Die Erleuchtung

Die Glühlampe, die gute alte, ist tot. Mit der Einstellung der Produktion der 60-Watt-Glühlampen, der durch Gesetz entschiedenen Einstellung, wird irgendwann demnächst auch das letzte Lichtlein ausgehen.

Im Gegensatz zum offenen Feuer oder der Sonne ist, nein war die Glühlampe ein künstliches Licht. So wie die Öllampe. Die ist kaum noch jemandem in unseren Breiten bekannt und ich kenne niemanden hierzulande, der, vielleicht ausgenommen der Ölfackel beim gemütlichen Grillabend, noch Licht direkt mit Öl erzeugt.

Das mit der Ollampe ist durchaus positiv zu bewerten. Öl ist knapp. Öl macht Ruß. Wahrscheinlich, nein, selbstverständlich, erzeugt die offene Ölflamme auch CO2. Aber es macht ein schönes, anheimelndes Licht.

Wie die Kerze. Ob als normale Haushaltskerze, als Duftkerze von Flieder bis Hundekot oder als Zierkerze vom Gartenzwerg bis zum Leopard 2 oder Eifelturm, sie macht Licht, wenn sie angezündet wird. Übrigens wird sie oft auch aus dem Rohstoff Öl hergestellt und macht Ruß und beim Verbrennen der Kohlenwasserstoffe (Wachs und/oder Stearin) entsteht CO2.

Die Verwendung von Kerzen ist in manchem Haushalt zum Hobby geworden. Wahrscheinlich werden in den Wohnungen mehr Kerzen betrieben als Glühlampen. Hoffentlich werden sie trotz ihrer schädlichen Umweltbilanz nicht verboten.

Der Steinzeitmensch wärmte sich am offenen Feuer und beleuchtete auch die Höhle in dunklen Winternächten ein wenig. Bis in die Neuzeit hinein war der Mensch in vollkommen zufrieden mit der Lichtausbeute. Was notwendig war an Arbeit, wurde, wenn immer möglich, in die helle Zeit des Tages verlegt. Im Winter wurde weniger gearbeitet, mehr Geschichten erzählt. Für die lesende Bevölkerung erfand der Mensch bald andere Beleuchtungsarten. Das Öllicht, das Talglicht, der Kienspan, später die Gasbeleuchtung. An manchen alten Gemäuern ist noch das alte Zuleitungsrohr für das Gas der Gaslaterne erhalten.  Wer darauf achtet, findet solche Stellen.

Erst die Erfindung der Elektrizität und dann die Erfindung der elektrischen Glühlampe brachte eine wirkliche Wende in die Erleuchtung der Menschheit. Was mit dem Gaslicht noch zögerlich begann nahm mit der Verbreitung von Elektrizität und elektrischem Licht rasant an Tempo zu: Jedermann konnte jetzt an jedem Ort zu jeder Tages- und Nachtzeit arbeiten (Und natürlich auch lesen, aber wer arbeitet braucht nicht lesen.). Der Bau des Spaceshuttel wäre ohne elektrische (60-Watt) Glühbirne nicht möglich gewesen! Es hätte Jahrzehnte gedauerte, wie bei der Chinesischen Mauer! Wobei, wahrscheinlich sind in den Ingenieurbüros eher Leuchtstoffröhren (Edelgas, z.B. Neon) verwendet worden.

Die elektrische Glühbirne, so wurde von findigen Forschern erkannt, hat einen enormen Nachteil: Sie wandelt nur ca. 5 Prozent der eingespeisten Energie in Licht um. Mit den restlichen 95 Prozent werden die Räume beheizt. Im Winter von Vorteil, im Sommer kaum zu spüren, gibt doch auch jeder Mensch, der sich im Raum aufhält zirka 75 Watt Wärmeleistung an den umgebenden Raum ab. Im Sommer mehr, weil er schwitzt und weniger anzieht. Wenn der Mensch mehr anziehen würde, vielleicht auch noch luftdicht verschließen, dann könnte er seine Energiebilanz wesentlich verbessern. Aber das bitte nicht weitersagen, sonst kommt im nächsten Umweltgesetz auch noch eine dementsprechende Verordnung, und das will doch wohl wirklich keiner, oder?

