Archiv f├╝r Juli 2011

Staatspleite

Ich sehe Schweizer Fernsehen und h├Âre Schweizer Radio. Das geht gleichzeitig. Das Radio kann ja leiser gestellt werden, dann bleibt nur noch die Bilder von Montreux und Genfer See, von Basel. Kein Mensch auf der Stra├če in Basel um 8 Uhr morgens. Die Schweizer m├╝ssen ein Leben haben! Nun ja, es ist Sonnabend. Da ist vielleicht noch Ruhe, die Menschen ruhen von der Woche aus. Aber, hier rollt der Autoverkehr durch die Stra├čen, hier in einem kleinen Dorf in einem schw├Ąbischen Tal. Hier rollt es, keine Sekunde in der nicht vor meinem Fenster ein Auto vorbei brummt, zischt, rumpelt, stinkt (kann man nicht h├Âren).

Derweil streiten die beiden gro├čen Parteien in den USA immer noch um die Staatspleite. Das hei├čt, um diese Zeit werden sie hoffentlich noch schlafen auf der anderen Seite des gro├čen Teiches. Denn Schlaf ist notwendig. Es sollen doch ausgeschlafene Entscheidungen getroffen werden.

Der deutsche Steuerzahler braucht sich indes keine Gedanken um einen Euro-Schutzschirm f├╝r die USA zumachen. Keine …zig Milliarden um die USA zu retten. Kein diktierter Sparzwang (von wem?) f├╝r die US-Regierung. Der Begriff Staatspleite der USA ist leicht irref├╝hrend. Die USA k├Ânnen weiterhin Dollars drucken und damit bezahlen. Der USA-Staat bekommt nach wie vor billige Kredite, wenn denn nur die Damen und Herren der Kongressparteien der Erh├Âhung der Schuldengrenze zustimmen. Die USA kann sich billiges Geld leihen. Jetzt noch billiger als in der vergangenen gro├čen Krise. Das Rating steht nach wie vor auf „Trippel-A“. Und dieses soll m├Âglichst so bleiben, denn wenn dieser Staat seine Kreditw├╝rdigkeit verliert, dann wird der Konsum der Nordamerikaner sich weiter einschr├Ąnken und bei den USA als gr├Â├čter Konsument der Welt hat das einschneidende Folgen f├╝r die Weltwirtschaft. Die Abs├Ątze in die USA w├╝rden sinken, exportorientierte L├Ąnder wie China und Deutschland w├╝rden weniger absetzten, weniger produzieren und in der Folge weniger arbeiten d├╝rfen.

Den Damen und Herren im Kongress der USA kann das egal sein. Selbst wenn es zu einer Superkrise kommen w├╝rde, k├Ânnten sie sich auf ihre Ranches, ihre Inseln, ihre Jachten absetzen und warten bis der Sturm, bzw. das Elend, vor├╝bergezogen ist. F├╝r das Volk, das amerikanische und auch das chinesische und das deutsche wird es ein wenig schmerzhafter. Arbeitslosigkeit, Hunger, Revolten, usw. erwarten uns dann. Die Welt zittert. Der Deutsche Unternehmer schaut voll banger Erwartung auf die Geschehnisse im fernen Land USA und der Deutsche Arbeiter auch. Obama und Boehner fechten es aus. Der Druck auf Obama und auf seine hochfliegenden Versprechungen wurde in seiner Amtszeit immer gr├Â├čer. Immer mehr davon landeten im M├╝ll. Es ging auch an die Sozialprogramme. Und es geht um weitere Einschnitte am Geldbeutel der zwei unteren (Einkommens-) Drittel der US-Gesellschaft. Zur├╝ckdr├Ąngen des Staates, mehr Gewinne f├╝r die Banken und Konzerne. Mit, wenn es denn sein muss, um es durchzusetzen, Auswirkungen f├╝r die gesamte Welt. Kollateralsch├Ąden, denn die Akteure, die entscheiden, haben ihr R├╝ckzugsgebiet.

Der VW-Konzern hat seinen Gewinn gegen├╝ber dem Vorjahr verdoppelt. Das ist gut. Das ist gut f├╝r die Aktion├Ąre. Die Arbeiter haben kaum einen Zugewinn im Vergleich zum Vorjahr. Im Gegenteil. Auf Grund der Inflation und der steigenden Ausgaben f├╝r Gesundheit, Recht und Freiheit bleibt weniger im Geldbeutel. So l├Ąuft das ├╝berall auf der Welt.

