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Der Absturz

Biber langweilte sich. Der Autopilot war an und tat seine Arbeit. Sein Copilot war schon auf dem Taxi-Way eingenickt. Sie standen in der Wartezone mit laufenden Triebwerken, fast eine halbe Stunde lang. Pilot Hans Biber war ein alter Hase. Er selbst hielt durch. Obwohl er auch etwas Schlaf brauchen konnte.

Den Kollegen ließ er jedenfalls erst einmal einfach in Ruhe. Die paar Handgriffe und die Meldungen in der Startposition konnte er selbst tun. Er hatte irgendwie doch Mitleid mit dem Jungen. Und dabei stand dem noch alles bevor. Sie waren am Morgen aus Budapest gekommen, hatten zwei Stunden Pause und mussten dann zum nächsten Flug. Das ist verdammt wenig Zeit für einen Jungen, der eine ganze Nacht Schlaf nachzuholen hat. Die Abfolge der kurzen Flüge waren immer kürzer geworden. Als Hans Biber bei der Gesellschaft anheuerte, da waren sie noch vier Mann im Cockpit. Da wäre das gar nicht aufgefallen, wenn der Navigator schlief. Damals wäre der Junge erst einmal als Navigator mitgeflogen. Schöne alte Zeiten. Jetzt aber gab es keinen Navigator nicht mehr. Dafür den Kollegen Computer. Hans Biber überlegte einen Augenblick, ob der Bordingenieur auch durch den Computer ersetzt wurde. Er fand keine Antwort. Einen Bordingenieur jedenfalls war auch nicht mehr im Flugzeug. dann musste er wohl durch einen Computer ersetzt worden sein.

So ein Bordrechner ist immer fit. Der Junge hatte wohl mit seinen Freunden in Budapest eine Sause gemacht. Sie hatten neun Stunden Pause in Budapest. Er hätte es sein lassen können, aber er hat es getan. Hans Biber verstand das. Er war ja auch mal jung. Trotzdem ärgert er sich natürlich. aber er ließ den Jungen schlafen. Endlich kam die Startfreigabe. Er weckte den Jungen. Der war auch sofort wieder bei sich und alles klappte wie am Schnürchen. Schon nach wenigen Sekunden waren sie in den Wolken.

Allerdings war der Co-Pilot schon wieder eingeschlafen, bevor sie die Reiseflughöhe erreicht hatten. Biber wartete die Reiseflughöhe ab. Der Autopilot lief schon. Biber kontrollierte die Streckeneingabe und die übrigen Anzeigen auf dem Bildschirm. Zuweilen flackerte der linke Bildschirm etwas. Biber hatte das im Mängelbericht angegeben. Es sollte repariert werden, wenn die Maschine wieder auf dem Heimatflughafen Frankfurt sein würde. das war für die nächste Woche geplant. Biber hatte auch in der Wartungsluke in der hinteren Pantry einen Laptop entdeckt, der noch in der Wartungsschnittstelle steckte. Alles nur Kleinigkeiten. Sonst war alles in Ordnung.

Und Fliegen ist ja inzwischen Kinderleicht, dachte er mit einem weiteren Blick auf seinen jungen Copiloten. Hans Biber meldete sich aus dem Luftraum Barcelona ab. erst im Bereich Frankfurt musste er sich wieder bei der Flugsicherung anmelden.

Hans Biber warf noch einmal einen routinierten Blick über die Anzeigen. Alles im „Grünen Bereich“. Er war zufrieden. Er schnallte sich ab, musterte noch einmal seinen schlafenden Copiloten und verließ das Cockpit. die Tür fiel ins Schloss. Er hatte eine halbe Stunde zeit.

Er wollte sich von seiner Freundin verabschieden. Sie sollte es natürlich nicht wissen, es sollte nur ein letztes gemeinsames Zusammensein werden. Er würde sich in Düsseldorf das Leben nehmen, es war beschlossen. Die Abschiedsbriefe waren geschrieben, alles ist durchdacht. Er hatte lange überlegt, wie er es machen wollte, aber er würde einfach vom Dach springen. Ein letzter Flug sozusagen. Zwölf Stockwerke, das waren gut sechs Sekunden Flug. Eine ausreichende Zeit, es zu genießen. Er hatte die Police studiert. Die Gesellschaft zahlte bei Tod. Es war keine Klausel wegen Selbstmord enthalten.

Das Geld würde reichen seine Spielschulden zu bezahlen, den Sohn weiter auf diese unanständig teure Eliteschule zu schicken und dann auf die Uni und auch für die Frau würde es bis zum Lebensende reichen. Sie wird sich nicht mal einschränken brauchen. Aber die monatlichen Beiträge waren ja exorbitant. Da sollte es sich schon lohnen.

