Artikel getaggt mit DDR

Ach, übrigens…..

Heute jährt sich wohl der Tag zum dreißigsten Mal, an dem die Tür endgültig aufgestoßen wurde. Das Tor für die Annektion des demokratischen Teil Deutschlands, die wichtigste Barriere für den Einfall des Kapitalismus in die bis dahin geschützte Zone für den experimentellen Aufbau eines friedliebenden, demokratischen, gerechten Staates auf deutschem Boden, in dem nicht die Interessen des Kapitals, des Großkapitals, des Finanzkapitals im Vordergrund standen, sondern das Wohlergehen des gesamten arbeitenden Volkes, die Grenze wurde geöffnet. Die Kontrolle des Staates DDR über das Grenzregime hörte auf. Die Souveränität des Staates DDR ging damit faktisch den Bach runter. Finito.

Feierlich ist mir an solch einem Tag nicht zumute. Mich überkommt eher Traurigkeit und, ja auch, Wut. Traurigkeit, weil die Zerstörung nicht aufhört. Das Kapital hat es geschafft die sozialen und kulturellen Errungenschaften des Volkes der DDR zu zerschlagen und das Kapital gibt sich damit nicht zufrieden, sondern plündert jetzt beide Teile des arbeitenden deutschen Volkes aus. Auch die erkämpften Zugeständnisse des Kapitals, wie der 8-Stunden-Tag und das Gesundheitswesen und die Rente werden in Frage gestellt. Und das Kapital beutet noch rücksichtsloser Boden, Luft und Natur aus, als es jemals der Fall gewesen ist.

Wut, weil es nicht so aussieht, als wenn sich irgendwer dagegen auflehnen würde, weil es nicht so scheint, als wenn das aufhören könnte, als wenn es eine Kraft gäbe, die dem entgegen wirkt. Was sollen alle diese Bewegungen, diese Flüchtlingsrettung, diese Ärzte ohne Grenzen, diese Umweltrettungsvereine? Sie werden an den Oberflächen kratzen, aber sie werden dem Kapital keine Grenzen setzen. Kein Grund zu feiern. Wirklich nicht. Wir würden den Rückschritt der Menschheit feiern.

Euer Tobi.

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Der Unrechtsstaat

Die Vorbereitungen zum 25. Jahrestag der friedlichen Konterrevolution in der DDR sind in vollem Gange. Der 65. Jahrestag der DDR konnte nicht gefeiert werden. Diesen Staat gibt es bekanntlich seit einiger Zeit nicht mehr.

Bei dem Aufwand, der zur Zeit in den Medien unserer Republik betrieben wird, könnte man meinen, der Anschluss der DDR sei für die Zukunft der BRD so wichtig, wie etwa die Zerschlagung des Hitler-Faschismus. In der Tat laufen die Betrachtungen über die Zeit des Faschismus in Deutschland aber das ganze Jahr über auf allen Programmplätzen des TV und nicht nur zu irgendwelchen Jahrestagen. Aber immerhin dauert die Kampagne zur Beleuchtung und Verteuflung der sozialistischen Vergangenheit des östlichen deutschsprachigen Gebietes nun auch schon 25 Jahre. Die Generation der DDR-Montagsdemos-Teilnehmer ist inzwischen bei der Vorbereitung der Rente. Wobei nicht jeder der ehemaligen Demonstranten der Rente optimistisch entgegensehen kann. Aber eine Weile kann er ja noch die revolutionär erkämpfte Freiheit genießen. Das sollte genügen.

Mit Unrechtsstaat ist natürlich die DDR gemeint. Die Linken-Politiker, die in östlichen Ländern der heutigen BRD in die Nähe der Regierungsbildung gekommen sind, werden vor die Entscheidung gestellt: Entweder ihr nennt die DDR einen Unrechtsstaat oder ihr könnt es euch abschminken mit uns koalieren zu können. Das ist natürlich Erpressung, aber politische und deswegen schon wieder in Ordnung. Die Grünen können und dürfen das, und die SPD schon lange und die CDU erpresst jemand anderen.

