Artikel getaggt mit DDR

Ach, ĂŒbrigens…..

Heute jĂ€hrt sich wohl der Tag zum dreißigsten Mal, an dem die TĂŒr endgĂŒltig aufgestoßen wurde. Das Tor fĂŒr die Annektion des demokratischen Teil Deutschlands, die wichtigste Barriere fĂŒr den Einfall des Kapitalismus in die bis dahin geschĂŒtzte Zone fĂŒr den experimentellen Aufbau eines friedliebenden, demokratischen, gerechten Staates auf deutschem Boden, in dem nicht die Interessen des Kapitals, des Großkapitals, des Finanzkapitals im Vordergrund standen, sondern das Wohlergehen des gesamten arbeitenden Volkes, die Grenze wurde geöffnet. Die Kontrolle des Staates DDR ĂŒber das Grenzregime hörte auf. Die SouverĂ€nitĂ€t des Staates DDR ging damit faktisch den Bach runter. Finito.

Feierlich ist mir an solch einem Tag nicht zumute. Mich ĂŒberkommt eher Traurigkeit und, ja auch, Wut. Traurigkeit, weil die Zerstörung nicht aufhört. Das Kapital hat es geschafft die sozialen und kulturellen Errungenschaften des Volkes der DDR zu zerschlagen und das Kapital gibt sich damit nicht zufrieden, sondern plĂŒndert jetzt beide Teile des arbeitenden deutschen Volkes aus. Auch die erkĂ€mpften ZugestĂ€ndnisse des Kapitals, wie der 8-Stunden-Tag und das Gesundheitswesen und die Rente werden in Frage gestellt. Und das Kapital beutet noch rĂŒcksichtsloser Boden, Luft und Natur aus, als es jemals der Fall gewesen ist.

Wut, weil es nicht so aussieht, als wenn sich irgendwer dagegen auflehnen wĂŒrde, weil es nicht so scheint, als wenn das aufhören könnte, als wenn es eine Kraft gĂ€be, die dem entgegen wirkt. Was sollen alle diese Bewegungen, diese FlĂŒchtlingsrettung, diese Ärzte ohne Grenzen, diese Umweltrettungsvereine? Sie werden an den OberflĂ€chen kratzen, aber sie werden dem Kapital keine Grenzen setzen. Kein Grund zu feiern. Wirklich nicht. Wir wĂŒrden den RĂŒckschritt der Menschheit feiern.

Euer Tobi.

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Der Unrechtsstaat

Die Vorbereitungen zum 25. Jahrestag der friedlichen Konterrevolution in der DDR sind in vollem Gange. Der 65. Jahrestag der DDR konnte nicht gefeiert werden. Diesen Staat gibt es bekanntlich seit einiger Zeit nicht mehr.

Bei dem Aufwand, der zur Zeit in den Medien unserer Republik betrieben wird, könnte man meinen, der Anschluss der DDR sei fĂŒr die Zukunft der BRD so wichtig, wie etwa die Zerschlagung des Hitler-Faschismus. In der Tat laufen die Betrachtungen ĂŒber die Zeit des Faschismus in Deutschland aber das ganze Jahr ĂŒber auf allen ProgrammplĂ€tzen des TV und nicht nur zu irgendwelchen Jahrestagen. Aber immerhin dauert die Kampagne zur Beleuchtung und Verteuflung der sozialistischen Vergangenheit des östlichen deutschsprachigen Gebietes nun auch schon 25 Jahre. Die Generation der DDR-Montagsdemos-Teilnehmer ist inzwischen bei der Vorbereitung der Rente. Wobei nicht jeder der ehemaligen Demonstranten der Rente optimistisch entgegensehen kann. Aber eine Weile kann er ja noch die revolutionĂ€r erkĂ€mpfte Freiheit genießen. Das sollte genĂŒgen.

Mit Unrechtsstaat ist natĂŒrlich die DDR gemeint. Die Linken-Politiker, die in östlichen LĂ€ndern der heutigen BRD in die NĂ€he der Regierungsbildung gekommen sind, werden vor die Entscheidung gestellt: Entweder ihr nennt die DDR einen Unrechtsstaat oder ihr könnt es euch abschminken mit uns koalieren zu können. Das ist natĂŒrlich Erpressung, aber politische und deswegen schon wieder in Ordnung. Die GrĂŒnen können und dĂŒrfen das, und die SPD schon lange und die CDU erpresst jemand anderen.