Hans Bieber musste warten. Die Flugbegleiter waren noch mit dem Verteilen von Kissen und Getränken beschäftigt. Aber Biber hatte sie schon anfassen können, als er an ihr vorbei in die hintere Bordküche ging. Sie würde kommen, sobald sie sich freimachen konnte. Die anderen Steward würden sich nach vorne verziehen. Sie kannten das.

Biber war langweilig. Er sah sich in der Küche um. Ein Fach war nicht richtig geschlossen. Es klapperte. Dann sah er auf die geschlossenen Wartungsluke. Ihm kam ein Gedanke. Ein spitzbübisches Lächeln huschte über sein Gesicht. Er öffnete die Luke.  Dann stellte er das Bordwartungsterminal auf den Modus Wartung. Er gab auf der Konsole eine Spritmenge von 12000 Gallonen mehr an, als sie wirklich an Board nehmen konnten. Dabei hatten sie nur halb getankt in Barcelona. Das würde für den Weg nach Düsseldorf reichen und für ein oder zwei Warteschleifen, wenn es sein musste. Gewicht kostet Geld und das war ja nicht notwendig. da verstand er die Gesellschaft. Und die Umwelt schonte es auch, und die Anwohner, wenn das überschüssige Kerosin nicht auf die Felder und die Häuser abrieselte.

Die geänderte Spritmenge musste jetzt ein Lämpchen im Cockpit aufleuchten lassen. in wenigen Sekunden würd ein schriller Alarm in der Kabine und in den Kopfhörern seines Copiloten tönen. Dann würde der Bursche endlich aufwachen und seine Arbeit tun. Feiern hin oder her. Er hatte seine verdammte Arbeit zu tun.

Hans Biber wartete auf den Anruf seines Kollegen, der jetzt sicher in Aufregung sein musste. Der musste ihn jetzt ins Cockpit rufen. So die Vorschrift. Biber würde ihn beruhigen, die richtige Spritmenge wieder einstellen und nachher hätten sie ein wenig zu lachen über den Streich.

Der Anruf kam nicht. Biber ärgerte sich. Der musste einen verdammt tiefen Schlaf haben. Inzwischen musste doch das gesamten Instrumentenarsenal rot aufschreien.

Biber beschloss nach vorne zu gehen. Er stellte auf der Konsole die richtige Spritmenge wieder ein. Sicherheitshalber kontrollierte er noch einmal die vorhandene Spritmenge, bevor er die richtige wieder einstellte. Aber die Anzeige musste einen Fehler haben. Sie zeigte nur einen winzigen realen Rest an, der kaum für eine halbe Stunde Flug reichen würde. Aber vorne in der Kanzel war doch die richtige Menge angezeigt? Biber rief noch einmal die Daten der Sensoren ab. An deren Aussage  änderte sich nichts. Biber überlegte, ob er den Tankwagen auf dem Rollfeld gesehen hatte. Er konnte sich nicht erinnern, denn er war im letzten Augenblick zum Flugzeug gekommen und sein übermüdeter Copilot hatte ihm gemeldet, das die Vorbereitungen abgeschlossen waren.

Die Instrumente in der Kanzel zeigten allerdings die erwarteten Werte, wäre es anders gewesen, dann wäre es Biber aufgefallen. Doch halt, er stutzte, soweit er sich erinnern konnte zeigten sie den VOLLEN Tankstand an, nicht die halbe Tankmenge, die sie ja hätten anzeigen müssen, und die Maschine war auch einige Sekunden früher abgehoben, als er es erwartet hatte. Er hatte es auf den Gegenwind geschoben und es vergessen. Biber machte die Luke zu und eilte nach vorne in Richtung Cockpit. Auf dem Wege streifte er seine Stewardess. Sie lächelten sich an.

Hauptmann Freeser sah den Strich auf dem Monitor. Das war sein Übungsziel. Eine Zivilmaschine. Sie ist jetzt knapp 5 Kilometer vor ihm und etwas seitlich unten. Es war die ideale Position, um nicht bemerkt zu werden. Er gab die 270 ein. Noch ein „C“ für „Korrektur“, Ein „A“ für „Altitude“  und ENTER und die Maschine würde jetzt ihren Kurs ändern. Die Piloten würden es nicht einmal bemerken. Die Maschine würde sich unmerklich in eine Linkskurve legen und ihren ferngesteuerten Kurs fliegen. Aber es tat sich nichts. Irgendwas hatte er vergessen. Er hatte seit einem Jahr nicht mehr an der Konsole gesessen. Er suchte das Handbuch. Dass ihm das passieren musste. Er fand kein Handbuch. Er versuchte sich zu erinnern. Ein Buchstabe fehlte für die Vervollständigung des Befehls.