Die Erpressung mit dieser Frage ist nicht so neu. Schon einige Male wurde sie herausgeholt, um angeblich feststellen zu können, ob die Politiker der linken Fraktion, bzw. der Linken fähig zur Demokratie sind, also würdig sind, im Machtspiel um den Erhalt der freiheitlich-demokratische Ordnung mitzuspielen.

Und das trifft es. Wenn die Linken sagen: ..‘s war ein Unrechtsstaat. – Dann würden sie sagen, der Sozialismus war und ist Unrecht und sie würden sich selbst verraten, würden sagen: Das, was ich versuche zu erreichen, ist Unrecht. Dabei wird den Linken gleichzeitig und unterschwellig noch unterstellt, sie wollten die DDR wiedererrichten. (Vielleicht in den Grenzen von 1937?)

(Dreimal wirst Du mich verleugnen)

Dabei ist die Frage nach dem Unrechtsstaat frei von jeglicher politischen oder justiziablen Bedeutung. Es gibt die Kategorie „Unrechtsstaat“ einfach nicht. Außer im Neusprech der bundesgermanischen Politik.

Wird die Frage anders gestellt, etwa, ob es in der DDR Unrecht gab, so kann man die Frage guten Gewissens immerzu und überall mit „Ja“ beantworten. Natürlich geschah im Staate DDR Unrecht. Aber in welchem Staat geschieht und geschah kein Unrecht? Der Staat als solcher ist ja dafür da, Unrecht geschehen zu lassen. Der Staat ist von den politischen Parteien (oder Klassen) errichtet und wird gestützt, um ihre Interessen durchzusetzen. Und Interesse für irgendetwas ist immer gegen die Interessen irgendjemand anderem. Wer anderes glaubt ist… mindestens ein Ignorant.

Der bundesdeutsche Staat oder die bundesdeutsche Justiz sind freiheitlich demokratisch. Nun mag man ja dem Kinderglauben anhängen, dieses bedeute, die beiden Institutionen wären frei von jeglicher Parteinahme für irgendjemand oder irgendwas außer dem Grundgesetz.

Alleine die Tatsache, dass die NSA und andere unser, also auch mein und Dein Telefon, ungehindert ausspähen, ist doch Unrecht. Und wenn jemand glaubt, dass geschähe ohne Wissen und Zustimmung der Regierung unseres freiheitlichen-demokratischen Staates, lebt hinter dem Mars, oder wenigstens hinter dem Mond. Oder ist es kein Unrecht, wenn jemand, der Missstände in einer Bank aufdeckt, jahrelang in einer Psychiatrie verschwindet? Oder Leute die jahrelang Krankenkassenbeiträge eingezahlt haben, jetzt nicht mal eine Kur bewilligt bekommen? Da sind doch bundesdeutscher Staat, Justiz und Institutionen direkt und unmittelbar beteiligt an dem Unrecht. Sollte man Frau Merkel zwingen sich zum Unrechtsstaat zu bekennen?  Und das Argument: Das sind doch Verfehlungen Einzelner!, zählt hier nicht. Das Entsenden deutscher Soldaten in das Ausland, in Kriegsgebiete, ist grundgesetzwidrig und vom Parlament nicht mit absoluter Mehrheit abgesegnet. Es ist im Partei-Interesse abgesegnet.

Nun braucht niemand Angst haben, wenn Bodo R. in die Regierung kommt, er würde sofort anfangen den Sozialismus oder gar den Kommunismus aufbauen. Selbst wenn er die Absicht hat nicht nur seine Rente zu sichern und mal den Hauch der Macht zu spüren, sondern tatsächlich daran geht unter- und mittelprivilegierten Schichten der Bevölkerung wieder etwas mehr Luft zum Leben, Hoffnung auf Zukunft(also z.B. Rente), usw. zu geben, wird es ihm schwerfallen das durchzusetzen. Er ist ja kein absoluter Herrscher im Landesparlament. Dazu fehlen ihm einfach die absolute Mehrheit und die absolut wohlwollende Unterstützung der anderen Länderparlamente.