Wo der Staat aufh├Ârt f├╝r die Menschen da zu sein, die in ihm leben, muss der Staat als pleite erkl├Ąrt werden.

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Handschlag

Was regen sie sich auf? Exportiert etwa die Bundesregierung Panzer?

Der Legende nach bezog Hitlerdeutschland im Zweiten Gro├čen Krieg noch bis 1944 Spezial-Motoren-├ľle f├╝r Flugzeugmotoren aus den USA. Ohne diese ├ľle w├Ąren die Flugzeugmotoren nicht gelaufen. Mit den gleichen Flugzeugen wurden amerikanische Bomberpiloten vom Himmel geschossen. Beide Seiten t├Âteten. Krieg ist nicht sauber. Das Ger├Ąt f├╝r den Krieg bereitstellen ist auch nicht sauber. Die Produktion und der Verkauf von Kriegsger├Ąt ist eines der lukrativsten Gesch├Ąfte ├╝berhaupt.

Es ist l├Âblich wenn alle Parteifraktionen, au├čer den derzeit regierenden sich gegen Waffenexporte ├Âffentlich emp├Âren. Bringen wird es Nullkommanichts. Und verlogen ist es au├čerdem. W├Ąhrend ein gr├╝ner Au├čenminister durch die Lande reiste wurden auch Panzer, U-Boote, Flugzeuge, Handfeuerwaffen, Granaten, Lenkraketen, und so weiter, in alle Teile der Welt verkauft. Und nicht nur an ausgesprochen friedliebende nur auf die Verteidigung ihres Landes bedachte Regierungen.

Der EU-Verhaltenskodex f├╝r R├╝stungsexporte sieht vor, dass R├╝stungsg├╝ter nur an L├Ąnder geliefert wird, die die Menschenrechte einhalten, in denen die innere Sicherheit gew├Ąhrleistet ist und die L├Ąnder d├╝rfen sich nicht in Krisengebieten befinden.

Das ist l├Ącherlich. Pakistan soll U-Boote aus Deutschland bekommen.┬á Da wird mal fix die Rolle des Landes im Afghanistan-Krieg vergessen (Afghanistan hat ja gar kein Wasser in dem U-Boote verwendet werden k├Ânnten) und der seit Jahrzehnten immer wieder aufflammende Konflikt mit dem gro├čen Nachbarn Indien um die Kaschmir-Region.

Deutschland ist der drittgr├Â├čte R├╝stungsexporteur der Welt. Dabei exportiert nicht die Bundesregierung das Zeug, sondern die einzelnen herstellenden Firmen. Dir Regierung k├Ânnte, so dass Gesetz, R├╝stungsexporte unterbinden, verbieten, so wie es den Export von Kartoffeln verbieten k├Ânnte, wenn denn in Deutschland noch Kartoffeln produziert werden w├╝rden. Die Regierung k├Ânnte, wenn sie wollte. Aber, im Parlament sitzen die, die die deutsche Wirtschaft und deren Export auf keinen Fall schw├Ąchen wollen. Sie pflegen zum Teil enge Kontakte zu den ┬áexportierenden Firmen. Wenn da die Kartoffeln exportiert werden w├╝rden, dann w├╝rden die Parlamentarier und die Regierung das Exportieren von Kartoffeln┬á unterst├╝tzen. Da sich die Firmen aber nun mal entschlossen haben Panzer zu exportieren, da wird eben das Exportieren von Panzern unterst├╝tzt. Das Exportieren von Panzern macht ├╝brigens mehr Sinn f├╝r die Hersteller: Ein Tonne Kartoffeln kostet ┬á500 Euro, eine Tonne Panzer kommt auf das Hundertfache. Bei vergleichbarem Aufwand bei der Herstellung und Transport. Entsprechend verhalten sich die f├╝r die Hersteller erzielbaren Gewinne, denn den ├ťberschuss an Einnahmen bekommen nicht die Arbeiter und Ingenieure bei Krauss-Maffei, sondern das geht in die Taschen der Konzernchefs und Aktion├Ąre.

