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„Das schweigende Klassenzimmer“, Überlegungen

An einem dieser Dienstage wurde dieser Film zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr auf dem ZDF ausgestrahlt. Er gehört zu einer Reihe Filme, die zum 30. Jahrestag des „Mauerfalls“, wie das Ereignis der Annexion von westlicher Feder benannt wird, ausgestrahlt wurde.

Im Vorspann wird darauf hingewiesen, dass der Film einen wahren Hintergrund habe. Es wird allerdings nicht gesagt welche Wahrheit dahintersteckt. Grundlage für den Film war ein Buch, welches einer der dargestellten Schüler, im richtigen Leben heißt er Diedrich Garstka, als Lebenserinnerung geschrieben hat. Das Sachbuch wurde 2008 veröffentlicht, 52 Jahre nach den dargestellten Ereignissen. Das Buch untermalt die persönlichen Erlebnisse des jugendlichen Dietrich mit Zeitdokumenten. Die Zeitdokumente bestätigen wie die Schüler der Abiturklasse mit den Vertretern der Staatsmacht, im Speziellen mit einigen Lehrern, der Kreisschulrätin und dem Minister für Volksbildung, in Konflikt geraten. Einige der Schüler verlassen über die offene Grenze zu Westberlin die DDR.

Ausgangspunkt für die Ereignisse ist die hetzerisch gefärbte Information des RIAS über die Konterrevolution in Ungarn im Oktober 1956. Die Schüler haben sich von Schülern, die Zugang zum RIAS und zur „BILD“-Zeitung hatten und in kleinbürgerlichen Verhältnissen groß geworden und erzogen worden sind, durch die schreiende anti-kommunistische, anti-sozialistische Propaganda beeinflussen lassen.

So etwas kommt vor. Das passiert uns heute noch. Selbst uns Erwachsenen. Die großen Bilder im „Bild“ und die schreienden Überschriften, die ständig implizit vorhandene Propaganda gegen alles was nicht Westen und USA und kapitalistischer Konsum ist, nagt an unserem Denken. Alternative Information gibt es kaum und der Konsum ist mit anstrengendem Denken verbunden. Und das Nachdenken führt zu Frustration über die Ohnmächtigkeit gegenüber den herrschenden Verhältnissen.

Die Schüler der realen Abiturklasse von damals, als auch der Abiturienten im Buch und im Film, lassen sich überzeugen. Besonders hilfreich ist dabei die Falschmeldung über den Märtyrer-Tod des damals beliebten und international bekannten ungarischen Fußballspielers Ferenc Puskás. Für die Schüler ein Idol. Allerdings starb der Fußballer erst im Jahre 2006.

RIAS, „Radio im amerikanischen Sektor“, ist als Radiosender installiert, um als Instrument des „kalten Krieges“ gegen den Aufbau des antifaschistischen, antikapitalistischen, sozialistischen Staates im Osten zu hetzen. Er hat seine Rolle im Jahre 1953 beim Aufhetzen der Arbeiter gegen ihren Staat DDR gespielt und spielte diese Rolle weiter. In Ungarn hatte diese Rolle der „Sender Freies Europa“, der von München aus sendete und zu großen Teilen von der CIA (wie RIAS auch) finanziert wurde.

Zurück zum Film. Es ist die Darstellung der pubertierenden Jugend, die „gegen den Stachel löckt“. Sie suchen die Orientierung, sie fühlen sich betrogen, sie werden beeinflusst und das süße, bunte Leben lockt, dass sie nicht haben können und das aber wie ein Schlaraffenland in der Ferne zu sehen ist. Trotzdem, es wäre ein aufregendes Abenteuer pubertierender Jugendlicher geworden und geblieben, wenn ihnen nicht einige engstirnige, verbohrte Menschen entgegengetreten wären. Mit aller Macht, die sie innehatten.

Da sind die Eltern, die zum Teil ihre eigenen Probleme mit der Staatsmacht hatten, die zum Teil noch Traumata aus dem Krieg und aus dem „tausendjährigem Reich“ mit sich herumtrugen, da ist im Film die Karriere-geile Schulrätin, der verbitterte Minister, der engstirnig, unnachgiebig gegen (scheinbare) Gegner des sozialistischen Aufbaus und mit sehr geringem Verständnis für die Psyche von Jugendlichen vorgeht. Auch das Vertrauen der oberen Chargen in die Lehrerschaft, auch der Neulehrer, lässt zu wünschen übrig.  