Die Erpressung mit dieser Frage ist nicht so neu. Schon einige Male wurde sie herausgeholt, um angeblich feststellen zu können, ob die Politiker der linken Fraktion, bzw. der Linken fĂ€hig zur Demokratie sind, also wĂŒrdig sind, im Machtspiel um den Erhalt der freiheitlich-demokratische Ordnung mitzuspielen.

Und das trifft es. Wenn die Linken sagen: ..‘s war ein Unrechtsstaat. – Dann wĂŒrden sie sagen, der Sozialismus war und ist Unrecht und sie wĂŒrden sich selbst verraten, wĂŒrden sagen: Das, was ich versuche zu erreichen, ist Unrecht. Dabei wird den Linken gleichzeitig und unterschwellig noch unterstellt, sie wollten die DDR wiedererrichten. (Vielleicht in den Grenzen von 1937?)

(Dreimal wirst Du mich verleugnen)

Dabei ist die Frage nach dem Unrechtsstaat frei von jeglicher politischen oder justiziablen Bedeutung. Es gibt die Kategorie „Unrechtsstaat“ einfach nicht. Außer im Neusprech der bundesgermanischen Politik.

Wird die Frage anders gestellt, etwa, ob es in der DDR Unrecht gab, so kann man die Frage guten Gewissens immerzu und ĂŒberall mit „Ja“ beantworten. NatĂŒrlich geschah im Staate DDR Unrecht. Aber in welchem Staat geschieht und geschah kein Unrecht? Der Staat als solcher ist ja dafĂŒr da, Unrecht geschehen zu lassen. Der Staat ist von den politischen Parteien (oder Klassen) errichtet und wird gestĂŒtzt, um ihre Interessen durchzusetzen. Und Interesse fĂŒr irgendetwas ist immer gegen die Interessen irgendjemand anderem. Wer anderes glaubt ist… mindestens ein Ignorant.

Der bundesdeutsche Staat oder die bundesdeutsche Justiz sind freiheitlich demokratisch. Nun mag man ja dem Kinderglauben anhĂ€ngen, dieses bedeute, die beiden Institutionen wĂ€ren frei von jeglicher Parteinahme fĂŒr irgendjemand oder irgendwas außer dem Grundgesetz.

Alleine die Tatsache, dass die NSA und andere unser, also auch mein und Dein Telefon, ungehindert ausspÀhen, ist doch Unrecht. Und wenn jemand glaubt, dass geschÀhe ohne Wissen und Zustimmung der Regierung unseres freiheitlichen-demokratischen Staates, lebt hinter dem Mars, oder wenigstens hinter dem Mond. Oder ist es kein Unrecht, wenn jemand, der MissstÀnde in einer Bank aufdeckt, jahrelang in einer Psychiatrie verschwindet? Oder Leute die jahrelang KrankenkassenbeitrÀge eingezahlt haben, jetzt nicht mal eine Kur bewilligt bekommen? Da sind doch bundesdeutscher Staat, Justiz und Institutionen direkt und unmittelbar beteiligt an dem Unrecht. Sollte man Frau Merkel zwingen sich zum Unrechtsstaat zu bekennen?  Und das Argument: Das sind doch Verfehlungen Einzelner!, zÀhlt hier nicht. Das Entsenden deutscher Soldaten in das Ausland, in Kriegsgebiete, ist grundgesetzwidrig und vom Parlament nicht mit absoluter Mehrheit abgesegnet. Es ist im Partei-Interesse abgesegnet.

Nun braucht niemand Angst haben, wenn Bodo R. in die Regierung kommt, er wĂŒrde sofort anfangen den Sozialismus oder gar den Kommunismus aufbauen. Selbst wenn er die Absicht hat nicht nur seine Rente zu sichern und mal den Hauch der Macht zu spĂŒren, sondern tatsĂ€chlich daran geht unter- und mittelprivilegierten Schichten der Bevölkerung wieder etwas mehr Luft zum Leben, Hoffnung auf Zukunft(also z.B. Rente), usw. zu geben, wird es ihm schwerfallen das durchzusetzen. Er ist ja kein absoluter Herrscher im Landesparlament. Dazu fehlen ihm einfach die absolute Mehrheit und die absolut wohlwollende UnterstĂŒtzung der anderen LĂ€nderparlamente.