Im Übrigen: Die Statistik, die von bundesdeutscher Seite, also vom vorläufigen Sieger der Geschichte, über das staatlich verübte Unrecht in der DDR und die notwendigen, durch die Justiz der Sieger durchgeführten, Verurteilungen, angefertigt wurde,  spricht eine andere Sprache. Weniger als 10 Prozent der geführten Prozesse hatten eine Verurteilung zur Folge. Insgesamt ist die Umfang des in 40 Jahren DDR aus bundesdeutscher Justiz-Sicht angefallenen DDR-staatlichen Unrechts eher lächerlich zu nennen.

Was richtig ist: Aus Sicht von Frau Merkel und ihren Anhängern und Förderern ist alleine schon der Versuch, einen Staat wie die DDR zu betreiben oder der Versuch den Sozialismus aufzubauen, Unrecht.

Die persönliche Sicht der wirklichen oder gewünschten Opfer mag eine andere sein. Auch ist jedes Unrecht natürlich bedauerlich. Aber in den Medien, in allen bundesdeutschen, wird die Heulerei um und über und durch die Opfer einfach oder doppelt übertrieben. Und das wiederum ist ein Unrecht gegenüber dem Staat DDR und denen, die das Recht im Staate DDR geschützt und gestützt haben.

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Inflation (1)

Ich habe mir einen Amerikaner gekauft. War auch gar nicht teuer. Während die Amerikaner in Amerika für einen guten Amerikaner, der Präsident werden soll, einige Hundert Millionen Dollar ausgeben, musste ich für das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben, nur Bruchteile davon hergeben.

Die Höhe der Wahlkampfspenden für den neuen Präsidenten wird ja erst immer hinterher in diversen Skandalen richtig aufgedeckt. Jedenfalls werden da die amerikanischen Präsidenten nicht nur von den ganz großen Firmen subventioniert, nein auch Einzelpersonen, mit entsprechend viel Geld und entsprechend viel Machtanspruch, kaufen sich mal ihren Präsidenten.

Im Laden der Betriebskantine hatte mich diese Woche ein Amerikaner 99 Eurocent gekostet. Ich steh auf Amerikaner. Schon als Kind bin ich an keinem Bäcker vorbeigekommen, der dieses süße Gebäck in seinem Portfolio hatte. Die DDR-Pfennige gezählt, und ab in den Laden. An den Preis kann ich mich nicht erinnern, aber das Stück kostete garantiert unter 50 DDR-Pfennige. Ich gab den Alu-Chip gerne dafür hin. Heute würde man sich das stark überlegen. Eventuell übersteigt doch der Materialwert des Aluminiums beim Altmetallhändler den Nominalwert (DDR-Pfennig=0,nichts) den Gegenwert in Eurocent und dazugenommen den Genusswert (der ja nur wenige Augenblicke anhält).

Ich ging also, subventioniert von der Oma, der Tante oder der Mutter in den Laden und kaufte mir den subventionierten Amerikaner.

Für Amerikaner könnte ich sterben. Das ist eine blöde Redewendung. Wenn der neue Präsident den Einsatz in Syrien und dem Iran befürwortet, dann werden wieder einige mehr für die Amerikaner und ihre Machtansprüche und ihre Demokratie sterben.

Im Bäcker vor dem realen Einkaufsmarkt kostet der Amerikaner einen Euro zwanzig Eurocent. Das ist eine Steigerung der Einnahmen um zirka 20 Prozent. Für das absolut gleiche Produkt. Mit dem gleichen Frische-Versprechen. Nur die Verkäuferin war hübscher. An der Autobahntankstelle, in der angeschlossenen Verkaufseinrichtung wollten sie einen Euro neunundsechzig Eurocent für das gleiche Teil haben. Noch einmal zum mitschreiben: 1,69 € !! Das sind satte 70 Prozent mehr! Wenn ich das Benzin in der Werkskantine kaufen könnte, würde er dann auch 70 Prozent weniger kosten?