Es hätte anders kommen können. Die Lehrer, pädagogisch ausgebildete Kräfte, heute würde man Kinder- oder Schulpsychologen hinzuziehen, hätten die Jugendlichen vielleicht behutsam anhören, verstehen und etwas lenken können. Jugendliche sind so. Sie sind „anti“, sie folgen Idolen. Das hat nichts mit Politik zu tun. Von dieser Schiene hätte man die Jugendlichen wieder herunter holen können. Aber engstirnige Minister haben das nicht vermocht. Und die Schulrätin hat es nicht gewollt und die Lehrer wurden entmündigt.

Und vielleicht haben in der damals realen Welt auch andere Kräfte, kleingeistige oder gegnerisch gelenkte Kleinbürger, dafür gesorgt das nicht pubertäre, sondern politische Aspekte die Triebkraft der Geschichte blieben.

Der Film jedenfalls zieht all die menschlichen Probleme und Schwächen in die politische
Schiene. Dafür ist er gemacht. Er ist gemacht, um die menschlichen Schwächen, auch die gesellschaftlichen Schwächen, die der junge Staat DDR hatte, vor die politische Karre des Anti-Kommunismus, des Anti-Sozialismus zu spannen.

Gegenüber den im Film dargestellten Vertretern der DDR-Staatsmacht erscheint mir Hitler in seiner Darstellung in der Bergfestung (auf dem gleichen Sender) als liebenswerter alter Mann. Und das ist es, was mich wütend macht.

Es gibt immer mehrere Wahrheiten.

Einer der Darsteller im Film sagt es: Kein Regime lässt zu, dass es in Frage gestellt wird.

Im Westen Deutschlands wird im August 1956 die KPD verboten. Schon 1951 beschließt der Bundestag ein Strafrechtsänderungsgesetz. „Jawohl, wir schaffen in gewisser Beziehung ein Gesinnungsstrafrecht“, erläutert Ludwig Schneider, Abgeordneter der FDP-Regierungsfraktion. „Aber wir bestrafen nicht die Gesinnung, sondern die Tat, die aus der Gesinnung wächst.“ Nahezu jede oppositionelle Aktivität und Meinungsäußerung steht ab da unter Hochverratsverdacht.

Das Buch von Diedrich Garstka ist die mit Dokumenten unterlegte Schilderung von persönlichen Erlebnissen. Die Erlebnisse sind mit sehr individueller Sicht dargestellt. Der Autor hat nach dem Verlassen der DDR im jugendlichen Alter seine soziale und politische Orientierung in der BRD erhalten. Er ist praktisch 50 Jahre lang der Indoktrination der BRD-Medien ausgesetzt gewesen. Es ist ihm nicht zu verdenken, wenn er genau diese Doktrin in sein Denken gelassen hat, falls sie nicht schon durch sein Elternhaus vorhanden war. Jedenfalls war er sicher nicht bemüht, die andere Seite Deutschlands zu verstehen.

Er schildert die Engstirnigkeit und Verbohrtheit einiger „sozialistischer Kader“ auch in seinem Buch, ja, das ganze Werk ist eigentlich, so mein Eindruck, geschrieben, um genau das darzustellen.

Nun ist es jetzt und schon seit einigen Jahren sehr modern, die „Unfreiheit“ darzustellen, der die DDR-Bürger unterworfen waren.  Und es ist gutes Geld damit zu verdienen. Je schlechter der sozialistische Staat dabei wegkommt, umso besser.

Die DDR und ihre Menschen waren nicht vollkommen. Der Untergang der DDR-Gesellschaft ist zu einem (geringerem) Teil den menschlichen Schwächen und auch dem noch unvollkommenem Gesellschaftsmodell des sozialen gerechten Staates geschuldet. Aber auch gut bezahlte Filme dieser Art haben ihren Anteil an der vorzeitigen Beendigung des gesellschaftlichen Experimentes „Sozialismus“.

