Der Markt

Die Kanzlerin spricht von „marktkonformer Demokratie“, also:  alle Macht geht vom Markt aus. Wenn das nicht verfassungsfeindlich ist, dann weis ich auch nicht…

Wer die Frau Merkle bei solcher Äußerung dann noch wählt, dem ist nicht zu helfen. Die Frau sollte man unter Beobachtung stellen, schließlich haben wir besonders geschulte Schützer dafür.

Nicht mehr der „freie Bürger in einem freien Land“ entscheidet, sondern der freie Markt in unserem und den anderen freien Ländern. Eine wirklich erstrebenswerte Sache. Aber, wir sind längst soweit. Das was die Frau da ausspricht ist längst Wirklichkeit. Sie will lediglich den Weg konsequent fortsetzen und vielleicht auch noch ein bisschen mehr Freiheit … für die Märkte.

Wer das für erstrebenswert hält, der soll sie wählen. Für mehr als dreiviertel der deutschen und der Welt, für die rund 500 Familien, die mehr als die Hälfte aller materiellen Werte dieser Welt ihr eigen nennen, ist der „marktkonforme Demokratie“ erstrebenswert, für den Rest eher nicht. Weil der Rest auf dem freien Markt ist und sich am freien (z.B. Arbeits-) Markt behaupten muss.

Die rund 4 Millionen Billiglöhner in Deutschland und die (offiziell) rund drei Millionen, die von der Stütze abhängig sind, taugt die „marktkonforme Demokratie“ jedenfalls nicht.

Und auch der Rest der Beschäftigten bangt, mehr oder weniger intensiv, um seinen Arbeitsplatz. Wenn dann marktkonform in unserer Demokratie neue Subventionen für die Energiewirtschaft und deren Aktionäre beschlossen wird, dann ist das eben Pech für die, die sich nicht am „Markt“ behaupten können.

Demokratie, das war vor langer Zeit mal eine Erfindung der Griechen, die Last der Entscheidungen auf die Schultern vieler zu verteilen. Aber es geschah ihnen, wie es allen Demokratien geschieht: Die Leute hatten keine richtige Lust dazu. Irgendwann fand sich jemand, der es übernahm, den vielen die lästige Aufgabe der Zukunftsentscheide abzunehmen und setzte sich als Tribun, König oder Kaiser ein.  Oder eben, wenn Tribun oder König nicht mehr zeitgemäß ist, dann wird es über Gesetz und Verfassung geregelt, daß nicht mehr alle an den Entscheidungen teilnehmen müssen, sondern nur noch alle paar Jehre zur Wahl gehen müssen, des Scheines wegen.

Demokratie ist auch nicht zu verwechseln mit der „Herrschaft des Pöbels“, wo wirklich jeder, den es angehen könnte,  an den Entscheidungen teilnehmen darf und soll. Das ist ja auch viel zu aufwendig, alle 80 Millionen Mitbürger vor dem Reichstag zu versammeln. Aber virtuell könnte man es versuchen. So mit Internet und so, mit dieser neuen Technologie, wie unsere Kanzlerin sagt.

Und was soll da rauskommen, wenn alle durcheinanderreden. Hat man ja bei den Piraten gesehen, was da rauskommt wenn jeder so daherquatscht, wie es ihm in den Sinn kommt. Da soll jeder in seinem Dorf bleiben und die Entscheidungen denen überlassen, die was davon verstehen und sogar einen Doktortitel haben. Wenn auch nur oder eben am freien Markt erworben.

 Der „Markt“, das wird uns erzählt, ist für alle gut. Wer am „Markt“ nicht besteht, der ist eben nicht gut genug. Der ist selber schuld, der gehört ausgesondert. Bereinigt. Im Zeitalter der Brustimplantate und Beinverlängerungen, der Sehhilfen  und Genius-Pillen kann sich doch jeder so hinfriemeln, dass er am „Markt“ bestehen kann. Wenn er das nötige Kleingeld hat. Das er am „Markt“ beschaffen muss, wenn er nicht stehlen will. Wobei Raub in dieser marktkonformen Demokratie ebenfalls eine legitime Methode ist. Oder Erpressung. Oder ist das keine Erpressung, wenn die Banken ein vielfaches an Zinsen fordern und Dir nur sagen brauchen, dass die Entscheidung bei Dir liegt: den Kredit  gibt es zu den Bedingungen der Bank oder gar nicht.

„Alle Macht den Märkten“ Wollen wir das wirklich? Wollen wir der Christlichen Marktkonformen Union, der Sozial – marktkonform Demokratischen Partei oder den freien marktkonformen Demokraten das Spielfeld weiterhin überlassen?  Jeder mag sich das für sich überlegen.

„Kommen Sie näher, kommen Sie rann, hier werden sie genau so beschissen wie nebenan!“  brüllt der Markschreier  und er hat Recht. Sein Fisch kommt aus dem gleichen Tümpel.

Wie dem Abhelfen, wie ?

Autonomie. Jeder für sich, jeder in seiner Familie, jeder in seinem Dorf, seinem Stadtbezirk, in seiner Stadt, seiner Region, seinem Land.

Mit dem menschlichen Grundsatz: Jeder entscheidet für sich. Alles was den anderen nicht schadet, das darf ich machen. Wenn andere davon berührt werden, dann wird zusammen entschieden. Aber nur mit denen, die es angeht. Mehrheitsentscheid. Das ist nicht immer gerecht, aber es gut für viele. Wer sich nicht fügen will, soll sich eine andere Kommune suchen.

Es mag viele Argumente dagegen geben, aber sie würden die Entscheidungen nicht mehr denen überlassen, die uns alle „marktkonform“ machen wollen oder schon gemacht haben.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.