Biber klopfte an die Tür. Nichts rührte sich. Er klopfte lauter. Er hätte jetzt den Code eingeben müssen, um die Tür zu öffnen. Aber der Zettel mit dem Code ist in seiner Jacke und die hängt in der Kabine.

Er blickt sich um die erste Stewardess zu suchen. Sie ist nicht zu sehen. Biber geht wieder nach hinten zur Küche. Seine Freundin fällt über ihn her, sobald er durch den Vorhang ist. Er kann sie abwehren. Sie ist beleidigt, weil er sie mit beiden Armen von sich hält.

Hauptmann Freeser winkte dem Operater-Unteroffizier, herüberzukommen. Da leuchtete aber über seiner Konsole das Rote Lämpchen. Er winkte ab. Die Operation musste unterbrochen werden. Über den Kopfhörer gab der Pilot den Grund der Unterbrechung durch. Die Sensoren für die Höhenmessung waren vereist. Er hatte die Computer ausschalten müssen und flog jetzt mit Handsteuerung. In solchen Situationen, so sagte es die Vorschrift, waren Fernsteuermissionen von Zivilmaschinen verboten. Wegen der Sicherheit.

Biber hatte inzwischen seiner Freundin erklärt, dass er den Türcode brauchte, um in die Kabine zu kommen. Die Freundin lachte ihn, immer noch beleidigt, aus, fing aber an nach dem Code zu suchen. Durch das Kabinenfenstern sah Biber draußen die Wolken aufreißen. Fetzen fliegen vorüber. Die Berge wurden erkennbar. Es ist ein trüber Tag über den Alpen. Da schoss die Erkenntnis wie ein Blitz durch seinen Kopf. Sie waren viel zu tief. Er ließ die Freundin stehen. Sie hatte den Code noch nicht gefunden. Er hastete nach vorne zur Cockpittür. Er hämmerte dagegen. Endlich rührte sich etwas hinter der Tür.

Hauptmann Freeser sah noch einmal auf seinen Monitor. Eben war ihm eingefallen, dass er bei Richtungsänderung ein „D“ für „Direktion“ hätte eingeben müssen, statt des „A“. „A“ stand für die Höhe. Aber die Operation war ja abgebrochen worden. Das Zeichen für das Radarecho der Zivilmaschine am oberen Rand seines Bildschirm verlosch gerade.

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PANDEMIE

Meldung: Der Diebstahl von Säuglingen nimmt in Deutschland zu. In einer Klinik in Sachsen-Anhalt wird einem Neugeborenem, als erstem Menschen in Deutschland, ein Chip unter die Haut geschoben. Die Mutter ist glücklich. Jetzt braucht sie keine Angst mehr haben, ihr Kind könnte verloren gehen oder gestohlen werden.

Meldung: In einem großen Autokonzern in Deutschland wird jetzt aktiver Katastrophenschutz betrieben. Eine eigens gebildete Arbeitsgruppe befasst sich mit den Auswirkungen einer Pandemie auf die Arbeit des Konzerns. Ein Sprecher versicherte, dass Wege und Mittel gefunden werden würden, die Autoproduktion auch bei Ausfall einer großen Anzahl von Mitarbeitern aufrecht zu erhalten und so die Gewinne für die Aktionäre zu sichern.

Der Kapitalismus geht seinem Ende entgegen. Es ist schon fast schick, ein wenig Kapitalismuskritik zu üben, trendig. Aber es darf eben auch nicht zu viel sein. An den Grundüberzeugungen darf nicht gerüttelt werden. Zumal das ja zu nichts führt. Wer Kritik übt, sollte auch Lösungsvorschläge bei der Hand haben. Für was eigentlich? Es läuft doch alles so hervorragend. Uns Deutschen geht es doch gut. Es gibt immer weniger Arbeitslose, es herrscht sogar Fachkräftemangel; keiner kann was dafür wenn die Griechen so faul sind und ihr Geld nicht zusammenhalten können. Bei uns, ja bei uns steigt  die Produktivität, und das ist gut so. Unsere Autos werden bald autonom fahren und wir werden immer mehr Spaß haben. Das ist gut so.

Mit 15% Produktivitätssteigerung werden allerdings auch fast 15% der Arbeitsplätze weggesteigert. Das ist so und es ist nicht wegzureden. Der Deutsche braucht nur seinen Blick erheben über den Tellerrand hinaus, nach Griechenland oder einen kurzen scheuen Blick auf Spanien wagen. Die Hälfte aller Jugendlichen in diesen Ländern sind arbeitslos.  Sie werden nicht gebraucht, weil die Fülle der Waren, die hergestellt und verkauft werden können, von den anderen, noch arbeitenden geschaffen werden. Aber auch diese, mit steigender Produktivität, werden bald Maschinen ersetzt.