Klaus Kleiner

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Noch mal 30 Jahre?

Wann werden sie soweit sein, zu erkennen, dass die Kriterien der westlichen Werte nicht für alle und jeden und auch für viele Ostdeutsche vor der Angliederung/Annexion/Wende nicht galten und bis heute nicht gelten?

Keine Frage, nach den Kriterien des westlichen Vorbilds ist der Lebensstandard für eine Mehrheit der Menschen in Ostdeutschland gestiegen. Mehr Auto, mehr wie 25 Sorten Nudeln und jeden Tag Bananen.

Das Paradies der kapitalistischen Warenwelt hat uns Ostdeutsche erreicht, aber wie im Paradies eben auch, die Äpfel sind madig. Oder viel zu glänzend. Und mit mehr Chemie belastet, als gut für ost- wie westdeutsche Gesundheit ist. Es sind nur selten Luxusgüter, die wir uns leisten, auch haltbares Gut ist selten. Mal ehrlich, wer will denn eigentlich sein Leben lang in einem Bockspringbett schlafen?

Das Paradies der grenzenlosen Reise- und Redefreiheit hat uns Ostdeutsche ereilt. Wie waren wir glücklich. Aber der Geldbeutel gibt nur die Reisefreiheit in das Pauschalhotel her. Aber die Gedanken sind frei. Wir können uns den Individualurlaub oder die Entdeckungsreise ja herträumen.  Und die Traum- und Redefreiheit ist allumfassend. Was immer du sagst oder nicht, es interessiert keinen. Wenn es soweit kommt, dass es jemanden interessiert, dann wirst du suspendiert.  Aber frei reden kann jeder, wo er will.

Wir Ostdeutsche befinden uns im Paradies der individuellen Bedürfnisbefriedigung. So haben wir uns das vorgestellt und herbeigesehnt, jedes Mal, wenn wir die Werbung sahen im Westfernsehen. Jedenfalls war es aus der Ferne das Paradies und nur solange, wie wir die falschen Vorstellungen von unseren dringendsten Bedürfnissen hatten. Das schöne Auto benutzen wir nicht hauptsächlich zum rum-cruisen, sondern zum Pendeln zur Arbeit oder zum Arzt, oder wenn die Kinder in den Sport oder in die Therapie gebracht werden müssen.

Das Paradies der bunten Medienvielfalt und der unerschöpflichen Zerstreuungs- und Unterhaltungsindustrie geht uns dermaßen auf den …, auf die Nerven! Alles so blutig und/oder so flach. So eintönig gleich und falsch, die Morde, die Models, die Reality-Shows.

Keine Frage, nach den Kriterien des westlichen Vorbilds ist der Lebensstandard für eine Mehrheit der Menschen in Ostdeutschland gestiegen.

In den westlichen Kriterien kommen auch ein würdevolles Altern, eine garantierte Krankenversorgung, eine umfassende und gleiche Bildung, niveauvolle Unterhaltung und alle diese Dinge nicht vor. Nicht nur nach ostdeutschen Kriterien ist in selten erahntem Ausmaß die soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Spaltungen gestiegen.

Nach Kriterien, für die viele unsere Mütter und Väter standen, und für die auch wir oft standen, auch wenn es uns zu dem Zeitpunkt selten so bewusst war, nach diesen Kriterien haben wir Ostdeutsche (und mit uns die Menschheit) einiges verloren. Darunter sind Frieden, Menschlichkeit, Sicherheit, Geborgenheit, Gleichheit, Mitspracherecht, Emanzipation, und einige mehr dieser eigenartigen Dinge, die in westlichen Betrachtungen selten zur Sprache kommen.

Wir gaben das Prinzip des Friedens auf. Denn seitdem werden wieder Kriege geführt, zu denen wir unsere Söhne und Töchter senden. Seitdem gibt es Bettler und Obdachlose auf unseren Straßen. an denen wir vorbeilaufen und uns schämen, und seitdem gibt es wieder Tote bei Bandenkriegen auf unseren Straßen.

