Walpurgis, ganz unheilig

30 April 2019

Habt ihr es auch schon bemerkt? Die Krise ist da. Sie ist längst da. Und nun? Wir warten bis der Dieselpreis auf 2 Euronen hoch ist und wir uns nur noch Nudeln kaufen, weil das Brot aus Getreide zu teuer geworden ist. Die Krise ist längst da. Da ist nichts mehr aufzuhalten. Und es wird ein wenig schlimm, dieses Mal. Der Staat kann keine Zinssenkung mehr machen, um die Banken zu retten. Unsere Ersparnisse sind weg. Wir leben mit unseren Krediten und von der Hand in den Mund, wenn wir noch in Erwerbsarbeit sind oder Almosen von den Ämtern bekommen. Noch ist es nicht soweit? Wenn nicht, dann bald. Was wird? Wie geht es weiter? Hier mein Vorschlag:

Wir wollen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das Kapital versucht auch die letzten Felder der Menschlichkeit, der menschlichen Gesellschaftlichkeit in kapitalträchtige Unternehmen umzuwandeln. Die Betreuungseinrichtungen für Alte und Kranke, die Wasserwerke und die Kraftwerke, die Kliniken, Krankenhäuser, Arztpraxen, die Essentafeln und Wohltätigkeitseinrichtungen, alles wird auf maximalen Kapitalgewinn  geprüft und benutzt, wenn sich auch nur ein kleiner Gewinn versprochen wird. Wir brauchen uns nur umsehen.

Das wollen wir nicht. Wir wollen nicht den vollständigen Ausverkauf der Menschlichkeit! Wir wollen nicht alles verlieren, was wir uns in tausenden Jahren an Wohlstand und Freiheitlichkeit geschaffen haben! Wir wollen diese Erde nicht verlieren!

Der Mensch hat in diesem reichen Land, wie anderswo auch, das Recht zu leben. Er hat das Recht frei zu sein von Angst davor, sein Leben durch Krieg, Zerstörung und Hunger zu verlieren.

Der Mensch hat ein Recht darauf zu wohnen. Er hat das Recht in Afrika in seiner Hütte zu wohnen oder in seinem Haus. In Europa hat er ein Recht darauf, in einem winterfesten Haus zu wohnen. Und das, ohne auf immer weiter steigende Mieten achten zu müssen. Niemand soll sich vor Mietwucher oder dem Wucher der Elektrokonzerne und Zwischenhändler, der Öllieferanten oder der abkassierenden Schornsteinfeger zu fürchten. Jeder soll frei wohnen. Es sind genug Wohnungen da. Die Menschen haben viele Wohnungen gebaut. Jeder soll Öl oder Gas für seine Heizung haben, kostenlos, soviel wie er zum Überleben braucht. Jeder soll frei in seiner Wohnung sein und unentgeltlich.

Jeder soll zu essen haben. Die Grundnahrungsmittel stehen in Europa ausreichend zur Verfügung. Es gibt eine effiziente Landwirtschaft und wenn die Ländereien vernünftig bewirtschaftet werden und nicht über 70 Prozent der Lebensmittel zweckentfremdet benutzt oder gar vernichtete werden, dann kann für alle Mitglieder der Gesellschaft gesorgt werden, unabhängig von Hautfarbe, politischer Anschauung und sonstigem Einkommen. In Afrika sind die Bedürfnisse, was die tägliche Ernährung angeht, noch wesentlich geringer und der Afrikaner auf dem Land sollte auch sein Stück Feld behalten von dem er sich, wenn er will, selbst ernähren kann. Alle anderen sollten kostenlosen Zugang zu Nahrungsmitteln in ausreichender Menge haben, wie jede andere Weltbewohner auch.

Wohnen, Essen, Gesundheit, Pflege, Kultur und Bildung steht jedem zu.

Wohnen und Essen kann und soll die europäische Gesellschaft ohne Bezahlung stellen.

Gesundheit und Pflege kann die europäische Gesellschaft stellen, ohne Bezahlung.

Kultur und Bildung sollte jeder ohne Ansicht der Person zu jederzeit und kostenlos in Anspruch nehmen können.

Wie das Finanzieren?