Im Übrigen: Die Statistik, die von bundesdeutscher Seite, also vom vorlĂ€ufigen Sieger der Geschichte, ĂŒber das staatlich verĂŒbte Unrecht in der DDR und die notwendigen, durch die Justiz der Sieger durchgefĂŒhrten, Verurteilungen, angefertigt wurde,  spricht eine andere Sprache. Weniger als 10 Prozent der gefĂŒhrten Prozesse hatten eine Verurteilung zur Folge. Insgesamt ist die Umfang des in 40 Jahren DDR aus bundesdeutscher Justiz-Sicht angefallenen DDR-staatlichen Unrechts eher lĂ€cherlich zu nennen.

Was richtig ist: Aus Sicht von Frau Merkel und ihren AnhÀngern und Förderern ist alleine schon der Versuch, einen Staat wie die DDR zu betreiben oder der Versuch den Sozialismus aufzubauen, Unrecht.

Die persönliche Sicht der wirklichen oder gewĂŒnschten Opfer mag eine andere sein. Auch ist jedes Unrecht natĂŒrlich bedauerlich. Aber in den Medien, in allen bundesdeutschen, wird die Heulerei um und ĂŒber und durch die Opfer einfach oder doppelt ĂŒbertrieben. Und das wiederum ist ein Unrecht gegenĂŒber dem Staat DDR und denen, die das Recht im Staate DDR geschĂŒtzt und gestĂŒtzt haben.

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Inflation (1)

Ich habe mir einen Amerikaner gekauft. War auch gar nicht teuer. WĂ€hrend die Amerikaner in Amerika fĂŒr einen guten Amerikaner, der PrĂ€sident werden soll, einige Hundert Millionen Dollar ausgeben, musste ich fĂŒr das gute GefĂŒhl, das Richtige getan zu haben, nur Bruchteile davon hergeben.

Die Höhe der Wahlkampfspenden fĂŒr den neuen PrĂ€sidenten wird ja erst immer hinterher in diversen Skandalen richtig aufgedeckt. Jedenfalls werden da die amerikanischen PrĂ€sidenten nicht nur von den ganz großen Firmen subventioniert, nein auch Einzelpersonen, mit entsprechend viel Geld und entsprechend viel Machtanspruch, kaufen sich mal ihren PrĂ€sidenten.

Im Laden der Betriebskantine hatte mich diese Woche ein Amerikaner 99 Eurocent gekostet. Ich steh auf Amerikaner. Schon als Kind bin ich an keinem BĂ€cker vorbeigekommen, der dieses sĂŒĂŸe GebĂ€ck in seinem Portfolio hatte. Die DDR-Pfennige gezĂ€hlt, und ab in den Laden. An den Preis kann ich mich nicht erinnern, aber das StĂŒck kostete garantiert unter 50 DDR-Pfennige. Ich gab den Alu-Chip gerne dafĂŒr hin. Heute wĂŒrde man sich das stark ĂŒberlegen. Eventuell ĂŒbersteigt doch der Materialwert des Aluminiums beim AltmetallhĂ€ndler den Nominalwert (DDR-Pfennig=0,nichts) den Gegenwert in Eurocent und dazugenommen den Genusswert (der ja nur wenige Augenblicke anhĂ€lt).

Ich ging also, subventioniert von der Oma, der Tante oder der Mutter in den Laden und kaufte mir den subventionierten Amerikaner.

FĂŒr Amerikaner könnte ich sterben. Das ist eine blöde Redewendung. Wenn der neue PrĂ€sident den Einsatz in Syrien und dem Iran befĂŒrwortet, dann werden wieder einige mehr fĂŒr die Amerikaner und ihre MachtansprĂŒche und ihre Demokratie sterben.