Einen Euro neunundsechzig!

Obwohl da keine Miniraloelsteuer drauf ist. Und die Verkäuferin hat’s auch nicht rausgerissen. War so eine spacke, zerknitterte. Noch nicht richtig wach oder schlecht bezahlt. Oder beides. Aber ich kann mir merken: Amerikaner im Zusammenhang mit Benzin und Oel, das ist teuer.

Wenn das mit dem Krieg da unten im Nahen Osten ernsthaft losgeht, dann wird das mit der Inflation auch erst richtig losgehen.

Inflation? Das hat doch nun wirklich nichts mit Inflation zu tun, das ist nur gesunde Marktwirtschaft. Jeder nimmt so viel wie er irgend kriegen kann. Das ist System.

Das subventionierte Grundnahrungsmittel „Amerikaner“ kostete in der DDR(nicht mehr real existierender Sozialismus) 50 Pfennige. Die DDR-Mark wurde damals offiziell mit 1 zu 4 auf die D-Mark in der BRD (immer noch real existierender Kapitalismus) umgerechnet. Dann gab es die Umstellung auf den Euro. Die Werte waren 1:2. Da macht zusammen ein Verhältnis DDR-Mark zu Euro von 1 zu 8. Bei einem Tankstellenpreis von 1,69 € (Umrechnung in DDR-Mark: 13,52) würde ich heute 27 Amerikaner kaufen können. Herrlich, Paradies! Das sind die blühenden Landschaften. Ich könnte mich eine ganze Woche davon ernähren!

Leider aber bekomme ich nur einen einzigen Amerikaner. Und das ist gut so. Denn die Magenverstimmung wäre sicher. Aber damit ist weder die Marktwirtschaft noch die Inflation erklärt.

Einen Erklärungsversuch gibt es in einem der nächsten Artikel.

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Mauer

Ich kannte eine Dame in Schwaben. Eine ältere Dame. Sie wohnte in einem Reihenhäuschen in einer kleinen Siedlung gleich neben einer größeren Stadt. Ihr Mann war Zeit seines Lebens in dieser Stadt seiner Arbeit nachgegangen. Sie haben für sich und die Kinder, die es  „einmal besser haben sollten“, das Häuschen gebaut. Die Kinder waren ausgezogen, die alte Frau lebte alleine in dem Häuschen, als ich sie kennenlernte, und das obere Geschoss war an eine deutsch-türkische Familie vermietet, das Dachgeschoss an mich. Sie selbst hatte den Landkreis in dem sie lebte nur ein einziges Mal in ihrem Leben verlassen. Sie war im Urlaub am rund 100 Kilometer entfernten Bodensee. Den Urlaub empfand sie als sehr schön, aber mitgefahren war sie nur weil sich die Kinder das so gewünscht hatten. Ihr Mann hatte nur als Soldat das Schwabenland verlassen.

„Wir haben hier alles was wir brauchen. Wir haben alles selbst aufgebaut.“ Sie hatte ihren Lebensinhalt und war stolz darauf.

Ich habe es damals als Kleinkleckerei, Weltfremdheit, Beschränktheit, kleinbürgerlich, schwäbisch empfunden. Aber es ist das Lebensgefühl dieser Generation. „Arbeit adelt.“

Das war, bevor die Deutschen zu Urlaubsnomaden und zu Arbeitsnomaden geworden sind. Heute ist Arbeit: „Etwas schaffen“ nicht mehr Hauptinhalt des Lebens. Die, die Arbeit haben, haben zu viel, und die anderen haben von allem zu wenig. Als Hauptinhalt wird heute „FUN haben“ vermittelt. Und die Jugend ist nicht wirklich glücklich damit, keine Aussichtmehr darauf zu haben sich jemals in ihrem Leben verwirklichen zu können.