Bücher werden „on demand“ gedruckt, Kinderspielzeug kann sich jeder mit einem 3-D-Drucker auf dem Küchentisch selber backen. Da werden Recherche-Anwendungen für Rechtsanwälte eingeführt. Sie durchforsten Gerichtsurteile zu einem Zehntel der Kosten und genauer, als die vielen Rechtsanwalt-Gehilfinnen und -Gehilfen. Das braucht nicht mit Zahlen belegt werden, wir brauchen uns nur umschauen. Eben nach Portugal, nach Italien oder auch im eigenen Betreib, äh, in dem Betrieb, in dem wir arbeiten. Das Gefühl ist richtig. Nicht richtig ist der vielzitierte „Arbeitskräftemangel“.

Harte Jahre werden kommen. Die Arbeiter arbeiten nicht mehr, weil sie nicht mehr in die Fabriken und Büros gelassen werden. Die Lokführer fahren nicht mehr, weil die Strecken automatisiert befahren werden.  Die Käufer kaufen nicht mehr, weil sie kein Geld durch Arbeit erlangen konnten. Der Unternehmer verkauft nicht mehr, weil niemand seine Ware bezahlen kann. Die überaus hohe Produktivität wird nutzlos.

Im übrigen wissen wir nicht erst seit Marx, dass nur die Beschäftigung, also die lebendige Arbeitskraft, die Arbeit des Menschen, Mehrwert schaffen kann. Das was im Augenblick zum großen Teil der Unternehmer oder der Aktionär an Gewinn in die Tasche steckt, muss durch lebendige Arbeit geschaffen werden. Ein Maschine kann das nicht. Wenn also der Unternehmer alle seine lebendigen Arbeitskräfte, die Arbeiter am Band, die Konstrukteure usw. aus dem Betrieb entfernt hat, sie durch Maschinen und Computerprogramme ersetzt hat, dann hat er sich auch gleichzeitig der Möglichkeit beraubt, Profit zu machen. Er braucht zwar keine Sozialabgaben mehr zu bezahlen, keine Kantine zu subventionieren, aber er wird auch keinen Gewinn mehr machen. Den machen dann diejenigen, die ihm mit lebendiger Arbeit die  Computerprogramme schreiben oder die Maschinen, mit denen er arbeitet, konstruieren.

Aha, denken wir: der Kapitalismus, der Gewinn verlagert sich nur, die Idee des kapitalistischen Wirtschaftens hat keinen Schaden genommen. Aber, der Hersteller des Computerprogrammes versucht natürlich genau so wie sein Abnehmer, den unliebsamen Kostenfaktor „Arbeiter“ (Programmierer, Konstrukteur) zu reduzieren. Was letztendlich passiert sehen wir am Beispiel der Landwirtschaft. Vor 150 Jahren lebten noch 90% der deutschen Bevölkerung von der Landwirtschaft. Heute sind es noch 2%, die sich von Arbeit in der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen können. Dank Rationalisierung ist alles besser und schneller geworden. Der Aufwand wurde minimiert. Gleiches wird mit der Maschinen- und Warenproduktion in der Industrie passieren. Roboter an den Taktstraßen, Computerprogramme, die die Konstruktion erledigen, passgerechte Fertigung in 3-D-Druckern, sich selbst organisierende Fabriken. Das ist keine Zukunftsmusik mehr, das ist schon Realität. Wohin aber wandern dann die Beschäftigten? Nicht alle hoffnungslosen Jugendlichen können sich umbringen oder in die Freiwilligenarmee eintreten und gegen den Islam kämpfen.  Ein Heer von Millionen arbeitslosen Programmierern wird durch die Lande streifen und sie werden sich die Produkte, die hergestellt werden, nicht kaufen können.

Fassen wir zusammen: Der Unternehmer rationalisiert, soweit es eben geht. Er setzt lebendige Arbeitskraft frei, die nirgendwo anders gebraucht wird und die produzierten Waren werden nicht mehr gekauft, weil die Nichtarbeitenden kein Geld haben. Kein Ausweg, kein Lichtblick, ein klassisches Dilemma, denn das was der Unternehmer schneller und besser produziert braucht er nicht, denn er kann es nicht verkaufen.

Nicht der Mangel an Rohstoffen, wie der „Club of Rome“ meint, beendet die Ära der westlichen Demokratie. Die Grenzen des Wachstums werden von ihm, dem kapitalistischen Wirtschaftssystem, selbst geschaffen.  Und mit großen Schritten strebt er freudig darauf zu.