Im BĂ€cker vor dem realen Einkaufsmarkt kostet der Amerikaner einen Euro zwanzig Eurocent. Das ist eine Steigerung der Einnahmen um zirka 20 Prozent. FĂŒr das absolut gleiche Produkt. Mit dem gleichen Frische-Versprechen. Nur die VerkĂ€uferin war hĂŒbscher. An der Autobahntankstelle, in der angeschlossenen Verkaufseinrichtung wollten sie einen Euro neunundsechzig Eurocent fĂŒr das gleiche Teil haben. Noch einmal zum mitschreiben: 1,69 € !! Das sind satte 70 Prozent mehr! Wenn ich das Benzin in der Werkskantine kaufen könnte, wĂŒrde er dann auch 70 Prozent weniger kosten?

Einen Euro neunundsechzig!

Obwohl da keine Miniraloelsteuer drauf ist. Und die VerkĂ€uferin hat’s auch nicht rausgerissen. War so eine spacke, zerknitterte. Noch nicht richtig wach oder schlecht bezahlt. Oder beides. Aber ich kann mir merken: Amerikaner im Zusammenhang mit Benzin und Oel, das ist teuer.

Wenn das mit dem Krieg da unten im Nahen Osten ernsthaft losgeht, dann wird das mit der Inflation auch erst richtig losgehen.

Inflation? Das hat doch nun wirklich nichts mit Inflation zu tun, das ist nur gesunde Marktwirtschaft. Jeder nimmt so viel wie er irgend kriegen kann. Das ist System.

Das subventionierte Grundnahrungsmittel „Amerikaner“ kostete in der DDR(nicht mehr real existierender Sozialismus) 50 Pfennige. Die DDR-Mark wurde damals offiziell mit 1 zu 4 auf die D-Mark in der BRD (immer noch real existierender Kapitalismus) umgerechnet. Dann gab es die Umstellung auf den Euro. Die Werte waren 1:2. Da macht zusammen ein VerhĂ€ltnis DDR-Mark zu Euro von 1 zu 8. Bei einem Tankstellenpreis von 1,69 € (Umrechnung in DDR-Mark: 13,52) wĂŒrde ich heute 27 Amerikaner kaufen können. Herrlich, Paradies! Das sind die blĂŒhenden Landschaften. Ich könnte mich eine ganze Woche davon ernĂ€hren!

Leider aber bekomme ich nur einen einzigen Amerikaner. Und das ist gut so. Denn die Magenverstimmung wÀre sicher. Aber damit ist weder die Marktwirtschaft noch die Inflation erklÀrt.

Einen ErklÀrungsversuch gibt es in einem der nÀchsten Artikel.

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Mauer

Ich kannte eine Dame in Schwaben. Eine Ă€ltere Dame. Sie wohnte in einem ReihenhĂ€uschen in einer kleinen Siedlung gleich neben einer grĂ¶ĂŸeren Stadt. Ihr Mann war Zeit seines Lebens in dieser Stadt seiner Arbeit nachgegangen. Sie haben fĂŒr sich und die Kinder, die es  „einmal besser haben sollten“, das HĂ€uschen gebaut. Die Kinder waren ausgezogen, die alte Frau lebte alleine in dem HĂ€uschen, als ich sie kennenlernte, und das obere Geschoss war an eine deutsch-tĂŒrkische Familie vermietet, das Dachgeschoss an mich. Sie selbst hatte den Landkreis in dem sie lebte nur ein einziges Mal in ihrem Leben verlassen. Sie war im Urlaub am rund 100 Kilometer entfernten Bodensee. Den Urlaub empfand sie als sehr schön, aber mitgefahren war sie nur weil sich die Kinder das so gewĂŒnscht hatten. Ihr Mann hatte nur als Soldat das Schwabenland verlassen.

„Wir haben hier alles was wir brauchen. Wir haben alles selbst aufgebaut.“ Sie hatte ihren Lebensinhalt und war stolz darauf.

Ich habe es damals als Kleinkleckerei, Weltfremdheit, BeschrĂ€nktheit, kleinbĂŒrgerlich, schwĂ€bisch empfunden. Aber es ist das LebensgefĂŒhl dieser Generation. „Arbeit adelt.“

Das war, bevor die Deutschen zu Urlaubsnomaden und zu Arbeitsnomaden geworden sind. Heute ist Arbeit: „Etwas schaffen“ nicht mehr Hauptinhalt des Lebens. Die, die Arbeit haben, haben zu viel, und die anderen haben von allem zu wenig. Als Hauptinhalt wird heute „FUN haben“ vermittelt. Und die Jugend ist nicht wirklich glĂŒcklich damit, keine Aussichtmehr darauf zu haben sich jemals in ihrem Leben verwirklichen zu können.