Wir feiern den Jahrestag des Mauerbaus. Gedenkgottesdienste, offizielle Anlässe. Der Ministerpräsident spricht, Die Linke meldet sich zu Wort. Für einen gelernten DDR-Bürger ist das nicht einfach zu ertragen. Dieses ewige Geheule und Gejammer dieser freiheitlich – demokratischen Journaille und der kleinen und der großen Bundespolitik.

Brett vorm Kopf. Kann sich jemand vorstellen von diesen Machern, dass es den allermeisten DDR-Bürgern viel wichtiger war jeden Tag  friedlich zur Arbeit gehen zu können!? Dass „Die Mauer“ eine Erscheinung am Rande eines DDR-Bürgerlebens war, welches ihn sehr wenig berührte im täglichen Leben?! (Nur 0,4 Promille der gesamten DDR-Bevölkerung wollten in allen den 40 Jahren DDR „ausreisen“. Die Auswanderungsrate der BRD liegt heute jährlich bei 5 Promille.)

Ja, die DDR wollte sich abriegeln, die DDR musste sich abriegeln, Ja, die DDR verlor tausende Menschen, die gut ausgebildet meist, bis dahin die kostenlose Schulbildung, Ausbildung und Studium genossen haben (vom Staat DDR bezahlt, also von seinen Bürgern!) und alle anderen Vorzüge der sozialistischen Auffassung von einem menschenwürdigen Leben. Ja, die DDR konnte sich das Ausbluten nicht leisten, ja, die DDR konnte den Menschen nicht das bunte Leben, das der Westen versprach, bieten. Es gab keinen Marschall-Plan sondern Reparationszahlung an die Sowjetunion.

Aber, Freiheit, Freiheit besteht aus durchaus mehr als Reisefreiheit. Die persönliche Souveränität hört im Westen da auf, wo der Geldbeutel nicht mehr reicht oder wo die persönliche Meinung droht die bestehende Ordnung des Geldes in Frage zu stellen.

Wie weit die Meinungsfreiheit in der BRD ging (und geht), das zeigen die zigtausend faktischen Berufsverbote und Gerichtsprozesse und Verurteilungen wegen Mitgliedschaft in der KPD. Und heute lassen sich solche Beispiele auch leicht finden.

Auch in späteren Zeiten war das Reisen von DDR-Bürgern in die BRD nicht unbedingt eine politische Entscheidung, wie es gerne hingestellt wird. Eine ganz einfach ökonomische Klippe ist bewusst von Seiten der BRD errichtet worden: Die Bürger der DDR mussten Bahnfahrt und alle anderen Ausgaben in der BRD natürlich in D-Mark bezahlen. Die wenigsten hatten aber D-Mark. Und jedenfalls noch weniger konnten sich einen längeren unabhängigen Aufenthalt, z.B. zu Urlaubszwecken im westlichen Ausland leisten. Der DDR-Staat hätte ihnen D-Mark mitgeben müssen. Das aber war dem DDR-Staat nicht möglich, da ein Mangel an „Devisen“ bestand. Man kann die Rechnung aufmachen: Eine Urlaubsreise kostet 2000 DM. Wenn tausend DDR-Bürger reisen müssen schon 2 Millionen DM bereitgestellt werden.

Das „Einsperren“ der DDR-Bürger hatte also, mindestens zum großen Teil, einen ganz einfachen  materiellen Hintergrund. Und der Westen zeigte nicht gerade Entgegenkommen als die DDR-Regierung mit der BRD-Regierung dazu verhandelte.

Vielleicht erinnert sich noch jemand. DDR, das war die Zeit, als die S-Bahnen in Berlin noch regelmäßig fuhren, als keiner überlegen musste, wie er Miete, Strom und Kindergartenplatz bezahlen kann. Keinen Angstzustände bekam wenn er an die Ausbildung der Kinder denkt, keine Furcht hatte am Abend durch die Straßen zu gehen, als noch keine deutschen Soldaten im Ausland ihren Dienst taten und starben.