Warten wir also ab, bis sich das Wirtschaftssystem selbst abgeschafft hat? Fröhliches Warten! Wenn erst alle Säuglinge einen Chip haben und erwachsen geworden sind, dann werden sie nicht mehr an der Kasse bezahlen müssen. Der Betrag wird ihnen vollautomatisch – dank des eingebauten Chips- vom Bankkonto abgezogen. Und auch sonst machen sie keinen Schritt mehr in der arbeitslosen Welt, der nicht registriert werden würde.

„Unter Pandemie versteht man eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit, im engeren Sinn einer Infektionskrankheit. Im Gegensatz zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt“[Wikipeida]

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Putin geht um, Obama auch. Die Kanzlerin wohl auch.

Der Siemens-Chef sprach bei Putin vor, demonstrativ, während die Kanzlerin schweigend ihre übliche Nummer mit Obama abzieht. Die Dame im Kanzleramt hofiert nach wie vor den „Partner“ jenseits des Atlantiks. Das Handy wird ausgespäht, die Militärbasen und Horchposten sind weiterhin besetzt, das angebahnte Freihandelsabkommen mit dem „Großen Atlantischen Partner“  wird von der deutschen Industrie abgelehnt, weil es der US-amerikanischen Seite mehr Vorteile bringen würde,  als gut wäre für die hiesigen Partner und die Kanzlerin scharwenzelt weiter um den „großen Bruder“ von jenseits des Atlantik. Man sollte meinen, dass die politische Ausbildung, die die jetzige Kanzlerin der Bundeseignen Republik in der DDR-Schule genießen durfte, all die FDJ-Schulungen, Staatsbürgerkundeunterrichtstunden und die Ansicht des „Schwarzen Kanals“ ausreichend gewesen wären, die politischen Abläufe zu begreifen. Aber sie hat wohl alles vergessen.

Die deutsche Bevölkerung überprüft derweil die Füllstände in Gas- und Öltanks auf dem eigenen Grundstück. Die deutschen Medien sind sich einig: Der russische Bär geht um und frisst alle Demokraten. Ach, das waren noch Zeiten. „ Ein Gespenst geht um in Europa,…“ Aber diese Gefahr besteht wohl nicht, wenn Putin kommt.  Seine Vorstellungen von Demokratie sind denen der Westeuropäer nicht unähnlich.

Deutschlands Unternehmen haben in den vergangenen Jahren fleißig in Russland investiert.  Im Jahr immerhin durchschnittlich 20 Milliarden Euro, Tendenz eher steigend.

Der Export von Russland nach Deutschland beläuft sich auf ein Volumen von zwischen ca. 30 und 50 Milliarden Euro, dazugerechnet werden muss der Umsatz (ca. 30 Mrd. €), der durch den Umschlag von Öl über den niederländischen Hafen Rotterdam geschieht, aber eigentlich deutscher Import aus Russland ist.

Der Export deutscher Waren nach Russland hat einen Umfang von ca. 13 Milliarden Euro im Jahr. Das ist nicht besonders viel, aber für einige Firmen bedeutet es das Ende, wenn dieser
Exportbereich wegbricht.

Russland hat schon vor einiger Zeit begonnen den unsicheren Kandidaten Ukraine aus dem Gasgeschäft herauszubekommen. Die Leitungen nach Westeuropa gehen über das Gebiet der Ukraine. Aber eine Umgehung über die Ostsee wurde gebaut und auch eine Umleitung über den Süden gibt es schon.

Die Ukraine hat in der Vergangenheit oft die, für sie verbilligten, Lieferung aus Russland nicht bezahlt.  Gegenwärtig sind ca. 35 Milliarden Euro offen. Russland könnte den Gashahn zudrehen. Wenn sie nicht über die Ukraine nach Westeuropa liefern müssten. Die EU – Gaskommissar Günther Öttinger ist maßgeblich beteiligt – blockiert den Durchstrom von Gas durch die Verzögerung von Entscheidungen.

Inzwischen werden von den Westeuropäern parallel die Gaslieferung nach der Ukraine in Gang gebracht. RWE will das Gas verkaufen, dass aus Katar bezogen wird und demnächst von den Fracking-Feldern aus den USA. Shell und Exon beuten Gasfelder im Schwarzen Meer aus.

Da läuft im Hintergrund, von den Medien unbeachtet,  ein saftiger Wirtschaftskrieg. Stattdessen wird die Angst geschürt. Quer durch die Gazetten. Und die deutsche Bevölkerung zittert folglich und zur Freude von RWE und Genossen, vor der Möglichkeit der Russen, den Gashahn zuzudrehen. Vor allem Knappheit und damit exorbitante Verteuerung des Gases und des Öles ist für den deutschen Bürger interessant. Und die Teuerung wird kommen. RWE wird sich die Hände reiben.