Wir feiern den Jahrestag des Mauerbaus. Gedenkgottesdienste, offizielle AnlĂ€sse. Der MinisterprĂ€sident spricht, Die Linke meldet sich zu Wort. FĂŒr einen gelernten DDR-BĂŒrger ist das nicht einfach zu ertragen. Dieses ewige Geheule und Gejammer dieser freiheitlich – demokratischen Journaille und der kleinen und der großen Bundespolitik.

Brett vorm Kopf. Kann sich jemand vorstellen von diesen Machern, dass es den allermeisten DDR-BĂŒrgern viel wichtiger war jeden Tag  friedlich zur Arbeit gehen zu können!? Dass „Die Mauer“ eine Erscheinung am Rande eines DDR-BĂŒrgerlebens war, welches ihn sehr wenig berĂŒhrte im tĂ€glichen Leben?! (Nur 0,4 Promille der gesamten DDR-Bevölkerung wollten in allen den 40 Jahren DDR „ausreisen“. Die Auswanderungsrate der BRD liegt heute jĂ€hrlich bei 5 Promille.)

Ja, die DDR wollte sich abriegeln, die DDR musste sich abriegeln, Ja, die DDR verlor tausende Menschen, die gut ausgebildet meist, bis dahin die kostenlose Schulbildung, Ausbildung und Studium genossen haben (vom Staat DDR bezahlt, also von seinen BĂŒrgern!) und alle anderen VorzĂŒge der sozialistischen Auffassung von einem menschenwĂŒrdigen Leben. Ja, die DDR konnte sich das Ausbluten nicht leisten, ja, die DDR konnte den Menschen nicht das bunte Leben, das der Westen versprach, bieten. Es gab keinen Marschall-Plan sondern Reparationszahlung an die Sowjetunion.

Aber, Freiheit, Freiheit besteht aus durchaus mehr als Reisefreiheit. Die persönliche SouverÀnitÀt hört im Westen da auf, wo der Geldbeutel nicht mehr reicht oder wo die persönliche Meinung droht die bestehende Ordnung des Geldes in Frage zu stellen.

Wie weit die Meinungsfreiheit in der BRD ging (und geht), das zeigen die zigtausend faktischen Berufsverbote und Gerichtsprozesse und Verurteilungen wegen Mitgliedschaft in der KPD. Und heute lassen sich solche Beispiele auch leicht finden.

Auch in spĂ€teren Zeiten war das Reisen von DDR-BĂŒrgern in die BRD nicht unbedingt eine politische Entscheidung, wie es gerne hingestellt wird. Eine ganz einfach ökonomische Klippe ist bewusst von Seiten der BRD errichtet worden: Die BĂŒrger der DDR mussten Bahnfahrt und alle anderen Ausgaben in der BRD natĂŒrlich in D-Mark bezahlen. Die wenigsten hatten aber D-Mark. Und jedenfalls noch weniger konnten sich einen lĂ€ngeren unabhĂ€ngigen Aufenthalt, z.B. zu Urlaubszwecken im westlichen Ausland leisten. Der DDR-Staat hĂ€tte ihnen D-Mark mitgeben mĂŒssen. Das aber war dem DDR-Staat nicht möglich, da ein Mangel an „Devisen“ bestand. Man kann die Rechnung aufmachen: Eine Urlaubsreise kostet 2000 DM. Wenn tausend DDR-BĂŒrger reisen mĂŒssen schon 2 Millionen DM bereitgestellt werden.

Das „Einsperren“ der DDR-BĂŒrger hatte also, mindestens zum großen Teil, einen ganz einfachen  materiellen Hintergrund. Und der Westen zeigte nicht gerade Entgegenkommen als die DDR-Regierung mit der BRD-Regierung dazu verhandelte.

Vielleicht erinnert sich noch jemand. DDR, das war die Zeit, als die S-Bahnen in Berlin noch regelmĂ€ĂŸig fuhren, als keiner ĂŒberlegen musste, wie er Miete, Strom und Kindergartenplatz bezahlen kann. Keinen AngstzustĂ€nde bekam wenn er an die Ausbildung der Kinder denkt, keine Furcht hatte am Abend durch die Straßen zu gehen, als noch keine deutschen Soldaten im Ausland ihren Dienst taten und starben.