Die Warenproduktion ist heutzutage sehr effektiv. Viele Menschen werden bereits heute ernährt, ohne dass sie am Prozess der Warenproduktion teilnehmen. Die wirklichen Bedürfnisse der Menschen an Wahren sind sehr viel geringer, als die Produktion an Fülle der produzierten Waren heutzutage hervorbringt. Reduzieren wir die Warenproduktion auf die benötigten Dinge! Wir brauchen weder 70 verschiedene Fahrzeugtypen zum individuellen Verkehr, noch 30 verschiedene Lactose-freie Schimmelkäse-Sorten im Supermarkt. Wenn die Waschmaschine 12 Jahre ohne Reparatur hält und die Bohrmaschine des Heimwerkers ein Leben lang, dann erübrigt sich die Neuproduktion. Die „handys“ und „smartphones“ haben so viel unnütze, ja schädliche Funktionen, dass eine Reduzierung auf das Vernünftige und Nutzbare und Nützliche eine große Schar von Software-Entwicklern freisetzen würde-die dann auch nicht verhungern würden.

Eine Reduktion der Warenproduktion auf das vernünftige Maß würde bei dem gegenwärtigen Niveau der Produktivität zu eine Reduktion der notwendigen Arbeit und zur Reduzierung des Einsatzes von Kapital führen. Wenn dieses Kapital als solches dann überhaupt noch vonnöten wäre!

Ein gesellschaftliches Gebilde mit einer auf die Vernunft zurückgenommenen Warenproduktion (egal ob Industriewaren oder Landwirtschaftlichen Erzeugnissen) würde wahrscheinlich von seinen Mitgliedern mehr Arbeitsangebote freiwilliger Art bekommen als in den Büros, Traktoren und Maschinenhallen notwendig wäre zur Aufrechterhaltung der Produktion.

Schon jetzt tun die meisten aller Menschen während der Arbeitszeit in den Betrieben hauptsächlich sinnlose Arbeit. Sei es bei der Entwicklung von Software, bei der Konstruktion neuer Bohrmaschinen, beim Bau neuer Häuser oder beim Anbau von Mais oder Soja für Bio-Benzin. Auch die Mitarbeiter in Finanzämtern, Arbeitsämtern, Steuerbüros, Rechtsanwaltskanzleien, sie alle tun größtenteils gesellschaftlich nicht notwendige, ja sinnlose Arbeit.

Einen Mangel an Arbeitskraft ist in der Pflege der Menschen, der medizinischen Betreuung, der Kulturellen Betätigung, auch der Bildung zu beobachten. Aber hier wird sich wahrscheinlich das Problem von selbst lösen. Reduziert sich der Stress, dann wird es weniger Kranke geben. Wenn die Menschen mehr Zeit haben, weil sie nicht mehr so viel arbeiten für ihren Lebensunterhalt, dann werden sie sich um ihre Angehörigen kümmern und kümmern können.

Das Problem des Spätkapitalismus ist der Kapitalismus selbst. Er wird immer effektiver; immer mehr Leute werden von der Produktion ausgeschlossen, immer mehr sinnlose Sachen werden produziert, der Mensch wird zur Ware, wenn er arbeitet und er wird zum Konsumenten wenn er nicht arbeitet. Der Kapitalist wird effektiver bis er aus Geld Geld machen muss, weil es sich nicht mehr lohnt in die Produktion zu investieren. Wo kein Arbeiter ist, da wird auch kein Mehrwert mehr geschaffen. Wo kein Mehrwert ist, da wird auch nichts verdient. Er schafft sich selbst ab, der Kapitalist. Wir müssen etwas an seine Stelle setzen.

Anfangen könnten wir damit, die öffentlichen Verkehrsmittel für alle kostenlos zu machen.

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Streik

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Die Schüler gehen auf die Straße. Zu meiner Zeit durfte sich sowas keiner erlauben.  Und auch heutzutage hört man hier und da: „Die sollen gefälligst zur Schule gehen, diese Göhren habe kein Respekt mehr vor nischt!“

Auch bei mir regt sich da kein Verständnis für die Schulschwänzerei. Die Eltern kriegen schließlich den Anranzer. Von wegen der Schulpflicht, und so. Überhaupt, wer hat diesem Mädchen gesagt, was sie bewirken kann mit ihrer Aktion? Wird sie die lieben Aktionäre von Porsche, Boing, Maersk oder Toyota überzeugen können, mehr für den Personennahverkehr zu tun oder weniger Waren auf Schiffen mit schwerölverbrennenden Motoren rund um den Globus zu schicken?  Werden die demokratischen Politiker, die sich ihre Gesetze von den Lobbyisten diktieren lassen, jetzt umschwenken und die Profitaussichten der Vorstände und Aktionäre durch rigorose Naturschutz- und Menschenschutzmaßnahmen  beschneiden?