Was ist denn wirklich wichtig im Leben? Nach heutiger Meinung der Werbung ist es die allerneuste „Apps“ (Anwendungen) auf dem Handy oder der geländegängige Wohnzimmerschrank.

Wenn wir in uns gehen, wenn wir einmal ganz ruhig sind und hinsetzen in die Sonne und über die Wiese schauen, dann ist es etwas ganz anderes, was uns wichtig ist: Leben, essen, wohnen, Familie, Freunde, Ausbildung, etwas schaffen, stolz sein. Wie die schwäbische Dame, eben. Das ist die Freiheit, die glücklich macht.

Nach dem „Zentrum für Zeithistorische Forschung“ gab es in den 28 Jahren 136 „Maueropfer“, darunter 98 Menschen, die die DDR nach geltendem Gesetz illegal über die  Grenze verlassen wollten. Das ist zutiefst bedauerlich.  Am 14. August 2007 meldet „WeltOnline“, dass seit Jahresbeginn an der Grenze zwischen Mexico und den USA beim Versuch des illegalen Übertritts 275 Menschen ihr Leben verloren haben. Das ist auch zutiefst bedauerlich.

Die Bürger Mexicos werden kaum wegen ideologischer Disharmonie mit ihrem Land die Heimat verlassen wollen. Auch sind nicht alle Drogenhändler oder flüchtige Verbrecher, die diesen gefährlichen Weg über die Grenze gehen. Kaum beklagen werden sie sich können über mangelnde Reisefreiheit in ihrem Land. Die allermeisten werden mit der materiellen Existenz in ihrer Heimat nicht zurecht kommen. Einige treibt es über die Grenze, weil sie besseres Leben wollen, einige weil ihnen in Mexico überhaupt die materielle Lebensgrundlage fehlt.

Die materielle Grundlage war allen DDR-Bürgern garantiert. Ein illegaler Grenzübertritt, der die Gefahr des Todes immer in sich barg, muss für diese Menschen also aus anderen Gründen wichtig gewesen sein. Wichtig genug, das Leben zu riskieren. Die Gründe dafür, für jeden Einzelnen wären interessant. Aber die versinken in der Propaganda. Auf beiden Seiten.

Die DDR hat den Kampf der Systeme nicht bestehen können. Auch aus materiellen Gründen. Sie war nicht „pleite“ wie gerne behauptet wird. Der materielle Lebensstandard für jeden Bürger war in der DDR höher als für die allerallermeisten Bürger  Italiens oder Spaniens. Und die Pro-Kopf-Verschuldung geringer. Aber sie konnte und wollte ihre Bürger nicht mehr länger auch in der Reisefreiheit bevormunden.

Den Kampf der Systeme hat die DDR trotzdem gewonnen. Das wird die Zukunft zeigen. Das Lebensgefühl der DDR – Bürger, die Freiheit, die sie genossen, die kann ihnen keiner der jetzt real existierenden Staaten und Ordnungen geben.

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NPT tot

Der Nationalpreisträger der DDR, der Bildhauer Hans Brockhage ist tot.

Er forderte uns auf: „ … in Holz zu tun…“ . Er hat es getan. Er hatte nach dem Krieg, dem letzten großen bekannten, ein Holzmöbel entworfen und gebaut und ausgestellt. Ein Kindermöbel zum spielen. Und er bekam prompt einen Preis dafür. Das war 1957. Ein Stück Bauhauskultur, gelernt und verinnerlicht an der Dresdener Hochschule, angewandt und eingebracht in die junge DDR-Welt. Den Preis bekam er in Ulm, also im westlichen Teil Deutschlands. Damals war das noch möglich, was nach dem Bau der „Mauer“ und dem ungehemmten Ausbruch der westlichen Wut gegen den Osten nicht mehr möglich war. Brockhage ist 2009 gestorben. Nach 1989 hatte er noch eine Ausstellung im Osten.