Was ist denn wirklich wichtig im Leben? Nach heutiger Meinung der Werbung ist es die allerneuste „Apps“ (Anwendungen) auf dem Handy oder der gelĂ€ndegĂ€ngige Wohnzimmerschrank.

Wenn wir in uns gehen, wenn wir einmal ganz ruhig sind und hinsetzen in die Sonne und ĂŒber die Wiese schauen, dann ist es etwas ganz anderes, was uns wichtig ist: Leben, essen, wohnen, Familie, Freunde, Ausbildung, etwas schaffen, stolz sein. Wie die schwĂ€bische Dame, eben. Das ist die Freiheit, die glĂŒcklich macht.

Nach dem „Zentrum fĂŒr Zeithistorische Forschung“ gab es in den 28 Jahren 136 „Maueropfer“, darunter 98 Menschen, die die DDR nach geltendem Gesetz illegal ĂŒber die  Grenze verlassen wollten. Das ist zutiefst bedauerlich.  Am 14. August 2007 meldet „WeltOnline“, dass seit Jahresbeginn an der Grenze zwischen Mexico und den USA beim Versuch des illegalen Übertritts 275 Menschen ihr Leben verloren haben. Das ist auch zutiefst bedauerlich.

Die BĂŒrger Mexicos werden kaum wegen ideologischer Disharmonie mit ihrem Land die Heimat verlassen wollen. Auch sind nicht alle DrogenhĂ€ndler oder flĂŒchtige Verbrecher, die diesen gefĂ€hrlichen Weg ĂŒber die Grenze gehen. Kaum beklagen werden sie sich können ĂŒber mangelnde Reisefreiheit in ihrem Land. Die allermeisten werden mit der materiellen Existenz in ihrer Heimat nicht zurecht kommen. Einige treibt es ĂŒber die Grenze, weil sie besseres Leben wollen, einige weil ihnen in Mexico ĂŒberhaupt die materielle Lebensgrundlage fehlt.

Die materielle Grundlage war allen DDR-BĂŒrgern garantiert. Ein illegaler GrenzĂŒbertritt, der die Gefahr des Todes immer in sich barg, muss fĂŒr diese Menschen also aus anderen GrĂŒnden wichtig gewesen sein. Wichtig genug, das Leben zu riskieren. Die GrĂŒnde dafĂŒr, fĂŒr jeden Einzelnen wĂ€ren interessant. Aber die versinken in der Propaganda. Auf beiden Seiten.

Die DDR hat den Kampf der Systeme nicht bestehen können. Auch aus materiellen GrĂŒnden. Sie war nicht „pleite“ wie gerne behauptet wird. Der materielle Lebensstandard fĂŒr jeden BĂŒrger war in der DDR höher als fĂŒr die allerallermeisten BĂŒrger  Italiens oder Spaniens. Und die Pro-Kopf-Verschuldung geringer. Aber sie konnte und wollte ihre BĂŒrger nicht mehr lĂ€nger auch in der Reisefreiheit bevormunden.

Den Kampf der Systeme hat die DDR trotzdem gewonnen. Das wird die Zukunft zeigen. Das LebensgefĂŒhl der DDR – BĂŒrger, die Freiheit, die sie genossen, die kann ihnen keiner der jetzt real existierenden Staaten und Ordnungen geben.

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NPT tot

Der NationalpreistrÀger der DDR, der Bildhauer Hans Brockhage ist tot.

Er forderte uns auf: „ 
 in Holz zu tun
“ . Er hat es getan. Er hatte nach dem Krieg, dem letzten großen bekannten, ein Holzmöbel entworfen und gebaut und ausgestellt. Ein Kindermöbel zum spielen. Und er bekam prompt einen Preis dafĂŒr. Das war 1957. Ein StĂŒck Bauhauskultur, gelernt und verinnerlicht an der Dresdener Hochschule, angewandt und eingebracht in die junge DDR-Welt. Den Preis bekam er in Ulm, also im westlichen Teil Deutschlands. Damals war das noch möglich, was nach dem Bau der „Mauer“ und dem ungehemmten Ausbruch der westlichen Wut gegen den Osten nicht mehr möglich war. Brockhage ist 2009 gestorben. Nach 1989 hatte er noch eine Ausstellung im Osten.