Die Klimapolitik soll sich ändern. Ja, da bin ich auch dafür. Die ganze Politik soll sich ändern.

Die Schülerin appelliert an das Gewissen der Erwachsenen. Die Erwachsenen sind schuld. Welcher von diesen? Alle?? Wenn nicht alle, dann keiner. Genau so werden die Verbraucher(Käufer) haftbar gemacht für Plaste-Verpackungen und meerverseuchende  Plastetüten.

Was hat man der Schülerin beigebracht über den Gang der Gesellschaft und die Politikmacher in einer Demokratie? Was hat FRAU und MANN  den anderen Schülern beigebracht über die Macht des Volkes?  Ist ihnen nicht erzählt worden, dass es unausweichlich ist? Ein Schwein muss getötet werden, wenn das Fleisch in den Kochtopf passen soll. Wälder müssen abgeholzt werden, wenn Getreide auf Feldern  wachsen soll. Wer Aluminium braucht für Automobilkarosserien und Titan für die Batterien, der muss tiefe, hässliche  Löcher in die Erde machen. Flüsse müssen begradigt und vertieft werden, wenn die Frachtschiffe darauf fahren sollen. Straßen zerschneiden die Landschaft und wenn das Rotwild diese überquert, dann besteht die Gefahr das Wild und Fahrzeugführer zu schaden kommen.

Auf das Maß kommt es an und auf den Respekt. Wenn wir vernünftige Verkehrskonzepte hätten, wenn wir nicht T-Shirts um die ganze Welt transportierten, wenn wir Wohlstandsbürger nicht ein Drittel der Lebensmittel ungegessen vernichten würden, wenn nicht der Wachstum um jeden Preis, weil sonst der Profit  nicht stimmt, an allererster Stelle stehen würde, dann, dann, … .

Aber das Rennen nach Profit verbietet das vernünftige Maß und der Profit hat keinen Respekt, vor der Natur nicht und nicht vor dem Menschen. Das muss den Schülern mal jemand sagen. Das muss ihnen beigebracht werden. Dann hetzen sie vielleicht die Erwachsenen auf. Dann würden diese vielleicht Freitag streiken. Jeden Freitag. Und alle.  Auf die Plakate  könnten sie schreiben:  „Wir haben genug  Autos, Tapeten und Plastetüten. Heute produzieren wir mal nichts.“  Und die Welt würde sich auch weiterdrehen. Keiner von uns würde Schaden haben. Der Wohlstandsbürger jedenfalls nicht. Nur die Aktionäre würden vielleicht keine Rekorddividende einfahren.  

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E-Lärm

Der A380, das Großraumflugzeug der Airbus-Firma, fliegt noch, aber nicht mehr lange. Zu groß, zu schwer, unflexibel. Das, was die Fluggesellschaften wollen: mehr Passagiere in einem Flugzeug, um Geld zu sparen und so  mehr Gewinn für sich zu ziehen, das passiert. Aber die Fluggäste, besonders die Viel-Flieger, wollen mehr Verbindungen. Dann können sie, wie andere Leute den Linienbus benutzen, fix mal eben zu jeder Stunde nach New York rüberjetten.

Airbus hat nicht genug Aufträge. Sie werden die Produktion der „fetten Lady“ wohl demnächst einstellen.

Jetzt nehmen die Feuilleton-Schreiber das sofort zum Anlass für die Ankündigung, der Massen-Flug-Transport wäre dem Ende nahe. Und sie haben auch gleich die Lösung. Der individuelle Elektro-Flug wird alle unsere Probleme lösen. Zunächst ist es vor allem ein Wundermittel gegen die zeitraubenden Staus auf den Straßen, die Parkplatzprobleme und natürlich wären alle Abgas-, Abrieb- und Feinstaubbelastungen nur dreckiger Schnee von gestern.

Jeder, der möchte, bestellt sich ein Elektro-Flugtaxi (500 Km Reichweite in der Luft oder 100 Km auf der Straße) und schon fährt oder fliegt er ohne Stress zu seinem Hochhaus. Der Autopilot besorgt  die Navigation und die Sicherheit des Transportes, der Fahrgast kann sich zurücklehnen.

Das ist alles schön und gut. Aber die beiden Probleme haben wenig miteinander zu tun. Beim Airbus  geht es um Massentransport von Bänkern und Geschäftsleuten nach New York oder von Urlaubern in die Saudische Wüste, beim Flugauto  geht es um die Wege, die täglich in der Stadt oder in der Umgebung der Stadt zu bewältigen sind.