Die Diskussionsrunden im Fernsehen oder im Radio, bei Darstellungen in Filmen und Reportagen, in Büchern der „Bürgerrechtler“ und der, sich bestens im Osten auskennenden, Neu-Ostler und auch in den Angeboten in verschiedenen Veranstaltungen, in Verbänden und in Vereinen, selbst am Biertisch ist es nicht möglich mit den Menschen, von schulisch Vorgebildeten über Bildzeitungsgebildete bis zu Spiegellesern, eine neutrale, das heißt alle Themen gleichberechtigt behandelnde, Diskussion zu führen. Die Auseinandersetzungen und Betrachtungen beschränken sich auf bestimmte Gebiete. Ständig thematisiert werden die rechte Ideologie und der Rechtsextremismus, „Stasi“ und Diktatur, Gewalt, Flucht. Ausländerfeindlichkeit, Freiheit. Alle meinen, das seien die zentralen und typischen  ostdeutschen Themen.

Ich halte für typisch westdeutsche Themen: Ausbeutung im Kapitalismus, Ungleichbehandlung der Frau und dergleichen Themen mehr. Doch keiner will mit mir ausschließlich über diese Themen reden.

Aber es sind die Themen, über die wir reden sollten. Über diese und in diesen Corona-Zeiten besonders über ein Gesundheitswesen, das der Zeit entspricht und die Bedürfnisse der Menschen erfüllt; reden über Gesundheitsvor und -fürsorge, die nicht hauptsächlich marktrelevanten Kriterien folgt, sondern den Menschen dient. In Ost und in West und überall auf der Welt.

Hans Kleiner

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Ach, übrigens…..

Heute jährt sich wohl der Tag zum dreißigsten Mal, an dem die Tür endgültig aufgestoßen wurde. Das Tor für die Annektion des demokratischen Teil Deutschlands, die wichtigste Barriere für den Einfall des Kapitalismus in die bis dahin geschützte Zone für den experimentellen Aufbau eines friedliebenden, demokratischen, gerechten Staates auf deutschem Boden, in dem nicht die Interessen des Kapitals, des Großkapitals, des Finanzkapitals im Vordergrund standen, sondern das Wohlergehen des gesamten arbeitenden Volkes, die Grenze wurde geöffnet. Die Kontrolle des Staates DDR über das Grenzregime hörte auf. Die Souveränität des Staates DDR ging damit faktisch den Bach runter. Finito.

Feierlich ist mir an solch einem Tag nicht zumute. Mich überkommt eher Traurigkeit und, ja auch, Wut. Traurigkeit, weil die Zerstörung nicht aufhört. Das Kapital hat es geschafft die sozialen und kulturellen Errungenschaften des Volkes der DDR zu zerschlagen und das Kapital gibt sich damit nicht zufrieden, sondern plündert jetzt beide Teile des arbeitenden deutschen Volkes aus. Auch die erkämpften Zugeständnisse des Kapitals, wie der 8-Stunden-Tag und das Gesundheitswesen und die Rente werden in Frage gestellt. Und das Kapital beutet noch rücksichtsloser Boden, Luft und Natur aus, als es jemals der Fall gewesen ist.

Wut, weil es nicht so aussieht, als wenn sich irgendwer dagegen auflehnen würde, weil es nicht so scheint, als wenn das aufhören könnte, als wenn es eine Kraft gäbe, die dem entgegen wirkt. Was sollen alle diese Bewegungen, diese Flüchtlingsrettung, diese Ärzte ohne Grenzen, diese Umweltrettungsvereine? Sie werden an den Oberflächen kratzen, aber sie werden dem Kapital keine Grenzen setzen. Kein Grund zu feiern. Wirklich nicht. Wir würden den Rückschritt der Menschheit feiern.

Euer Tobi.

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Die Mauer, die Stadt, das Land.

Es ist mal wieder soweit. Es wird der „Maueropfer“ gedacht. Ja, jeder der an Grenzen zu Tode kommt ist zu bedauern! Weg mit den Grenzen! Weg mit den Todesfallen, Minen, Grenzbefestigungen!

An der Grenze USA/Mexiko starben von Januar bis Juni 2007 mindestens 275 Mexikaner. Von 1993 bis November 2012 sind 17.306  Tote an den Außengrenzen der EU dokumentiert. An der „innerdeutschen“ Grenze starben bis 1989 nach verschiedenen Zählungen 140 bis ca. 1000 Menschen. Es ist makaber die Menschenopfer gegeneinander aufzurechnen. Aber für die Propaganda wird es in den deutschen Leitmedien jedes Jahr wieder gemacht.