Ein hartes Argument sind immer die Arbeitspl├Ątze, die da dranh├Ąngen, an der R├╝stungsindustrie. Es sind ca. 80.000 Arbeitspl├Ątze in Deutschland, die direkt von der R├╝stungsindustrie abh├Ąngen. Nur zum Vergleich: In deutschen Pflegeheimen sind ungef├Ąhr 570.000 Menschen besch├Ąftigt und es besteht in den n├Ąchsten drei Jahren noch ein Bedarf von ca. 80.000. Allerdings, die Menschen im Pflegedienst sind etwas schlechter bezahlt, als die Arbeiter und Angestellten bei┬á Krauss-Maffei Wegmann, Rheinmetall, EADS,MTU Friedrichshafen, ThyssenKrupp Technologies, Heckler & Koch, Bayern Chemie, Junghans, K├Ąrcher Futuretech GmbH, MAN, um nur einige zu nennen.

Da ist es doch besser wir lassen mal die Pflegebed├╝rftigen beiseite und besch├Ąftigen die Leute lieber mit dem Bau von Pistolen, Panzern, Granaten und Pr├Ązisionsbomben. Der Verdienst f├╝r alle ist einfach besser.

Aber wo bleibt denn da die Moral?┬á M├Âral, das ist was f├╝r Verlierer. Wenn Rheinmetall nicht liefert, dann ├╝bernimmt General Dynamics die Lieferung. Wer verliert? Na, Rheinmetall! Und das Deutsche Arbeitsvolk! Denn es m├╝sste jetzt etliche Tonnen Kartoffeln anbauen. Oder alte Leute pflegen. Und die Aktion├Ąre m├╝ssten sich mit einem Hundertstel des Gewinnes zufriedengeben.

Also, die Damen und Herren Parlamentarier haben einzig das Wohl der Deutsch Industrie und nat├╝rlich damit des Deutschen Volkes im Sinn. Die Parlamentarier Hand in Hand mit den Rettern der Deutschen Arbeitspl├Ątze und des Deutschen Wohlstandes. Das ist doch der Auftrag, den sie haben vom Deutschen Volk.

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Griechenland, n├Ąchste Runde

Die Griechen, die Erfinder der Demokratie haben ein Parlament. Wie auch anders. Alle demokratisch regierten L├Ąnder haben ein Parlament, sogar nicht demokratisch regierte L├Ąnder haben ein Parlament.

Im Augenblick haben die Griechen allerdings ein kleines Problem mit der von ihnen gew├Ąhlten┬á Volksvertretung. Sie f├╝hlen sich nicht vertreten.

Das griechische Parlament hat eine Entscheidung getroffen. Eine unpopul├Ąre. Die Griechen, die sind mit der Entscheidung nicht einverstanden. Aber die B├Ârse hat H├Âhenfl├╝ge, vor allem die nicht griechische.

Die Erfindung der Demokratie war f├╝r die Griechen eine gute Sache. Die B├╝rger des (Stadt-) Staates versammelten sich auf dem zentralen Platz der Stadt und stimmten ├╝ber die, alle B├╝rger der Stadt betreffenden, wirklich wichtigen Dinge ab. Eine Stra├če sollte angelegt werden, ein Grundst├╝ck sollte an einen B├╝rger verkauft werden, eine zentrale Wasserleitung sollte angelegt werden, das alles wurde gemeinsam beschlossen. Es wurde ├╝ber die Erhebung, Erh├Âhung und Senkung von Steuern entschieden, ├╝ber die Erkl├Ąrung eine s Krieges und ├╝ber die Entsendung von Hilfstruppen f├╝r andere St├Ądte. U-Boote gab es zu der Zeit noch nicht, sonst h├Ątten sie gemeinsam ├╝ber die Anschaffung derselben abgestimmt. Auch ├╝ber deren Finanzierung, die ja nicht unerheblich ist.

Irgendwann dann wurden nicht mehr alle B├╝rger in die Entscheidungsfindung einbezogen. Vielleicht war der Marktplatz zu klein geworden oder es waren zu viele Entscheidungen und die B├╝rger wollten nicht den ganzen Tag rumstehen und Reden anh├Âren, oder den Amtstr├Ągern wurde es zu anstrengend immer und immer wieder zu warten, bis endlich die B├╝rger eine gemeinsame Meinung hatten, welche B├Ąume an den Stra├čenrand gepflanzt werden sollten.

Nun haben die Griechen (das haben sie bei den anderen V├Âlkern abgeschaut) ein paar Vertreter gew├Ąhlt, die ihre Interessen auf der gro├čen Versammlung vertreten sollen. Die B├╝rger w├Ąhlten fortan Sprecher/Volksvertreter, die die schwere Arbeit der Findung einer gemeinsamen Meinung ├╝bernehmen sollten.

