. In der Tat laufen die Betrachtungen ĂŒber die Zeit des Faschismus in Deutschland aber das ganze Jahr ĂŒber auf allen ProgrammplĂ€tzen des TV und nicht nur zu irgendwelchen Jahrestagen. Aber immerhin dauert die Kampagne zur Beleuchtung und Verteuflung der sozialistischen Vergangenheit des östlichen deutschsprachigen Gebietes nun auch schon 25 Jahre. Die Generation der DDR-Montagsdemos-Teilnehmer ist inzwischen bei der Vorbereitung der Rente. Wobei nicht jeder der ehemaligen Demonstranten der Rente optimistisch entgegensehen kann. Aber eine Weile kann er ja noch die revolutionĂ€r erkĂ€mpfte Freiheit genießen. Das sollte genĂŒgen.

Mit Unrechtsstaat ist natĂŒrlich die DDR gemeint. Die Linken-Politiker, die in östlichen LĂ€ndern der heutigen BRD in die NĂ€he der Regierungsbildung gekommen sind, werden vor die Entscheidung gestellt: Entweder ihr nennt die DDR einen Unrechtsstaat oder ihr könnt es euch abschminken mit uns koalieren zu können. Das ist natĂŒrlich Erpressung, aber politische und deswegen schon wieder in Ordnung. Die GrĂŒnen können und dĂŒrfen das, und die SPD schon lange und die CDU erpresst jemand anderen.

Die Erpressung mit dieser Frage ist nicht so neu. Schon einige Male wurde sie herausgeholt, um angeblich feststellen zu können, ob die Politiker der linken Fraktion, bzw. der Linken fĂ€hig zur Demokratie sind, also wĂŒrdig sind, im Machtspiel um den Erhalt der freiheitlich-demokratische Ordnung mitzuspielen.

Und das trifft es. Wenn die Linken sagen: ..‘s war ein Unrechtsstaat. – Dann wĂŒrden sie sagen, der Sozialismus war und ist Unrecht und sie wĂŒrden sich selbst verraten, wĂŒrden sagen: Das, was ich versuche zu erreichen, ist Unrecht. Dabei wird den Linken gleichzeitig und unterschwellig noch unterstellt, sie wollten die DDR wiedererrichten. (Vielleicht in den Grenzen von 1937?)

(Dreimal wirst Du mich verleugnen)

Dabei ist die Frage nach dem Unrechtsstaat frei von jeglicher politischen oder justiziablen Bedeutung. Es gibt die Kategorie „Unrechtsstaat“ einfach nicht. Außer im Neusprech der bundesgermanischen Politik.

Wird die Frage anders gestellt, etwa, ob es in der DDR Unrecht gab, so kann man die Frage guten Gewissens immerzu und ĂŒberall mit „Ja“ beantworten. NatĂŒrlich geschah im Staate DDR Unrecht. Aber in welchem Staat geschieht und geschah kein Unrecht? Der Staat als solcher ist ja dafĂŒr da, Unrecht geschehen zu lassen. Der Staat ist von den politischen Parteien (oder Klassen) errichtet und wird gestĂŒtzt, um ihre Interessen durchzusetzen. Und Interesse fĂŒr irgendetwas ist immer gegen die Interessen irgendjemand anderem. Wer anderes glaubt ist… mindestens ein Ignorant.

Der bundesdeutsche Staat oder die bundesdeutsche Justiz sind freiheitlich demokratisch. Nun mag man ja dem Kinderglauben anhĂ€ngen, dieses bedeute, die beiden Institutionen wĂ€ren frei von jeglicher Parteinahme fĂŒr irgendjemand oder irgendwas außer dem Grundgesetz.

Alleine die Tatsache, dass die NSA und andere unser, also auch mein und Dein Telefon, ungehindert ausspÀhen, ist doch Unrecht. Und wenn jemand glaubt, dass geschÀhe ohne Wissen und Zustimmung der Regierung unseres freiheitlichen-demokratischen Staates, lebt hinter dem Mars, oder wenigstens hinter dem Mond. Oder ist es kein Unrecht, wenn jemand, der MissstÀnde in einer Bank aufdeckt, jahrelang in einer Psychiatrie verschwindet? Oder Leute die jahrelang KrankenkassenbeitrÀge eingezahlt haben, jetzt nicht mal eine Kur bewilligt bekommen? Da sind doch bundesdeutscher Staat, Justiz und Institutionen direkt und unmittelbar beteiligt an dem Unrecht. Sollte man Frau Merkel zwingen sich zum Unrechtsstaat zu bekennen?  Und das Argument: Das sind doch Verfehlungen Einzelner!, zÀhlt hier nicht. Das Entsenden deutscher Soldaten in das Ausland, in Kriegsgebiete, ist grundgesetzwidrig und vom Parlament nicht mit absoluter Mehrheit abgesegnet. Es ist im Partei-Interesse abgesegnet.

Nun braucht niemand Angst haben, wenn Bodo R. in die Regierung kommt, er wĂŒrde sofort anfangen den Sozialismus oder gar den Kommunismus aufbauen. Selbst wenn er die Absicht hat nicht nur seine Rente zu sichern und mal den Hauch der Macht zu spĂŒren, sondern tatsĂ€chlich daran geht unter- und mittelprivilegierten Schichten der Bevölkerung wieder etwas mehr Luft zum Leben, Hoffnung auf Zukunft(also z.B. Rente), usw. zu geben, wird es ihm schwerfallen das durchzusetzen. Er ist ja kein absoluter Herrscher im Landesparlament. Dazu fehlen ihm einfach die absolute Mehrheit und die absolut wohlwollende UnterstĂŒtzung der anderen LĂ€nderparlamente.

Im Übrigen: Die Statistik, die von bundesdeutscher Seite, also vom vorlĂ€ufigen Sieger der Geschichte, ĂŒber das staatlich verĂŒbte Unrecht in der DDR und die notwendigen, durch die Justiz der Sieger durchgefĂŒhrten, Verurteilungen, angefertigt wurde,  spricht eine andere Sprache. Weniger als 10 Prozent der gefĂŒhrten Prozesse hatten eine Verurteilung zur Folge. Insgesamt ist die Umfang des in 40 Jahren DDR aus bundesdeutscher Justiz-Sicht angefallenen DDR-staatlichen Unrechts eher lĂ€cherlich zu nennen.

Was richtig ist: Aus Sicht von Frau Merkel und ihren AnhÀngern und Förderern ist alleine schon der Versuch, einen Staat wie die DDR zu betreiben oder der Versuch den Sozialismus aufzubauen, Unrecht.

Die persönliche Sicht der wirklichen oder gewĂŒnschten Opfer mag eine andere sein. Auch ist jedes Unrecht natĂŒrlich bedauerlich. Aber in den Medien, in allen bundesdeutschen, wird die Heulerei um und ĂŒber und durch die Opfer einfach oder doppelt ĂŒbertrieben. Und das wiederum ist ein Unrecht gegenĂŒber dem Staat DDR und denen, die das Recht im Staate DDR geschĂŒtzt und gestĂŒtzt haben.

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