Frühling, Wachstum und Kälte

Frühlingsanfang, Schnee, immer weder Schnee. Und alles nur wegen der Erderwärmung. Wir sind schuld. Immer haben wir die Schuld.

Zypern hat gewählt. Sie haben Kontakt mit Moskau aufgenommen. Moskau hat aus irgendeinem Grund zurückgerudert. Dem Dreiblatt der EU  hat des Zyprische Parlament jedenfalls für eine Weile die kalte Schulter gezeigt. Was, wenn  jetzt Moskau oder Peking Geld in den kleine Inselstaat pumpen? Der Euro wird dann dort begraben. Oder Zypern meldet Staatsbankrott an. Oder sie weigern sich, wie Island, standhaft, die Schulden der zyprischen Banken zu bezahlen. Was haben die Bankschulden überhaupt mit der Staatsschuld zu tun? Und warum sollen die kleinen Leute enteignet werden?

 Alle Szenarien sind möglich. Plötzlich ist alles möglich. Das Parlament dieses kleinen zerrissenen Staates hat sich gewehrt. Und wenn es nur das ist. Sie haben sich gegen die Troika gewehrt, gegen das Diktat der Banken, gegen die Bevormundung durch die Europäische Hilfsunion. Mehr  als das ist ja nicht sicher.

 Vor kurzem las ich eine Studie der Bosch-Stiftung zur Zukunft der Arbeit in Deutschland. Es wird dort ein düsteres Bild gemalt. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft ist in Gefahr weil in Zukunft in Deutschland immer weniger Menschen für die Arbeit zur Verfügung stehen werden. Das Bild von der alternden Gesellschaft und das Bild von der sinkenden Reproduktionsrate der Deutschen werde hervorgeholt und rumgezeigt.

Und zynisch wird ein noch düsteres Bild für die Zukunft der Menschen in Deutschland gemalt, denn  als Ausweg aus dem Dilemma werden drei Lösungsmöglichkeiten angeboten, die miteinander kombiniert, den gewünschten Erfolg bringen sollen.

Als erstes wäre die Lebensarbeitszeit der Menschen anzuheben. Über die Wochenarbeitszeit, die Beschäftigungszeit in Jahren, z. B. durch die Verkürzung der Lern- und Studienzeiten,  bis hin zur Anhebung des Rentenalters, sollen alle Möglichkeiten genutzt werden.

Der nächste Punkt wäre die größere Beteiligung der bis heute weniger an der Erwerbsarbeit Beteiligten. So sollten Frauen stärker in die Arbeit gezogen werden, Rentner über die Niedrighaltung der Bezüge  in die Arbeit gezwungen werden und auch alle anderen Reserven  des Arbeitsmarktes sind aufgezählt.

Als letzter Punkt ist die Steigerung der Produktivität genannt. Wobei eben zur Steigerung der Produktivität nicht nur die Innovation im Produkt und in dessen Herstellung gehört, sondern auch die Senkung der Lohnstückkosten. Mit Lohnsteigerungen ist also nicht zu rechnen.

Zusammengefasst: Das mit der Agenda 2010 eingeführte Szenario, das zur Vertiefung der sozialen Kluft zwischen Arm und Reich geführt hat, soll nach Auffassung der Bosch-Stiftung um einige Aspekte erweitert  werden, der Gang soll schärfer werden.

Freut euch also! Es wird eine neue Agenda geben. Weil wir ohne Wachstum nicht können, jedenfalls nicht weiter kommen. Und die deutsche Wirtschaft leidet.

Sehen wir uns aber an, was die letzte Agenda dem sogenannten Arbeitnehmer, dem Rentner (nicht zu verwechseln mit dem  Rentier), der Hausfrau, dem Studenten, also kurz- dem sogenannten Normalbürger, genutzt hat, so müssen wir feststellen, dass sich dessen Wohlstand, der ja mit dem Einkommen verbunden ist, in den letzten zehn Jahren eher (um ca. 5 Prozent)  verschlechtert hat. Das Wachstum hat ihm nichts genutzt.

Die Einkommen der Oberen, der Vorstandsmitglieder, der Großaktionäre, usw. hat sich allerdings stark nach oben verbessert. Diese haben vom Wachstum profitiert. Aber das wissen wir ja.

Aber, daraus ergibt sich, das wissen wir auch:  Für den „Normalbürger“ ist Wachstum eher kontraproduktiv.

 Sogleich wird der TV-gebildete Bürger und alle Talk-Show Gäste kontern: Aber ohne wachsende Wirtschaft werden Arbeitsplätze verloren gehen!

Ja, aber mit Wachstum werden auch Arbeitsplätze verloren gehen und Lohn wird verloren gehen, weil immer mehr Menschen in Billig-Jobs, in Praktika, in Leiharbeit gehen werden.

Ja, mit diesem Wachstumsansatz werden wir mehr arbeiten für weniger Geld. Wenn Wachstum sich für uns „Normalbürger“ lohnen soll, dann wäre es umgekehrt richtig: Weniger arbeiten für mehr Geld.

 Aber die Sprache war ja auch vom Wachstum der deutschen Wirtschaft, nicht vom Wachstum des Wohlstandes und auch nicht vom Wachstum oder der Steigerung  des Wohlbefindens der deutschen Bürger. Man sollte das auch fein auseinanderhalten.


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