Das war das Ende der Herrschaft des Volkes. Jemanden zu beauftragen in seinem Sinne zu sprechen ist immer gef├Ąhrlich. Wenn dann noch mehrere Leute einen Einzelnen beauftragen, in ihrem Sinne zu sprechen, wird es noch problematischer. Denn einer alleine kann schon mehrere Meinungen haben. Welche von seinen Meinungen stimmt jetzt wohl mit allen Meinungen der von ihm vertretenden B├╝rger ├╝berein?

Bisher hat es die Griechen anscheinend weniger gest├Ârt, wenn die Volksvertreter anders entschieden haben, als ┬áallgemeine Meinung war. Solange es sich leben lie├č. Alle wissen es: die B├╝rger, die Parlamentarier, die Regierung, die Banken, der Gem├╝seh├Ąndler und eben alle. Der Gem├╝seh├Ąndler sagt sich: Ich kann nichts mache, will nichts machen, ich kann mich nicht anlegen mit denen da, werden schon das Beste machen, und Hauptsache sie lassen mich ├╝berleben. Und so denken sie alle. Mehr oder weniger.

Sie (die Bürger, die Griechen) haben zwar gesehen, wie der Industrie und den Banken, den Verwandten und Freunden gewisse, manchmal auch mehr, zugesteckt wurde von den Vertretern des Volkes, aber solange man selbst überleben kann, verzichtet man als Bürger eben auf den Ärger.

Solange es sich leben lie├č. Da scheint jetzt eine Grenze erreicht. Die Griechen gehen auf die Stra├če. Sie machen sogar einen Generalstreik, wann kommt das schon mal vor?

Wenn der Gem├╝seh├Ąndler nicht mehr vom Verkauf seiner Gurken und Tomaten leben kann, wenn der F├Ąhrschiffkapit├Ąn nicht mehr ausreichend Gehalt bekommt, um die Freundinnen in den H├Ąfen bei Laune zu halten und wenn der Beamte keine Schmiergelder mehr bekommt, weil keiner mehr baut, dann ist das Ma├č voll. Dann geht es auf die Stra├če.

Nun ist in den letzten Jahrhunderten die Meinung dar├╝ber, was Demokratie ist, etwas auseinandergegangen. Auch die Meinung, das Volk k├Ânne gar nicht so genau feststellen was f├╝r sie das Beste w├Ąre, ist durchaus oft vertreten. Die Schweizer haben erst im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts ihren Frauen zugestanden eine eigene Meinung zu haben und die Schweizer h├Ąlt man ja durchaus f├╝r ein kultiviertes Volk.

 So kommt es also vor, dass die Parlamentarier für sich festlegen, was das Beste für das von ihnen vertretene Volk ist.

Manche Parlamentarier nehmen noch f├╝r sich in Anspruch, ja das Beste f├╝r Griechenland, also das griechische Volk, zu wollen. Sie meinen aber nicht den Gem├╝seh├Ąndler oder die Hausfrau oder den Beamten, sondern die Industrie und die Banken. Vielleicht meinen sie auch auf Grund fehlender oder falscher Bildung und Erziehung, wenn es den Industrien und den Banken gut geht, dann geht es auch dem Volk gut, steht ja in der Bibel: Geben ist seeliger denn Nehmen und Bill Gates spendet ja auch f├╝r gute Sachen. So etwas gibt es. Denkt man. Allerdings landen die Millionen, die Gates spendet, zu ├╝ber 80 Prozent in Stiftungen, die auch nur wieder andere Leute schmieren, die sowieso schon genug haben. Bei den Bed├╝rftigen kommt ein nur sehr geringer Teil des Geldes an. Alles Etikettenschwindel, die Gro├čz├╝gigkeit. Aber der Sch├Âpfer sieht es und Bill wird nicht in den Himmel kommen.

Nun geht es den┬á Durchschnittsgriechen schon schlecht und er malt sich aus, was passiert, wenn das Parlament die Sparma├čnahmen beschlie├čt, wie es die Banken wollen. (Inzwischen ist es geschehen.)

Das geht ├╝ber die Grenze hinaus, die der Grieche vertr├Ągt. Also macht er mal Generalstreik. Das ist politisch motivierter Generalstreik. Das ist was Schlimmes (Achtung! Nicht nachmachen! In Deutschland nicht erlaubt!), weil es die Grenzen der Macht der Banken und Industriebosse aufzeigt.

Aber wohin soll es gehen. Die Spanier sind auf der Stra├če, die Italiener sind auf der Stra├če, aber fragt man sie, so wissen sie nicht was werden soll. Es soll anders werden. Wie anders, das wissen sie nicht.