Am 13. August 1961 wurde die Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und Westberlin geschlossen. Grenzsicherungen (die Mauer) wurden errichtet. Im November 1998 wurde die Grenze für den unkontrollierte Passage geöffnet. Mit der „Vereinigung“ der beiden deutschen Staaten zu einem Staat wurde die Grenze überflüssig und die Grenzsicherungen wurden abgebaut. Die Reste dienen heute als Touristenattraktion und als Propagandamaterial für die Verunglimpfung des Staates DDR, seiner Bewohner und deren Leistungen bei der Sicherung des Friedens in Europa.

Im Westen Deutschlands, in der BRD, wütete Anfang der 60iger Jahre das Wirtschaftswunder. In der DDR, die die gesamten Reparationen an die UdSSR bezahlen musste, ging es auch aufwärts, aber es wurde mehr Wert auf den Ausbau des Gesundheitswesens und auf bessere Ausbildung gelegt.  Die Schaufenster füllten sich nicht so schnell mit Waren, wie im Westen.

Die Verlockung war groß. Besonders für diejenigen im Osten, die darauf hoffen konnten an dem Überfluss teilhaben zu können. Die gut ausgebildeten Ingenieure, die Ärzte, die jungen, gut ausgebildeten Facharbeiter hatten mit Recht Hoffnung in der BRD gutes Geld zu verdienen und ein materiell gut abgesichertes Leben zu führen.

Die DDR hatte die Ausbildung bezahlt und die in die BRD geflüchteten nahmen diese Ausbildung mit und zahlten keinen Pfennig an die DDR zurück. Das ist Diebstahl. Für den Einzelnen ist die Entscheidung nachvollziehbar, bleibt aber unmoralisch und auch ungesetzlich.

Die offene Grenze hat die DDR durch Abwanderung,  Sabotage und Spionage nach verschiedenen Schätzungen zwischen 30 und 100 Milliarden Dollar gekostet.

Für die Wirtschaft der DDR ging es an die Substanz. Besonders aber im Gesundheitswesen machte sich die Flucht der Betrüger in den Westen bemerkbar. Es musste etwas geschehen. So wurde beschlossen die Grenze zu Westberlin zu schließen.

Die Schließung der Grenze wurde lange hinausgezögert. Die Verantwortlichen der UdSSR wollten den kalten Krieg nicht noch verschärfen. Sie wollten Frieden, sie wollten einen Friedensvertrag. Die westlichen Länder aber wollten genau das nicht.

Im Jahre 1961 stimmten alle Länder der sozialistischen Gemeinschaft der Schließung der Grenze zu Westberlin zu. Auch die Zustimmung der Bevölkerung der DDR war groß. Sogar der eigefleischte und  heute als erfolgreicher Antikommunist bekannte Wolf Biermann stimmte der Grenzsicherung lautstark zu.

Im Übrigen: Der Status von Westberlin war nach dem II. Weltkrieg nicht geregelt. Die Siegermächte hatten versäumt bei der Aufteilung Deutschlands die Berlinfrage zu regeln. Es gab keinen Vertrag. Der Zustand im Jahre 1961 war durch Gewohnheit entstanden. Die Aufteilung Berlins in die vier Sektoren blieb nach der Gründung der DDR bestehen, obwohl es dazu keinerlei Verträge gab. Territorial wäre auch Westberlin ein Teil der DDR gewesen. Die Westmächte durften in Westberlin bleiben, weil es eben keinen Friedensvertrag gab und keine vertragliche Reglung. Diese wussten auch die Westmächte zu verhindern.

Die Berechtigung der Grenzsicherung rund um Westberlin wird der DDR abgesprochen. Aber jeder souveräne Staat hat das Recht seine Grenzen zu sichern. Dass die DDR durch die BRD und viele andere Staaten nicht anerkannt wurde, tut dem kein Abbruch. Die Staaten BRD und DDR waren Realität. Geschaffen durch die Siegermächte und geschaffen durch deren Politik.

