Es geht aufwärts

. Endlich geht es wieder aufwärts. Die Tage werden wieder länger. Hoffnung ist da. Es wird so bleiben bis zur Mitte des Jahres, dann ist das leider schon wieder vorbei, dann geht es wieder andersherum, dann ist Sommersonnenwende, wir werden uns langsam wieder auf den Winter vorbereiten müssen. Das ist der Gang der Dinge, das wird so sein, solange die Erde sich um die Sonne dreht und sich keiner findet, der die Erdachse gerade rückt. Vermutlich dauert es noch einige Jahre, bis wir das ganze Jahr über einheitliche Temperaturen haben. Und wir hier, auf unserem Breitengrad, werden nie in den Genuss eines durchgehenden Sommers kommen.

Und ebenso schwer verrückbar ist der natürliche Gang unserer parlamentarischen, freiheitlichen Demokratie. Alle Jahre wieder wird einer der hervorragenden Vertreter mit allen seinen Kellerleichen in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt.

Rau, äh , nein , Köhler, nein, Wolf heißt er, ist ein Opfer! Er war einfach dran. Irgendjemandem in der eigenen Mannschaft ist er mit irgendeiner dummen Bemerkung in die Quere gekommen, und da war es geschehen. Dieser liebe, so symptomatische Mann, der nie die Stimme laut erhebt. Was hat er denn verbrochen? Der eigene Sprecher war‘s, der ihn ans Messer lieferte, er wird seinen Judaslohn empfangen. Hinter dem Vorhang wartet schon der Mann mit dem Beutelchen mit einigen Goldstückchen. Warum Wulf verraten wurde? Wegen des Geldes natürlich. Oder wegen anderer nicht ans Licht kommender Vorteile. Vielleicht nur um die eigenen Leichen tiefer in den Keller tragen zu können.

Vertrauen? Vorbild, weil Amtsträger? Juristisch ist das alles gar nicht oder sehr schwer angreifbar und wenn doch, dann wird’s nur symbolisch mit der Strafe.  Der Deutsche hatte mal Vorbilder. Der alte Fritz, Goethe, Maxe Schmeling, Täve oder Schumacher. Vielleicht noch König Ludwig von Bayern oder Lessing, nein, Lessing nicht, den kennt ja kaum jemand.

Was soll die Aufregung? Wir sind doch ein demokratischer Staat! Hier kann jeder, aber auch jeder, weil wir eben in einer freiheitlichen Demokratie leben, sich seinen eigenen Politiker halten! Da muss mann und frau keinen Vorwürfe fürchten.

Ich meine, als Kassenwart des heimischen Fussballclubs „Schawalke 007“, wer hat da nicht schon mal ein Auge zugedrückt, wenn der Meier sich bei der Vereinsfeier eine Wurst mehr aus dem Kessel fischte, wo er einem doch beim Richten des Gartenzaunes geholfen hat? Wer will sich freisprechen von Schuld?! Und ehrlich, so gut bezahlt ist der Köhler, äh Wulf nun auch wieder nicht. Schon als Ministerpräsident hat er nicht so viel bekommen. Ackermann bekommt mehr.

Was das soll, der Mann, Wulf heißt er, muss jetzt seine Geschäfte offenlegen. Wie ein gemeiner Mann aus dem Volke! Der soll seine Konten zugänglich machen. Das geht zu weit. Schließlich hat er sich nicht so weit nach oben gearbeitet um jetzt wie jeder x-beliebige Bürger des Landes behandelt zu werden!

Er bittet den Bürger um ihr Vertrauen. Na, das ist doch geheuchelt, auf‘s Vertrauen kommt es doch nun wirklich nicht an. Das Ömchen sitzt im Ohrensessel, streicht dem Opa liebevoll über den Arm und murmelt vor sich hin: “Was für ein anständiger Mann. Sieh mal wie gut ihm der Anzug sitzt.“ Aber das hat er immerhin auch gelernt: Anzüge tragen. Das beherrscht er, das macht er mit Würde. Wie der Karl Theodor auch. Alles eine Schule. Da fühlt man (und frau) sich gut vertreten in der Welt. So ein Mann kann Panzer verkaufen! Im Namen den Volkes, für den Weltfrieden.

Nun hat er sich entschuldigt. Wie rührend.  Jetzt kann er mit ruhigem Gewissen, wie jeder anständige Demokrat, Weihnachten in Kreise seiner lieben Familie feiern. Die Freunde haben ihm bestimmt ein paar Trostpflästerchen unter den Gabentisch geschoben.

Frohes Fest, denn.


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