Warum berufen die Griechen ihre Vertreter nicht einfach ab und w├Ąhlen neue Volkvertreter, von denen sie sicher sein k├Ânnen, dass diese ihre Interessen vertreten in der gro├čen Versammlung. (in Deutschland gibt es auch solche Beispiele. ┬áEs ist nachgewiesen, dass die Mehrheit des Volks den sofortigen R├╝ckzug der Truppen aus Afghanistan m├Âchte, aber das Parlament verl├Ąngert den Kriegseinsatz. Trotzdem d├╝rfen die Parlamentarier auf ihren St├╝hlen bleiben, keiner der B├╝rger verlangt nachdr├╝cklich den R├╝cktritt.)

Die Griechen wissen: auch mit einer Neuwahl wird es nicht besser mit der Meinungsvertretung im Parlament. Und deshalb gehen sie auf die Stra├če. Wenigstens mal die Wut ablassen.

Eine L├Âsung gibt es: Das Internet. Da k├Ânnten sich wieder alle B├╝rger an der Entscheidungsfindung beteiligen. Die Parlamentarier k├Ânnten die Moderatoren sein. Eine gro├čartige Sache, das Internet.

 Allerdings würde die Macht dann wieder an die übergehen, die eigentlich die Macht haben sollten, laut offizieller Auslegung des Begriffes Demokratie, an das Volk. Da würden einige andere ihre Macht verlieren, die zwar das Plakat Demokratie vor sich hertragen, aber was ganz anderes meinen. Und freiwillig werden die Damen und Herren ihre Macht nicht hergeben.

┬áDas Volk, wenn es schon auf die Stra├če geht, wenn es schon den politischen Streik auf die Stra├če bringt, sollte auch das fordern: Wiedereinf├╝hrung der Demokratie. Die St├Ąrke dazu haben sie, denn sie bauen die H├Ąuser, die Fernseher, pflanzen die B├Ąume und ernten die Tomaten. Das sind die Grundlagen, nicht die B├Ârse.

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Freundschaft

Es ist Sonnabend. Am Nachbartisch sitzen zwei Rum├Ąnen und ein Chinese zum Fr├╝hst├╝ck. Die Rum├Ąnen wollen nach Stuttgart. Der Chinese erkundigt sich, ob das eine gro├če Stadt w├Ąre. Die Rum├Ąnen bejahen, aber die Einwohnerzahl k├Ânnen sie nicht nennen. Die Unterhaltung findet in englischer Sprache statt. Die drei arbeiten wohl f├╝r einige Tage im Stammwerk, hier in der kleinen Gemeinde im Schwarzwald. ┬áDer Chinese erz├Ąhlt, dass seine Heimatstadt 22 Millionen Einwohner hat. Die Rum├Ąnen versuchen zu staunen, ganz Rum├Ąnien hat wohl nicht viel mehr.

Die Rum├Ąnen erkundigen sich beim Wirt nach einer Fahrverbindung in die Landeshauptstatt. Der Wirt hat nur leichte Probleme die beiden zu verstehen. Offensichtlich hat er oft fremdl├Ąndisch sprechende G├Ąste. Er nennt die Bahn als Bef├Ârderungsm├Âglichkeit. Zum Bahnhof allerdings w├╝rden sie nur mit dem Taxi kommen. Die Rum├Ąnen beschlie├čen nicht zu fahren. Die Firma bezahlt ihnen Flug und Zimmer im Landhotel, aber nicht die Wochenendvergn├╝gung. Der Chinese bietet ihnen an sie mit dem Leihwagen in die Stadt zu bringen.

Am Tisch gegen├╝ber nimmt ein ├Ąlteres Ehepaar Platz. Das sind aber wohl Urlauber. Sie schauen nicht einmal hin├╝ber zu den englischsprechenden am Nachbartisch. Sie sind es ja auch gewohnt, dass sich die Welt um sie herum englisch verst├Ąndigt.

Die Polen allerdings, auch Leute, die vorr├╝bergehend in dem Werk arbeiten, bleiben in der polnischen Sprache.

Vor kurzem bekannte sich unser aller Pr├Ąsident Wulff sich zur Freundschaft mit Polen. Er besucht den Noch-Nicht-Pr├Ąsidenten in Polen und sie w├╝rdigen beide das zwanzigj├Ąhrige Bestehen des Freundschaftsvertrages zwischen beiden L├Ąndern.