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Korea-Krieg

Viele ahnen schon, dass die Welt nicht so einfach ist, wie sie in den „Leitmedien“ dargestellt wird. Aber es ist einfacher, sie einfach zu lassen, diese Welt.

Gegenwärtig ist das Thema Korea in den Medien. Dort herrscht die Formel: Nordkorea = Kim Jong-un = BÖSE und Südkorea = Demokratie= GUT.

Es droht ein Krieg um und in Korea. Ab 25.April, wenn der verirrte amerikanische Flugzeugträgerverband im Japanischen Meer eintrifft, kann es losgehen. In diesem Umfeld habe ich mich für den Koreakrieg 1950/51 interessiert.

Hier lässt sich sehr gut nachvollziehen, wie in den Medien mit Geschichte und Gegenwart umgegangen wird. Auf den ersten 8 Seiten der „Google“ – Suche ist kein Betrag zu finden, der die Geschichte nicht verdreht oder unvollständig oder falsch wiedergibt und so mindestens den Eindruck erweckt und stützt, das nordkoreanische Regime und Russland wären Schuld an dem gegenwärtigen Status der Region und der Teilung des Landes. Auch durch die verbreiteten Schulbücher wird diese Darstellung zur gängigen Geschichtsschreibung.

Deshalb an dieser Stelle eine kurze Geschichte Koreas aus meiner Sicht mit den oft nicht genannten Fakten und Richtigstellungen zu den verbreiteten „Fakten“. Ich habe hier keine Verweise oder Quellenangaben angebracht. Wer interessiert ist und tief genug gräbt, wird die Informationen unter dem Haufen der „angepassten“ Meldungen und Betrachtungen finden und nachprüfen können.

Korea bis 1945

Korea war schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts oft Spielball der sie umgebenden Mächte. China hatte es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wechselweise als Vasallenstaat oder als Protektorat beherrscht. Mit dem Erstarken Japans und der damit verbundenen aggressiven Expansion auf das Festland verdrängte Japan China als Kolonialherr über Korea. Das Kaiserreich Korea wurde Protektorat Japans und nach 1910 Kolonie.

Zum besseren Verständnis sei hier noch erwähnt, wie es in der Umgebung Koreas, in der angrenzenden Mandschurei, eigentlich von China beansprucht, ausgesehen hat.

Japan hatte sich (kriegerisch) auf dem Festland gegen China und auch gegen das expandierende Kaiserreich Russland durchgesetzt. Im Russisch-Japanischem Krieg 1904/05 wurde die, in etwa heute noch gültige, Grenze zwischen Russland und der Mandschurei gezogen. Die südliche Mandschurei war japanisch besetzt, der nördliche Teil russisches Territorium. Im Jahre 1938 gab es einen weiteren Krieg um die Mandschurei, als das Kaiserreich Japan versuchte der 1921 gegründeten, vermeintlich schwache Sowjetunion ein weiteres Teil der Mandschurei zu entreißen. Aber die Grenzziehung änderte sich nicht. Das hielt sich so bis zum Eintritt der UdSSR in den Krieg gegen Japan, dem letzten Kapitel des 2. Weltkrieges.

Korea 1945

Am 8. August 1945 marschierte die Rote Armee der Sowjetunion nach einer Kriegserklärung in die Mandschurei ein. Das war von den Alliierten (USA, UdSSR, Groß Britannien) auf der Konferenz von Jalta (Februar 1945) so beschlossen worden. Der Feldzug führte zur Vernichtung der japanischen Truppen in der Mandschurei und der Besetzung dieser Gebiete durch die Rote Armee. Der sowjetische Vormarsch endete auf Grund von Nachschubschwierigkeiten an der heutigen Landesgrenze Koreas zu China, am Yalu-Fluss. Es gab auf Korea nur drei Landungsoperationen der sowjetischen Streitkräfte.

Entsprechend den Vereinbarungen der Alliierten in Jalta wird die koreanische Halbinsel in zwei Besatzungszonen geteilt. Nördlich des 38. Breitengrades ist Sowjetisches Besatzungsgebiet, südlich davon sind die Amerikaner die Besatzer. Offiziell sind auch die Engländer und Chinesen „Treuhänder“ des „verwalteten Territoriums“ bis zur Unabhängigkeit. Die Alliierten hatten auf der Konferenz von Jalta beschlossen, dass Korea ein vereinigtes, unabhängiges Land unter einer gewählten Regierung werden sollte, legten jedoch keine Details fest.