Der russische Staat ist stabil, solange das Erdgas und das Erdöl ins Ausland fließt. Deutschland deckt ca. 34% des Öl-Bedarfs und ca. 41% des Gas-Bedarfs aus russischen Quellen. Wenn das Gas andersherum fließt, steht der russische Staat mit dem Rücken zur Wand.

Putin und Obama haben die Angelegenheit mit der Krim inzwischen an ihre Außenminister übergeben. Normales Geschäft. Die beiden haben sich in die Augen geschaut. Wer Sieger ist, kann für dieses Mal nicht entschieden werden. Und die Austragung wird verschoben.

Die Welt dreht sich weiter. Die Venetianer haben sich vorige Woche in einem Online-Votum für die Unabhängigkeit (von Italien) entschieden. Der Weg zur „Republik Venedig“  ist nicht mehr weit. Mit dem Kosovo hat es begonnen. Schotten, Basken, Katalanen werden folgen. Der Nationalstaat ist in Auflösung begriffen. Der Wille zur Unabhängigkeit und Selbstbestimmung geht durch Europa. Gewinner werden vorerst die reichen Regionen sein.

Die Welt dreht sich weiter. Erdogan will einen Krieg mit Syrien. Vermutlich geht es ihm dabei mehr um seine nächste Wahl, als um die Syrier. Aber er beschleunigt mit seiner aggressiven Haltung und der Unterstützung der militärischen Gruppen in Syrien die Bildung der autonomen Kurdengebiete in der Gegend. Das türkische Großreich vom Balkan bist nach Yemen wird er nicht wieder auferstehen lassen können.

Was läuft eigentlich im Fernsehen? Ja, schlag den Raab. Das ist einfach. Die Spiele sind nachvollziehbar. Die Fragen eindeutig. Nicht einfach, nein, Spaß muss sein. Aber keine Hintersinnigkeit, kein Chaos, Eindeutigkeit, Gehirnschmalz nicht erforderlich, die Antworten kommen ja sofort. Danach sehnt sich der Mensch, das will er zum Feierabend. Nichts Kompliziertes.

Die Welt dreht sich weiter. Auch ohne den Feierabendfernsehnkieker.  Und es holpert nicht so sehr wenn nicht der auch noch versucht an der Achse zu drehen.

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Die Inflation, immer heiter, weiter hoch die Leiter

Wer redet hier noch von ESM oder Inflation. Das Leben geht weiter. Und das lenkt ab: Die Muslime kommen! Da ist der ESM schnell aus den Schlagzeilen. Und außerdem beginnt das Oktoberfest.

Aber es ist nur eine Woche her, da wurde grünes Licht gegeben. Die Inflation geht weiter. Weiter wird den kleinen Leuten, über die Entwertung des schwerverdienten Geldes, ebendieses Geld aus den Taschen geholt und in die großen Säcke umgeschaufelt. Dann kann man (Der Vorstand) mal wieder eine Motorjacht anschaffen. Siebenzehn Meter, Mahagoni, Elektromotor, 2×800 kW. Schlappe 350.000 € für das Wochenendvergnügen.

 Die obersten Verwaltungsrichter haben entschieden. Wie nicht anders zu erwarten. Es ist ihre Aufgabe zu entscheiden. Im Sinne des Grundgesetzes. Immer in dessen Sinn. Der Wortlaut wird ihnen wahrscheinlich vor jeder Entscheidung noch einmal vorgelesen. In der entsprechenden Fassung, die gerade gebraucht wird.

Die Börsen gaben schon im Voraus ein wenig Gas. Wie zu erwarten. Sie haben eine Ahnung für die notwendigen Entscheidungen. Jetzt kann  die EZB (Europäische Zentralbank) schalten und walten. Sie kontrolliert die Geldflüsse der Eurozone.

Draghi hat die Macht. Der §1 des Grundgesetzes seines Handelns:  Alle Macht geht von den Banken aus.

Unser Präsident, der des Bundes, der die Freiheit so liebt, hat schon unterschrieben. Seine eigene Freiheit wird ja damit auch nicht beeinträchtigt. Er kann sich weiter frei über seine Auffassung von Freiheit verbreiten, er wird seine Pension erhalten, die ihn frei macht von Alltagssorgen.

Die EU-Kommission bereitet sich darauf vor, jetzt auch die Aufsicht über alle europäischen Banken zu übernehmen. Das wäre eine Bankenunion.

Das ist das, was die großen Diktatoren immer wollten: Die Aufsicht und Macht über alles. Und Geld ist ja Alles.