Für die schöne neue heile Welt, die mit der Elektromobilität kommt, wenn alle nur noch E-Autos herstellen und zulassen und alles für den Schutz der Umwelt getan ist, was getan werden kann, ist die Vorstellung eines fliegenden Autos natürlich faszinierend und wichtig.

Aber es ist leicht irreführend. Denn: Das e-Auto ist auch nur ein Auto, es beseitigt unsere Staus nicht und die nervenaufreibende Fahrerei und das zeitraubende Pendeln zwischen Heim und Arbeitsstelle. Da braucht es ein wenig Hoffnung. Es muss schneller werden, stressfreier und umweltfreundlicher.  Das wünscht sich der Pendler.

Diese E-Taxis, die Taxis überhaupt, auch das Fliegen von einem Ort zum anderen, das gibt es ja schon. Die Reichen und Schönen, die mieten sich einen Hubschrauber. Der wird zwar im Augenblick noch mit einem schmutzigen Verbrennungsmotor oder einer Turbine angetrieben, aber vom Heim zum Büro bringt er einen auch oder zum Schoppen, oder auch auf den Golfplatz.

Alle Leute, die am frühen Morgen in die Stadt zu ihrem Büro streben oder zur Kita, oder zum Geschäft, in dem sie angestellt sind, haben da lediglich den preiswerte, schnelle und problemlosen Transport als Hauptzweck im Sinn. Aber Alle Leute zur Arbeit zu bringen, das dürfte ein schönes Chaos verursachen. Dann hätten wir wieder Stau, weiter oben zwischen den Häusern. Denn alle diese selbstfahrenden oder fliegenden Roboterautos  wollen um kurz vor acht in der Geschäftsstraße ihren individuellen Passagier absetzen, um dann bis zum Feierabend in einer Garage wieder aufgeladen zu werden.

Schöne neue Welt mit E-Autos und E-Coptern!

Selbst wenn alles wunderbar mit „Künstlicher Intelligenz“ gesteuert wird, weil die natürliche mit dem Chaos nicht mehr fertig wird, wäre die Welt für den Arbeitenden gleich geblieben. Nur der Lärm wäre jetzt E-Lärm. Ein Fortschritt?

Aber es hat auch seinen Sinn. Die Automobilfirmen sind jetzt im Flugauto-Geschäft tätig und verdienen dort ihr Geld. Die Konstrukteure konstruieren, die Bauern bauen, die Verkäufer verkaufen und die Geschäftsführer führen die Geschäfte. Alle sind geschäftig. Sogar die Umwelt wird weiter benötigt, als Lieferant wertvoller Rohstoffe, die von weniger wertvollen Menschen in weiter entfernten Ländern geschürft werden. Wie einst, in der guten alten Zeit, die Goldschürfer am Clondike ihr Glück machten und Amerika groß.

Weiter so! Alles wird gut!

Julius Turm

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Die Kultur der Oberflächlichkeit

Die Kultur der Oberflächlichkeit

Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung?) soll die Bürger der bundesgermanischen Republik vor irgendetwas schützen. Wahrscheinlich geht es um die personenbezogenen Daten der Bürger. Ich hörte davon. Aber gelesen habe ich diese DSGVO nicht, jedenfalls nicht vollständig und auch nur aus Zweitveröffentlichungen, und die Hinweise auf diese in jeder öffentlichen und nichtöffentlichen Veröffentlichung und besonders auf den vielen privaten und nicht privaten Web-Seiten führen auch bei mir nicht automatisch zum Studium des Kleingeschriebenen.

Niemand liest es, niemand versteht es und alle berufen sich darauf. Alle Kommerziellen, von Google, über die Banken, die Schufa und auch alle Ämter im Dienste des Bürgers und des Staates ignorieren die Bestimmungen, auf die sie hinweisen und holen sich vom Bürger noch (Welche Verar***e!!!) die Einwilligung, genau die geschützten Daten zu verbreiten. Frecherweise holen sich die Ämter, die halboffiziellen, wie die GVZ und ähnliche Institutionen nicht mal die Einwilligung der Bürger. Sie berufen sich auf Nachfrage auf irgendwelche Gesetze zur Informationspflicht.