Im Süden regiert zunächst, wie im Norden, eine Militärverwaltung der Besatzer. Im Norden wird die Übergabe der Verwaltung an einheimische Kräfte vorangetrieben. Es bildet sich, natürlich mit Unterstützung der Sowjetunion, ein „Provisorisches Volkskomitee“.

Im Norden wurden die japanischen Kriegsverbrecher und Kollaborateure aus den Ämtern gejagt. Im Süden ist dieses Vorgehen nicht ganz so strikt, sie wird von der Besatzungsmacht gebremst. Die politischen Gruppierungen, die sich im ganzen Land bildeten, haben vorrangig das Ziel die japanische Vorherrschaft in Ämtern und Verwaltungen und auch in der Wirtschaft zu beenden und ein einheitliches Korea zu schaffen. In ganz Korea werden die Ländereien der Großgrundbesitzer besetzt und die Fabriken, deren Besitzer (meist Japaner) geflohen waren, werden durch Arbeiterräte übernommen.

Die Beibehaltung der Teilung Koreas am 38. Breitengrad wäre den Besatzungsmächten USA und Sowjetunion recht,  weil so jeder Macht über den besetzten Teil behält. Die einheimische politische Landschaft aber entwickelt sich anders und zwar vor allem gegen die Interessen der USA. Diese hätte natürlich gerne ein Land nach westlichen Demokratievorstellungen. Auf keinen Fall aber ein kommunistisch oder sozialistisch regiertes Land.  Die Kommunisten und Sozialisten, die anti-kapitalistischen und nationalen Kräfte aber führen die politische Bewegung in Nord und Süd an. Es droht die Übernahme der Macht durch „undemokratische“ Kräfte. Die USA proklamierte daraufhin für den Süden die USAMGIK („United States Army Military Government in Korea“)

Die USA etabliert im Süden eine Marionette. Rhee Syng-Man war 1919 war er zum Präsidenten der selbsternannten „provisorischen Regierung Koreas im Exil“ gewählt worden. Er lebte bis 1945 auf Hawaii, also in den USA. Rhee Syng-Man wird an die Spitze einer Abspaltung der konservativen Partei gestellt und von der USA protegiert.

Wahlen

Im Vorfeld der Wahlen kam es im ganzen Korea zu Demonstrationen, Generalstreiks bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Koreaner in Nord und Süd wollten separate Wahlen im Süden verhindern. Getrennte Wahlen für Nord und Süd waren vorher von der USA in der UNO vorgeschlagen worden. Dabei sollte die Anzahl der Bevölkerung in den Landesteilen auch über die Sitze im Parlament entscheiden. Der Süden hätte mit seiner doppelt so großen Bevölkerung die weitere Ausrichtung der Politik des Landes in jedem Falle bestimmt. Allerdings hatte die USA im Süden schon dafür gesorgt, dass die ihnen genehmen Kräfte auch die Wahl gewinnen würden. Im Vorfeld waren kommunistisch und sozialistisch orientierte politische Gruppierungen verboten worden.

Die erste Verfassung Südkoreas (Juli 1948) wies dem Präsidenten weitgehende Machtbefugnisse zu, weit über das hinaus, was noch als „demokratisch“ bezeichnet werden konnte.

Im August 1948 wird Rhee Syng-Man vom südkoreanischen Parlament zum Präsidenten der Republik Südkorea gewählt. Er stützte sich dabei auf ehemalige koreanische Offiziere der japanischen Armee.

Damit waren also in den Besatzungsgebieten getrennte Wahlen durchgeführt worden und es gab nun zwei Regierungen und zwei Staaten. Die Besatzungsmacht war nur für 5 Jahre vorgesehen. Die Besatzungsmächte zogen sich also 1948 (Sowjetunion) bzw. 1949 (USA) aus Korea zurück. Die USA behält aber Stützpunkte.