Bernhard Heisig ist tot. Ein Maler der Leipziger Schule. Einer neben Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Willi Sitte. Ein DDR-Maler. Einer, der in der Waffen-SS gedient hat, einer, der den Nationalpreis der DDR (zweimal) bekam und ihn im letzten Augenblick, vor dem Einstampfen der DDR, zurückgegeben hat.

Die heutigen Medien gehen gnädig mit Heisig um. Schließlich hat er ja rechtzeitig protestiert gegen das „SED-Regime“ und eine gewisse Widerborstigkeit während der DDR-Zeit ist nachweisbar und, er hängt im Reichstag. Er durfte, als einer der bedeutendsten Maler der  vereinigten Deutschländer, seinen Abdruck im bedeutendsten Gebäude der Vereinigten Republik hinterlassen.

Für die DDR hat er Lenin und Dimitroff gemalt. Für die BRD nach der „Wende“ den Stauffenberg. Zu seinen guten Bekannten gehörte nach 1989 gehörte Gerhard Schröder.

Was ist geblieben von der Kunst in der DDR?  Künstler, nahe den Mächtigen, sind immer benutzt worden. So wie Heisig in seiner „Wut der Bilder“ eine (seine) künstlerische Ära beendete, so wurde er dafür benutzt darzustellen, wie sich die ost-deutsche Malerei selbst vernichtet. Vieles ist verschwunden. Vieles wurde versteckt. Es fand keine Verbrennung von Büchern und Bildern statt. Es ist alles viel subtiler. Die Kunstszene abseits der Politik nutzt die „Neue Leipziger Schule“ um Geld zu machen. Da spielt es keine Rolle, ob DDR oder Kommunist oder Wasserpfeifen. Da wird nur ein Trend verkaufen. Möglichst teuer.

Bei der Kunstszene nahe der Politik wird das ausgeschlachtet, was in die Politik passt. Ein Marx im heutigen Chemnitz wird verhüllt, um eine „neue Form der Auseinandersetzung“ mit dem Mann zu finden. Dabei ist seine Hauptaussage immer noch dieselbe:  Der Reichtum entsteht aus Arbeit. Der Reichtum wird ungleichmäßig verteilt. Ein Heisig ist gut genug für die Darstellung des inneren Widerstandes gegen das „SED-Regime“.

Unbeachtet bleiben alle anderen künstlerischen und kulturellen Leistungen der DDR. Nicht nur ungeachtet, sondern verschwiegen, bestenfalls diffamiert, wenn sie sich nicht verschweigen lässt.

Das Mosaik am Schwimmbad verfällt, sieht inzwischen stockhässlich aus. Das Schwimmbad verfällt auch, kein Geld mehr. Stattdessen Spaßbad, privat betrieben. Die in tausenden künstlerischen Zirkeln entstandenen Malereien, Skulpturen, Geschichten, Gedichte, Lieder und auch Wandteppiche, sind vergessen, vergraben, verstaubt. Die Zirkel sind tot. Heute geht der Mensch zur Freiwilligen Feuerwehr. Da sind die After-Show-Partys immer so schön feucht.

Dabei war es eine der hervorragendsten Leistungen der DDR-Kultur, die Menschen in der Stadt und auf dem Land, in jedem Alter und in jeder sozialen Verfassung, an die Kunst heranzuführen, ihnen den eigenen Umgang damit zu ermöglichen. Das war durchaus international beachtet. Das ist Lebensqualität. Davon ist die heutige Gesellschaft weit entfernt. Davon kann geträumt werden, wird aber wahrscheinlich nicht, weil die Menschen (außer denen, die es von früher kennen) gar nicht auf solche Gedanken kommen.

Weniges ist geblieben: Ein wenig Musik der Phudys.

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