Es scheint eine Kultur der Oberflächlichkeit zu geben. Und eine Kultur der Ignoranz. Und der Willkür. Die Bürger haben aufgegeben, sich dagegen aufzulehnen. Sie nehmen es hin, wie viele andere Sachen, an denen sie nichts ändern können.

Es ist aber viel schlimmer. Es ist eine Kultur der Lüge.

Niemand kann mehr eine Quelle prüfen, weil die Quelle nicht benannt wird. Jeder kann, so er frech genug ist und es für notwendig hält, sich einen Titel, zum Beispiel einen Doktortitel, zulegen. Niemand kann es nachprüfen, denn jede Universität in Deutschland wird sich auf den Datenschutz berufen und auf die Nachfrage keine Antwort geben.

Es ist bei Wissenschaftlern, auch bei Historikern, die sich ja zu den Wissenschaftlern zählen, üblich geworden, nur noch pauschale Quellenangaben zu machen, etwa so: „Siehe Stasi-Unterlagen-Archiv des Bundes“. Das überführt den Verfasser normalerweise sofort der Unwissenschaftlichkeit. In diesem schönen Bundesdeutschland aber werden solche Machwerke sogar für die politische Bildung des Nachwuchses aller Deutschen empfohlen und auch benutzt.

(Ich möchte ja hier keine Namen nennen. Das würde vermutlich zur Klage führen und das kann sich keiner leisten. Wer aber Bücher von Historikern in die Hand nimmt, der sollte zunächst die Quellen überprüfen, um die Glaubwürdigkeit der Aussagen einschätzen zu können. Solche Aussagen „….bei der Auffassung von der konsequenten personellen >>Entnazifizierung<< in der DDR handelt es sich um eine historische Legende zur Selbstlegitimation der SED-Diktatur…“ gehen natürlich runter wie Oel bei Leuten, die die DDR immer noch schlecht geredet haben müssen. Aber, sie sind eben nicht belegt und vielleicht auch nicht belegbar. Ein Zitat aus „Wikipedia“ ist keineswegs ein wissenschaftlicher Nachweis, sondern nur das Zurückgreifen auf andere unwissenschaftliche Aussagen und persönliche Meinungen)

Die Daten des Bürgers, seine persönlichen Daten, sollen geschützt werden. Das ist aber nicht möglich, nicht im Zeitalter des allgemeinen Daten-Konsums. Firmen wie „Google“ verdienen Milliarden mit Verkauf von gesammelten Daten. Eine Firma wie „Facebook“ gäbe es gar nicht, wenn sie nicht personenbezogene Daten verkaufen könnte.

Es ist in hohem Maße verlogen, dem Bürger Souveränität seiner Daten zuzusprechen und gleichzeitig die Vereitelung der Straftaten, die durch Ämter, Firmen, Institutionen begangen werden, nicht zu betreiben!

Jeder kann mit jedem Datum, auch mit persönlichen und eigenen, tun und lassen was er will. Einige, die frechen, die unmoralischen, verdienen sich eine oder zwei goldenen Nasen damit. Die anderen schauen dumm aus der Wäsche.

Auch werden Daten gefälscht und Fälschungen in die Welt gesetzt. Niemand hat die Chance etwas nachzuprüfen, selbst wenn er es will.

Ich will Anarchie! Weg mit diesem Gesetz! Alle sollen das gleiche Recht haben.

Klaus Kleiner

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Pünktlich wieder raus

Ist Ihnen das auch schon einmal so gegangen: Sie setzen sich pünktlich auf den Friseurstuhl. Es ist Fünfzehn Uhr, pünktlich. Der Zeiger rückt gerade auf die Zwölf. Die Friseuse macht im Spiegel ein freundliches Gesicht, wirft Ihnen den Umhang über und in diesem Augenblick kommt dieses Zeitzeichen im Radio und der Radiosprecher sagt in seinem gewohnt sachlichen Ton: „Beim letzten Zeichen war es genau 15 Uhr.“

„Nein“, denkst Du bei dir, nein, das Radio geht schon wieder fast zwei Minuten nach!“ Aber du sagst es nicht der Friseuse, erzählst nichts von deinen Gedanken. Vielleicht würde sie dann darüber nachdenken und dann müssten die Haare drunter leiden oder dein Angesicht.

So aber erzählt sie nur von ihrer Tochter und da das so mehr Selbstgespräche sind, du also nichts antwortest, nichts antworten musst, ist alles in Ordnung. Bewegen, vielleicht mit dem Kopf nicken, vermeidest du, jedenfalls, solange dir die Schere im Nacken klappert, sowieso. Solange  ist deine Schönheit auch nicht gefährdet.