Ab 1948 kam es zu erbitterten Aufständen in ganz Südkorea. Bei einem Aufstand auf der vorgelagerten Insel Jejudo richteten Polizei und Armee ein Massaker an, bei dem bis zu einem Viertel der Bevölkerung getötet wurde.

Mit diesen Aufständen hatte Nordkorea nichts zu tun. Allerdings tobte an der Demarkationslinie ein ständiger Grenzkrieg. Und der gesamte Südwesten Koreas befand sich in ständigem Aufruhr gegen das verhasste Regime von Rhee Syng-Man. Nur ein Krieg konnte es noch retten.

Nach gefälschten «demokratischen» Vorwahlen von 1948 verlor Rhee Syng-Man am 30.Mai 1950 spektakulär die Wahlen zur Nationalversammlung, und das, obwohl die gesamte Linke (inkl. der Kommunisten) verboten war.

 

Der Krieg kommt

Am 1. Oktober 1949 wurde die kommunistische Volksrepublik China ausgerufen. Die Volksrepublik wurde durch die UN nicht anerkannt.

Am 25.Juni 1950 ist der Präsident Rhee Syng-Man anwesend, als die Südkoreanische Armee in ganzer Linie den 38.Breitengrad überschreitet. Am folgenden Tag melden große Medien des Westens (London Daily Herald, Guardian, New York Herald Tribune, New York Times) dass die südkoreanischen Truppen erfolgreich in den Norden vorgedrungen sind und die Stadt Heaju erobert hätten.

Am selben Tag reicht die USA einen Resolutionsentwurf beim UN-Sicherheitsrat vor. Nordkorea wird  „unprovozierte Aggression“ vorgeworfen. Im Sicherheitsrat der UN wird abgestimmt. Die UdSSR ist nicht dabei. Sie nimmt aus Protest wegen der Nicht-Anerkennung der VR China nicht an der Sitzung teil. Ägypten will das „unprovoziert“ gestrichen haben, Jugoslawien ist gegen die Resolution. Die ständigen Provokationen an der Demarkationslinie waren bekannt. Mit den Stimmen Nicaraguas (Diktator Somoza) und Cubas (Diktator Batista)   wird die Resolution durchgesetzt. Damit wird der folgende Krieg gegen Nordkorea durch die UN legitimiert.

Die nordkoreanische Armee drängt die südkoreanische Armee in wenigen Wochen völlig zurück. Seoul wird besetzt. Die südkoreanische Armee löst sich praktisch auf. Viele der von den Nordkoreanern gefangenen südkoreanischen Soldaten kämpften später in den Reihen der Nordkoreaner. Drei Viertel des Territoriums werden von den nordkoreanischen Truppen besetzt. Die Truppen des Südens töten während des Rückzuges in den Gefängnissen und Lagern des eigenen Landes hunderttausende Gefangene. Es sind Kommunisten, Sozialisten oder aber auch nur Gegner des Regimes.

Die USA hatte den Südkoreanern Hilfe geleistet.

Es wird von Nordkorea ein Waffenstillstand angeboten. Gemeinsame Wahlen sollen durchgeführt werden. Das wird abgelehnt.

Die USA hat es inzwischen geschafft, Truppen in den Süden zu bringen. Auch werden einige Landungsoperationen an der Küste durchgeführt. Der fast beendete Krieg flammt erneut auf. Jetzt aber stehen auf der einen Seite Nordkorea und auf der anderen Seite die Vereinten Nationen (UN) unter Führung der USA. Die Resolution 85 des UN-Sicherheitsrates gibt ihnen das Recht dazu.

Die Truppen der UN drängen die Nordkoreaner bis nach Nordkorea zurück. Freiwillige aus der UdSSR und reguläre chinesische Truppen greifen auf Seiten Nordkoreas in den Krieg ein. Es geht den großen Mächten um den Erhalt des Status Quo in Korea. Weder die USA wollten den Brückenkopf Korea verlieren, noch wollte die UdSSR oder China die Streitkräfte der USA bis an ihre Grenzen vorlassen.

Bis Juni 1953 zieht sich der Krieg hin. Mehr als 4 Millionen Zivilisten wurden umgebracht. Eine Million Soldaten starben.

 

 

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