Gedanken zur deutsch-deutschen Vereinigung

Drei Berichte: Der Deutschland-Bericht, der die Große Deutsche VerEinigung misst, der Armutsundreichtumsbericht und der Arbeitslosenbericht vom September.

Das Lohnniveau im Osten liegt bei 82,2 Prozent des West-Bruttolohnes, die Wachstumssteigerung im Osten liegt 0,5 Prozent unter der des Westens, ein Drittel aller Arbeitslosen der Vereinigten Bundesrepublik lebt im Osten. So stellt sich die nun schon über zwei Jahrzehnte zurückliegende Vereinigung dar.

Man könnte sagen:  „Siehste! Ätsch! Nischt mit blühenden Landschaften!“

Aber, man sagt‘s nicht, man verkneift’s sich. Anstandshalber, weil ja  (gefühlt) alle den schwarzrotgelben Fahlen ohne Hammer, Sichel, Ährenkranz, hinterhergelaufen sind. Hunderte, tausende. Man war selber nicht dabei, aber man hat auch keinen anderen Weg gewußt. Man ist überrollt worden, man hat starr dagesessen und verwundert und besorgt auf die Massen geschaut, die, ganz genau so wie beim Rattenfänger von Hameln(Stadt im Westen) dem klingenden Spiel der glückverheißenden Melodie hinterher liefen. Goldenes (West-)Deutschland! Blühende Landschaften! Der Mensch neigt dazu alles Negative, selbst gesichertes Wissen, auszublenden.

Wird man heute gefragt: Bist Du froh jetzt die Demokratie zu haben, so verhält man sich gegenüber dem Fragenden verschieden. Je nachdem, wer fragt.

 Ist es ein Vertrauter, so bringt man ihm vorsichtig bei, dass die Demokratie nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Und die Freiheit nicht die, die man sich erhofft hatte.  Ist es jemand, von dem eventuell die weitergehende Beschäftigung, der Broterwerb also, vielleicht sogar noch im Westen, abhängt, so agiert man ganz vorsichtig und vielleicht lügt man sogar für den Zweck.

 Ostdeutschen Fremden gegenüber kann man provozierende Fragen stellen und man bekommt auch Antworten zu ihrem Befinden 22 Jahre nach der Vereinigung:

Und habt ihr jeden Tag Bananen? – Ja, aber ich kann das grüne Zeug nicht mehr sehen. Man weiß auch nicht mit welchem Giften die behandelt wurden.

Und könnt ihr jedes Jahr in den Urlaub fahren in ein Land eurer Wahl?  – Ja, aber wir brauchen den Urlaub auch. Der Stress auf Arbeit nimmt jedes Jahr zu.

Und könnt ihr sagen, schreiben, malen, was immer ihr wollt? – Ja, aber es ist so unheimlich schwer Bilder zu malen, wenn die Marmelade auf dem Brot fehlt.  Und schreiben, solange ich das privat mache, stört es keinen, aber es liest auch niemand.

 Was vermisst ihr nach der Vereinigung?

Mehr Zeit für die Familie, für die Freunde, mal ganz entspannt sein, keinen Gedanken daran, wie lange noch Arbeit im Betrieb ist, keine Sorge um die Kinder, um die Ausbildung, nicht ständig kämpfen müssen, den Geschmack von frischen Erdbeeren aus dem eigenen Garten, keine Sorgen um Rente und um eine ordentliche Behandlung beim Arzt, mal wieder in das Theater…., mal mit den Kindern in den Urlaub fahren,…….

 Keine Frage, der Staat DDR war nicht der Ideale Zustand. Und das Versprechen von  Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und dem Paradies auf Erden konnte nicht eingelöst werden. Der Wohlstand im Vergleich zum Nachbardeutschland  ließ zu wünschen übrig, die persönliche Freiheit hing nicht unwesentlich vom Platz in der Gesellschft ab. (-Wie das übrigens auch heute im vereinigeten Deutschland so ist.)  

 Trotzdem. Das Volk und die Führung der DDR haben ihre Chance verspielt. Die Schaufenster des Westens haben ihre Wirkung gehabt. Die aus dem Westen geschickten Fahnen und Transparente haben die letzte Wahl der DDR entschieden. Keine Chance den Staat DDR besser zu machen, nur der Fußweg  in den Westen war noch möglich. Die Ostgebiete wurden ins Reich zurückgeholt. Als Arbeitskraftspender, als verlängerte Werkbank. Alles andere wurde plattgemacht.

 Gewonnen haben die, den es immer schon gut ging. Besonders haben die gewonnen, den es schon immer besonders gut ging. Die blühenden Landschaften im Osten entstehen auf denStellen auf denen einst Häuser standen, die heute abgerissen sind, weil die Leute in den Westen zum Arbeiten gingen. Eine Angleichung der Löhne, Renten und Arbeitslosenquoten zwischen Ost und West ist nicht in Sicht (besteht nur als Wahlversprechen der CDU). – Es sei denn im  Westen sinken  die Löhne weiter und die Arbeitslosenzahlen steigen.

Dann kann von gleichmachender Vereinigung gesprochen werden.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.