Dann kommt im Radio diese Nachricht: Die USA haben den INF-Vertrag gekündigt! Die Friseuse hält inne. Und du spürst, Gefahr liegt in der Luft! „Diese Idioten!“ sagt die Friseuse. Sie klappert gefährlich mit der Schere in der Luft. Du duckst dich unwillkürlich ein wenig in deinem Stuhl.

Die Frau tritt einen Schritt von deinem Stuhl zurück. Du siehst es im Spiegel. Sie ringt mit der Fassung.

„Wie haben wir damals gejubelt“, sagt sie. Der Gorbatschow hat es geschafft. Er hat den Reagen rumgekriegt. Allerdings, wir haben uns damals schon gefragt, wie er das gemacht hat, wie er das erkauft hat und tatsächlich, die Abrüstung war ein wenig einseitig. Die Russen, damals ja noch Sowjetunion, haben Kernkompetenz“, sie kichert leise, und wiederholt „Kernkompetenz“ und betont dabei –Kern-, „die Raketen abgebaut und die Amis haben ihre Hauptwaffen, die Bomber und Fernraketen behalten.“

Da du jetzt außer Reichweite der Schere bist, wagst du eine Frage.

„Nein“, antwortet die Frau. „Nuklearsprengsätze wurden nicht  reduziert. Es wurde nur das Wettrüsten bei den Raketen mit Reichweiten von 500 bis 5500 KM beendet. Die Trägersysteme sollten beseitigt werden.“

„Warum war das so ein Erfolg, wenn die nukleare Gefahr genau so ist wie vorher?“

Die Friseuse lehnt sich an das Waschbecken. „Eine Rakete mit Nuklearsprengkopf vorzubereiten und  abzuschießen dauert nur wenige Minuten. Die Rakete fliegt von Westdeutschland bis Moskau weniger als eine Stunde. Ein Flugzeug mit einer nuklearen Bombe braucht länger in der Vorbereitung, länger für den Flug und ist leichter abzuschießen, bevor es das Ziel erreicht. Somit ist die Gefahr, einen überraschenden Nuklearschlag zu führen, wesentlich geringer. Und damit die Gefahr eines Kriegsausbruches.“

Ich nicke zustimmend. Das leuchtet mir ein. Dann will also die USA wieder mehr Kriegsgefahr. Das kann ich verstehen. Die werden von der wirtschaftlichen und finanziellen Macht der Inder, Chinesen und vielleicht Russen stark bedrängt. Die Flugzeugträger reichen nicht mehr als Abschreckung, denn die Chinesen haben inzwischen auch solche Dinger. Sogar die Inder haben einen gekauft. Da muss man endlich mal dagegenhalten, wenn solche billigen ehemaligen Kolonien jetzt aufmüpfig werden. Da braucht man Raketen, die bis nach Peking fliegen und nach Teheran und Moskau. Dann wird eben Polen zur Front, wenn dort die Raketen stationiert werden.  Polen ist schwach besiedelt. Da kann man so einige Raketen zur Abschreckung aufstellen. In der Türkei stehen auch Abschussrampen.

Ich äußere gegenüber der Friseuse die Hoffnung, dass Deutschland von der Stationierung von Abschussrampen verschont bleiben würde. Sie ist anderer Meinung. „Diese Regierung und jede andere werden aufs Geld gucken und die sind doch schon immer von den Amis gekauft. Da kann das Volk“, sie betont „DAS VOLK“, und es hört sich ein wenig verächtlich an, „ruhig zu einhundert Prozent dagegen sein, auch die Abgeordneten. Die amerika-hörige Regierung wird es wieder zulassen. Und dicke Pensionen beziehen.“

Ich protestiere gegen diese Meinung. Die Friseuse hebt drohend die Schere. „Das Grundgesetzt wurde von den Amis abgenickt und die bundesdeutsche Regierung hat in den letzten 70 Jahren keinen Beschluss ohne die Zustimmung der Amis oder der Industrie gefasst.“ Sie tritt von hinten an meinen Stuhl. „Aber lassen Sie mal. Es kommt wie es kommt. Als Volk brauchen wir uns darüber keine Gedanken zu machen.“ Zwischen den Schneiden der Schere höre ich meine Haare knirschen. Die Frau konzentriert sich auf ihre Arbeit. Ich verlasse unverletzt den Laden.

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