Mit keiner Silbe wird erw├Ąhnt, dass die Grenze zwischen Polen und Deutschland, dem ├Âstlichen Teil, seit der Gr├╝ndung der ├Âstlichen Republik besteht und der Freundschaftsvertrag zwischen den beiden L├Ąndern, samt der Anerkennung der gemeinsamen Grenzen, fast ebenso alt ist.

Seit wir den Kniefall des deutschen Willi Brandt gesehen haben w├Ąrmen sie diese Geste ja immer wieder in den Medien auf. In den letzten zwanzig Jahren besonders oft. Aber es war ein Geste und wenig mehr.

Die Landsmannschaften zu Hause schrien auf. Sie verloren augenblicklich einen gro├čen Teil des R├╝ckhaltes in den Medien, die jetzt nat├╝rlich nicht mehr so offen in ihren Schlagzeilen das Zur├╝ckerobern der ├Âstlichen Gebiete Deutschlands, die Herstellung der Grenzen von 1938 fordern durften.

In den letzten zwanzig Jahren hat sich das Verh├Ąltnis zu Polen nicht wesentlich bewegt. In der gro├čen Politik reiben sich beide L├Ąnder. Polen spielt immer mal wieder den Kraftmeier und st├Ąnkert auch immer wieder, wenn es etwas zu st├Ąnkern gibt. Deutschland und die Deutschen sind immer noch der gro├če bedrohliche Nachbarn. Jedenfalls f├╝r die gro├če Politik und die Medien.

In der kleinen Politik ist das nicht viel freundlicher. Wo immer Polen auftauchen in deutschen Landen werden sie argw├Âhnisch be├Ąugt. Der Witz mit dem Teufelchen mit dem kleinen gr├╝nen Eimerchen, das er in┬á Warschau verlor, ist jedenfalls immer noch in den K├Âpfen.

Sie sitzen auf den St├╝hlen in den Ingenieurb├╝ros, sie kommen als Spargelstecher, Erdbeer-Ernter und als Reinigungskr├Ąfte, sie schicken ihre billigen Holzm├Âbel und eisernen Gartenz├Ąune ├╝ber die Grenze und nehmen so manchen Deutschen die Chance auf einen Arbeitsplatz. Angeblich.

Eigentlich aber w├╝rde f├╝r das Geld, dass die Polen auf diesen Arbeitspl├Ątzen verdienen, kein Deutscher arbeiten wollen. Nicht weil er sich zu schade f├╝r die Arbeit w├Ąre, sondern weil er mit dem Geld in┬á Deutschland nicht ├╝berleben k├Ânnte. Der gemeine Pole kommt nach Deutschland, macht die Arbeit, lebt in allerbescheidensten Verh├Ąltnissen in Unterk├╝nften, die unzumutbar sind, nicht nur f├╝r Polen, und f├Ąhrt mit dem Geld zur├╝ck zu seiner Familie nach Polen. Er kann den Seinen davon in Polen den Lebensunterhalt bestreiten. Lebte seine Familie in Deutschland, so k├Ânnte er das nicht.

F├╝r den gemeinen Polen ist es eine M├Âglichkeit sein Leben zu meistern. Oft ist es die einzige M├Âglichkeit f├╝r ihn, bei der hohen Arbeitslosigkeitsrate in Polen.

Und was unterscheidet ihn von den Deutschen, die rund um ihren ostdeutschen Heimatort keine Arbeit bekommen haben und deswegen in die Fremde gingen, z.b. nach Schwaben, wo sie schon wegen der Sprache, schief angesehen werden. Und schief ansehen ist noch das Geringste.

F├╝r den Ostdeutschen war der Kontakt und auch manchmal die Freundschaft mit Polen selbstverst├Ąndlich. Er hat ├╝ber den kleinen Grenzverkehr die grenznahen Regionen besucht, hat gemeinsame Feiern mit der Parallelklasse eines Polnischen Lyzeums gehabt, vielleicht auch eine Freundin. Das alles bis die Grenzen nach Polen wieder geschlossen wurden, weil das ÔÇ×gemeinsameÔÇť Deutschland noch keine Friedens- und Freundschaftsvertrag mit Polen hatte und den der DDR auch nicht ├╝bernahm.

Als Polen dann zu Europa geh├Ârte, da konnten sie wieder r├╝ber. Nicht mehr wegen der Nachbarn, sondern wegen Zigaretten und Benzin geht es jetzt ├╝ber die Grenze.

Und die Polen kommen arbeiten.

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