Wegen der 95 Prozent verschwendeter Wärmeenergie ist die elektrische Glühbirne nun geächtet. Sie war der lebenden Generation und den beiden Generationen vor uns ein treuer Begleiter. Jetzt passt sie nicht mehr ins Umweltkonzept. Die Regierungen haben beschlossen den Klimagemachten Weltuntergang zu verhindern. Bei der Glühlampe haben sie angefangen.

Dafür bekommen wir etwas Schönes: Die Energiesparlampe. Deren Energiebilanz soll besser sein. Zweifel sind angebracht. Die Lampe ist eigentlich eine Leuchtstoffröhre, wie wir sie schon seit Jahrzehnten kennen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Sie ist etwas kompakter, als die bisher verwendeten Röhren, damit es nicht so auffällt, wenn sie unter den normalen Lampenschirmen angebracht wird. Die Füllung ist auch etwas anders – es wird Quecksilber statt Edelgas verwendet. Herstellung ist aufwendiger.  Die anderen Nachteile der Leuchtstoffröhren hat sie behalten. Sie braucht ein Vorschaltgerät, dass den normalen Haushalsstrom in Gleichstrom umwandelt und die Gasladung zündet.  Und die Lichtleistung lässt während der Lebenszeit (10.000 Stunden oder 2 Minuten) nach, während die aufgenommene Leistung (Strom) gleich bleibt. Der Starterstrom ist besonders hoch, so dass die Energiebilanz einer Energiesparlampe, die oft ein und ausgeschalten wird, nicht sehr gut ist. Also, lieber das Licht brennen lassen. So ungefähr vier Stunden, dann relativiert sich das wieder. Wer früher schlafen gehen will, sollte auf einen Energiesparlampe verzichten und sich lieber eine Kerze ans Bett stellen.

Inzwischen gibt es die Energiesparlampen in vielen verschiedenen Farben. Während die gute alte Glühlampe grün angepinselt werden musste, kann man jetzt den Raum in aubergine und schweinchenrosa beleuchten. Das unangenehme Gefühl allerdings, in seinem von Neonleuchten erhellten Büro zu sitzen, bleibt. Es ist eben kaltes Licht. Das war ja der Sinn.

Die Lampe enthält giftiges Quecksilber. Das ist, solange es in der Lampe ist, ungefährlich. Wenn allerdings der Besenstil an die Lampe knallt oder diese aus anderen Gründen zerbirst, dann ist die Wohnung nach geltenden Gesetzen sofort zu räumen und muss eine Sonderbehandlung bekommen. Vorsicht also mit der Gewalt. Es kann passieren, das die Schule, der Kindergarten, ihre Produktionsstätte für einige Tage geschlossen werden muss, weil jemand nicht sorgsam genug mit der Beleuchtung umging.

Auch wenn sie nicht zerbricht ist die Lampe nicht in den Hausmüll zu entsorgen. Sie muss auf eine Sondermüllentsorgungsanlage. Also nicht, wie das defekte Handy einfach in die Wertstofftonne, sondern beim nächsten Amt erkundigen, wer gefährlichen Sondermüll abnimmt!

Aber die Lampe hat auch Vorteile. Sie erleichtert das Gewissen all derjenigen Umweltschützer, die immer noch an den Weihnachtsmann glauben. Sie erleuchtet uns trotzdem. Sie gibt den Politikern gute Argumente. Sie beseitigt schädlichen Wettbewerb unter den Herstellern. Sie bringt den Herstellern wesentlich mehr ein, als die unkaputtbare, billige, preiswerte gute alte Glühbirne. Sie bringt neue Farbe in den Raum. Sie bringt neue Lampenschirme in den Raum und damit neuen Antrieb für die Hersteller von solchen. Auf in Umweltzone.


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