Wir haben aber eine Demokratie und alle Macht geht von der Demokratie aus, oder wie war das? Die Demokratie jedenfalls liegt in den Händen von Draghi und Barroso. Und natürlich in den Händen ihrer Sponsoren.

Bei Draghi ist es eindeutig. Er kommt aus dem Goldman-Sachs Stall. Da war er mal Vizepräsident. Jetzt ist er für die Aufsicht über die Europäer abgestellt worden.

Angeblich ist er Mitglied der „Group of Thirty“, einer privaten Lobbyistenorganisation der Großbanken. Aus diesem Grunde wird ihm auch ein Interessenkonflikt vorgeworfen. Man meint, er könnte nicht zugleich für die Großbanken da sein und dann auch noch als EZB-Oberster die Interessen der Menschen in Europa vertreten.

Aber wer sagt denn, dass die EZB für die Menschen in Europa da ist? Und wenn sie nicht für die Menschen da ist, dann ist da auch kein Interessenkonflikt.

Bei Borroso liegt das nicht so auf der Hand. Eine ganz normale Politikerkarriere. Als Student noch in der linken Bewegung an der „Nelken-Revolution“ in Portugal beteiligt, muss er irgendwann die Unsinnigkeit und Unergiebigkeit einer linken Karriere bemerkt haben. Die Ausbildung an den besten Universitäten in der Schweiz und in den USA haben ihm sicher bei der Erkenntnisgewinnung geholfen. Danach gehörte er jedenfalls zu den Pragmatikern unter den Politikern, und er diente sich schnell nach oben. Schon 2004 konnte er als erfolgreicher Ministerpräsident Portugals zurücktreten. Er hatte mit seinen umfangreichen Privatisierungen von Eigentum des portugiesischen Volkes das Vertrauen der Banken gewonnen und durfte Präsident der Europäischen Kommission werden.

Diese beiden Menschen sitzen an den Hebeln der europäischen Zukunft. Und wenn sie genug gehebelt haben, dann erwartet sie ein sorgenfreies Aufsichtsratsleben und ein verdienter Ruhestand. Mit genügend Freiheit. Trotz der Inflation wird ihnen genügend Freiheit zugestanden werden. Diese Rente ist sicher und hoch genug.

Wir anderen, die wir die Inflation von hier unten und im Supermarkt erleben, werden eine private Zusatzversicherung abschließen müssen. Die bringt uns zwar im Alter nichts, weil sie bis dahin von der Inflation aufgefressen wird, aber sie beruhigt eine Weile. Vor allem die Banken in ihrer Schuldenkriese.

 Die Meldung diese Woche: Einnahmerekord in Deutschland! Wer? Bund, Länder und Gemeinden! Nie haben die Deutschen mehr Steuern bezahlt! Nur, gleichzeitig werden öffentliche Bäder geschlossen, sind Theater unterfinanziert und um jedes Zehntel Rentenerhöhung wird gefeilscht. Wo bleiben die Milliarden?

 

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Hannemann, geh du voran!

Wir haben eine Euro-, Finanz-, Banken-Krise. Da sind sich inzwischen alle einig. Die „Wirtschaftsweisen“ und auch viele andere, nicht so weise, aber anerkannte Experten sind sich ebenfalls einig, dass die Ursache nicht klar ist und es  für die Lösung gibt es kein allgemein anerkanntes Rezept. Zusammengefasst: Die Experten sind sich nicht einig, aber darüber haben sie einen Konsens.

Es ist also nicht verwunderlich: Die einen wollen mit aller Macht sparen und so den Wagen aus dem Morast ziehen. Die anderen wollen nicht sparen, sondern ausgeben, zunächst Kredite, und damit die Konjunktur ankurbeln. Merkel steuert in die eine Richtung, Hollande in die andere.

 Keiner wird gewinnen. Es gibt nichts zu gewinnen. Der Morast ist tief. Und so einfach ist es nicht.

Recht haben sie, es gibt kein Rezept, die Karre wieder aus dem Dreck zu kriegen. Trotz hundertfünfzigjähriger Geschichte des Wirtschaftssystems hat bisher keiner ein Rezept vorstellen können, dass die Krisen dieses Systems verhindert.

Kleiner Seitenblick nach Island: Die haben es geschafft. Die haben einen Volksentscheid („das Volk, der große Lümmel“) gemacht und denen kann die Krise nichts mehr anhaben. Die Banken wurden enteignet, die Schulden gestrichen und alle sind glücklich und zufrieden, bis auf die Banker und deren Marionetten in der abgewählten Regierung.

