CO2 und die Steuer

Die unten stehende Tabelle ist ein Auszug aus den Statistiken des  Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. (https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung-fischerei/tabellen-zu-ernaehrung-und-fischerei/)

Hier ist zu lesen, dass im Jahre 2018 etwa 4.87.900 Tonnen Fleisch (Schlachtgewicht) in die Bundesdeutsche Republik eingeführt wurden. Also etwa 0,49 Millionen Tonnen.

Der jetzt geschlossene Vertrag mit den USA sieht eine Anhebung der Einfuhren von dort auf 35.000 Tonnen vor. Aus Lateinamerika (Argentinisches Steak!) wird die Einfuhr im gleichen Zeitraum auf 10.000 Tonnen abgesenkt.

Meine erste Frage bei Betrachtung der Zahlen ist: Was soll dann die Aufregung um diesen Vertrag, wenn es sich beim Handelsanteil der USA nur um einen Anteil am Handelsvolumen von nicht einmal 10 Prozent handelt und sich der Gesamtanteil wegen der Verringerung des lateinamerikanischen Anteils fast gar nicht verändert?

Meine nächste Frage angesichts der obigen Zahlen ist: Warum wird so viel Fleisch rein und raus transportiert? Mal ein paar argentinische Steaks importieren, das sehe ich ein, haben doch dort die Weiden einen ganz anderen Geschmack. Auch das zerhackte Rindfleisch für das amerikanische Fastfood-Erlebnis muss natürlich aus dem Ursprungsland sein. Aber warum werden die anderen 400.000 Tonnen Fleisch jedes Jahr durch die Gegend gekarrt?

Werden hier deutsche Schwarz-Weiss-Rinder mit polnischen Viechern getauscht oder ungarische Fleischrinder mit Bayrischen? Wozu? Vielleicht bin ich zu ungebildet in Sachen Landwirtschaft und Nahrungsmittel. Viellicht taugt ja die Schwarz-Weiße nicht für ungarische Salami. Dann soll mir das jemand erklären.

Meine dritte Frage zu den Zahlen: Warum verbrauchen wir jedes Jahr mehr Fleisch, wenn wir doch alle wissen, dass es gesünder ist, mehr Gemüse zu essen und wir ja inzwischen alle Diät- und Ernährungsprofis geworden sind?

Ich versuche mal die ganz kurzen Antworten auf meine Fragen selbst zu finden:

Zu 1: Es ist einfach, weil sie immer Geschrei machen müssen, um die Leute im Sommerloch zu beschäftigen und von anderen, eigentlich wichtigen Fragen, abzulenken, oder weil sie es nicht besser wissen.

Zu 2: Es verdiene eine Menge Leute daran, das Fleisch hin und her zu karren. Das macht das Fleisch teurer, bezahlen muss es der Käufer im Supermarkt. Aber es verbraucht so schön den LKW-Diesel, man kann schöne große LKW für den Transport bauen, die Straßen und Brücken müssen instand gehalten werden, das bringt Geld für die Bauunternehmer. Wenn jetzt wieder das Totschlagargument kommt „Aber die LKW-Fahrer hätten keine Arbeit!“, dann sage ich: „Schickt sie einfach fünf Jahre früher in die vollbezahlte Rente. Die gesparten Gelder des Transportes könnten für ihre Rente verwendet werden. (Es ist nämlich eine NULL-Leistung, wenn das Fleisch nur hin- und her gekarrt wird. Und dafür werden die Fahrer ja auch bezahlt.)

Zu Drittens: Solange die Werbung für den Verbrauch von Fleisch läuft, solange das Gemüse so unattraktiv ist, solange wird auch der Verbrauch gesteigert. Die Vegetarier sind nicht so zahlreich, wie es die Aufmerksamkeit vermuten lässt. Aber die Industrie verdient jedes Jahr an unserem Konsum. Und deshalb muss er gesteigert werden. Mit allen Mitteln. Die Erhöhung der Steuer auf Fleisch wird diskutiert. Vielleicht ist das nur eine Sommerloch-Diskussion. Ebenso ist eine „CO2-Steuer“ ständig im Gespräch. Wenn die Bundesregierung nach einem Beschluss des Bundesparlaments ein einfaches Gesetz zum Verbot oder zur drastischen Reduzierung von Fleisch Im- und Exporte verabschieden würde, wäre mindestens die Reduzierung des CO2-Ausstoßes schon mal angegangen. Und das ist ja angeblich der Zweck der Erhebung der beiden Steuerarten: Die Fleischsteuer (auf 9%) und CO2-Steuer (auf den errechneten Ausstoß) sollen zur Reduzierung der Erzeugung von Treibhausgasen beitragen.

Leo Lewin


Kommentare

Eine Antwort zu „CO2 und die Steuer“

  1. martena

    Glaubt man den Umweltschützern, so ist Fleisch der Umweltkiller schlechthin.
    Rodung der Regenwälder zur Landwirtschaftlichen Nutzung (Futtermittel usw.), Aufzucht der Tiere, Verarbeitung, Transport, …
    Vorstellbar ist es.
    Was mich dann zusätzlich immer wieder verwundert, ist, dass am Ende regionale Nahrungsmittel (im Besonderen auch Fleisch) schlussendlich trotzdem teurer sind als diejenigen (also Fleisch), die um die halbe Welt gekarrt wurden.
    Ach, und nur mal so zum Vergleich: 1kg Fleisch 5,98€ aber 1kg Käse 26,90€

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