Bernhard Heisig ist tot. Ein Maler der Leipziger Schule. Einer neben Werner TĂŒbke, Wolfgang Mattheuer und Willi Sitte. Ein DDR-Maler. Einer, der in der Waffen-SS gedient hat, einer, der den Nationalpreis der DDR (zweimal) bekam und ihn im letzten Augenblick, vor dem Einstampfen der DDR, zurĂŒckgegeben hat.

Die heutigen Medien gehen gnĂ€dig mit Heisig um. Schließlich hat er ja rechtzeitig protestiert gegen das „SED-Regime“ und eine gewisse Widerborstigkeit wĂ€hrend der DDR-Zeit ist nachweisbar und, er hĂ€ngt im Reichstag. Er durfte, als einer der bedeutendsten Maler der  vereinigten DeutschlĂ€nder, seinen Abdruck im bedeutendsten GebĂ€ude der Vereinigten Republik hinterlassen.

FĂŒr die DDR hat er Lenin und Dimitroff gemalt. FĂŒr die BRD nach der „Wende“ den Stauffenberg. Zu seinen guten Bekannten gehörte nach 1989 gehörte Gerhard Schröder.

Was ist geblieben von der Kunst in der DDR?  KĂŒnstler, nahe den MĂ€chtigen, sind immer benutzt worden. So wie Heisig in seiner „Wut der Bilder“ eine (seine) kĂŒnstlerische Ära beendete, so wurde er dafĂŒr benutzt darzustellen, wie sich die ost-deutsche Malerei selbst vernichtet. Vieles ist verschwunden. Vieles wurde versteckt. Es fand keine Verbrennung von BĂŒchern und Bildern statt. Es ist alles viel subtiler. Die Kunstszene abseits der Politik nutzt die „Neue Leipziger Schule“ um Geld zu machen. Da spielt es keine Rolle, ob DDR oder Kommunist oder Wasserpfeifen. Da wird nur ein Trend verkaufen. Möglichst teuer.

Bei der Kunstszene nahe der Politik wird das ausgeschlachtet, was in die Politik passt. Ein Marx im heutigen Chemnitz wird verhĂŒllt, um eine „neue Form der Auseinandersetzung“ mit dem Mann zu finden. Dabei ist seine Hauptaussage immer noch dieselbe:  Der Reichtum entsteht aus Arbeit. Der Reichtum wird ungleichmĂ€ĂŸig verteilt. Ein Heisig ist gut genug fĂŒr die Darstellung des inneren Widerstandes gegen das „SED-Regime“.

Unbeachtet bleiben alle anderen kĂŒnstlerischen und kulturellen Leistungen der DDR. Nicht nur ungeachtet, sondern verschwiegen, bestenfalls diffamiert, wenn sie sich nicht verschweigen lĂ€sst.

Das Mosaik am Schwimmbad verfĂ€llt, sieht inzwischen stockhĂ€sslich aus. Das Schwimmbad verfĂ€llt auch, kein Geld mehr. Stattdessen Spaßbad, privat betrieben. Die in tausenden kĂŒnstlerischen Zirkeln entstandenen Malereien, Skulpturen, Geschichten, Gedichte, Lieder und auch Wandteppiche, sind vergessen, vergraben, verstaubt. Die Zirkel sind tot. Heute geht der Mensch zur Freiwilligen Feuerwehr. Da sind die After-Show-Partys immer so schön feucht.

Dabei war es eine der hervorragendsten Leistungen der DDR-Kultur, die Menschen in der Stadt und auf dem Land, in jedem Alter und in jeder sozialen Verfassung, an die Kunst heranzufĂŒhren, ihnen den eigenen Umgang damit zu ermöglichen. Das war durchaus international beachtet. Das ist LebensqualitĂ€t. Davon ist die heutige Gesellschaft weit entfernt. Davon kann getrĂ€umt werden, wird aber wahrscheinlich nicht, weil die Menschen (außer denen, die es von frĂŒher kennen) gar nicht auf solche Gedanken kommen.

Weniges ist geblieben: Ein wenig Musik der Phudys.

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