 Eine solche Lösung ist natürlich außerhalb des Vorstellungsvermögens der übrigen Europäer und Nordamerikaner, deren Regierungen und der Banker. Und außerhalb der Wunschvorstellungen dieser Leute. Welcher Großaktionär, Banker oder Kanzlerkandidat, der eben noch seinen Urlaub auf der Jacht in der Karibik plante, will schon, dass ihm bei seiner Rückkehr aus dem verdienten Urlaub ein Anzeige mit nachfolgend garantierter  Verurteilung wegen diverser Vergehen, einschließlich der Veruntreuung von Volksvermögen, ins Haus flattert?

Einsitzen in einer Strafanstalt, Verlust des Vermögens, der Macht, kann es Schlimmeres geben? Da können selbst die gesetzlich vorgeschrieben Wiedereingliederungshilfen nach dem Knastbesuch nicht wirklich trösten. Oder vielleicht die in Aussicht gestellte Starthilfe vom Arbeitsamt.

 

Ich meine, das sind ein bis zwei ausreichende Argumente für diese Leute sich mit aller zur Verfügung stehenden Macht eine andere Lösung zu erarbeiten.

 

Die faktische Enteignung und Entmachtung der Banken und der damit verbundenen, Enteignung der Großaktionäre ist für Island und deren Bevölkerung erst einmal eine gute Lösung.  (Zum Beispiel übernimmt der isländische Staat einen Teil der Kreditraten für die vor der Wende aufgenommenen, aber jetzt durch die Abwertung der Krone teurer gewordenen Kredite für Häuslebauer)

Ob das dann auch auf die Dauer helfen wird, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Der Morast ist tief. Zwar werden die ersten und schlimmsten Auswirkungen für die isländische Bevölkerung (besonders meine ich hier die kleinen arbeitenden Leute) gemildert, aber der Lauf der Geschichte geht ja weiter.

„Den Kapitalismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“, könnte man in Abwandlung eines Satzes von Erich Honecker sagen.

Das merkwürdige ist, dass diese Finanz-, Banken-, Eurokrise als etwas ganz normales empfunden wird. Ein Schicksal, dass uns alle Jahre mal wieder ereilt. Mal ist es eine Finanzkrise, dann die DotCom-Krise, die Immobilienkrise, und so weiter. Die Abfolge lässt sich bis zu den Anfängen diese Wirtschaftssystems zurückverfolgen. Kein Wunder wenn man sich dann daran gewöhnt.

Es werden die faulen Griechen oder die gierigen Bänker, ein einzelner Betrüger oder die unbeherrschbare Elektronik als Erklärung für das jedesmal unglaubliche Desaster genannt. Ansonsten ist alles wie von Gott gegeben. Man glaubt an die ewige Dreieinigkeit von Kapital, Markt und Freiheit.

Dabei sind der Kapitalismus und sein Markt kaum 150 Jahre alt. In dieser Zeit hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht, was für den Kapitalismus spricht, aber die Anzahl der durch Kriege getöteten und der Verhungernden oder durch nicht behandelte Krankheit gestorbenen hat sich mehr als verdreifacht. Was gegen den Kapitalismus spricht. Gegen ihn spricht auch das sich vergrößernde Elend auf der Südhalbkugel, die systematische Vernichtung der natürlichen Ressourcen, das sich vergrößernde Elend und die sich verkleinernde Demokratie in unseren schönen Landen, und, und, und…

Aber, alle tun so als wenn das ein von Gott gegebener Zustand wäre. Die Gläubigkeit an den Markt geht bis in die Kreise, die nun wirklich die Verlierer sind. – Diejenigen, die ihren Arbeitsplatz, ihre Ernährungsgrundlage verlieren oder demnächst verlieren werden, diejenigen, deren Rente immer weniger wert ist, jedenfalls alle diejenigen, die nie über einen Urlaub auf einer Jacht in der Karibik nachdenken brauchen.  Träumen ja, aber nachdenken, nein.

Alles wird so bleiben. Die richtig große Krise rauscht mit Volldampf auf uns zu. Ich bin gespannt welcher Dreh diesesmal gefunden wird, die Krise hinauszuzögern, den Leuten schmackhaft zu machen, und wie hinterher den Leuten plausibel gemacht wird, dass wieder welche auf der Strecke geblieben sind, die Verlierer, diejenigen, die nicht einmal darüber nachdenken brauchen wieder ordentlich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Das aber alles besser ist und dass es wieder aufwärts geht.

 

Es ist auch von Gott gegeben, das es nach der Krise wieder aufwärts geht. Das ist der Lauf der Dinge. Danach geht es uns wieder besser. Halten wir still und warten wir ab. Wenn jemand ein Rezept hat, wie es danach wieder aufwärts gehen kann, auch für den kleinen Mann,  dann kann er ja mal einen Brief an die Regierung schreiben.

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