Görlitz. Das Eichhorn.

Heut ist das Eichhörnchen wieder da.

Es klettert die Tanne hoch, wir manchmal von einem Ast verdeckt. Es läuft auf die Spitze eines weit ausladenenden Astes und springt zum nächsten Baum. Jetzt im Winter ist es nicht so einfach zu sagen ob es ein Apfelbaum oder eine Pflaume handelt.

Seitdem wir hier oben Quartier bezogen haben, beobachten wir das Eichhörnchen. Regelmäßig etwa auf der Hälfte des Vormittags, wenn die Hauspost durch ist, dann sehen wir es auf die Tanne klettern. Es verschwindet im grünen Gewirr der Nadeln. Wahrscheinlich knappert es irgendwo herum, taucht dann auf einem Ast wieder auf und hüpft zum nächsten Baum. Es erstaunt uns wie weit es springen kann. Das Herumlaufen auf dem dünnen wippenden Ast scheint ihm Freude zu machen. Es hält inne, lauscht in die Runde oder sucht eine neue Stelle an der es noch einen Tannenzapfen beknappern kann oder einen frischen Trieb. Wir haben Spaß an der munteren sicheren Bewegung im Dickicht der Äste, am Versteckspiel und an den akrobatischen Sprüngen.

Vor einigen Tagen kamen zwei Männer. Sie hatten Sägen mitgebracht und wir hörten das Geräusch der Motorsäge den ganzen Vormittag.

Ein Baum, es mag ein Apfel gewesen sein, war in den Zaun gewachsen. Die Zweige ausladend, hatten weit in das Grundstück hereingeragt. Für dieses Frühjahr, wenn der Baum wieder treiben würde,  drohte ein Ast in den Zaun hineinzuwachsen. Warum der gesamte Baum gefällt werden musste, das hat sich uns nicht erschlossen, aber es war für uns nicht wichtig. Der Baum steht auf dem Nachbargrundstück und nicht einmal wenn er auf dem Grundstück wachsen würde, auf dem das Haus mit unserem Büro steht, hätten wir etwas gegen die Fällung des Baumes unternommen.

Die Männer nahmen einige Felder des Zaunes ab um sich Zugang zu dem Baum zu verschaffen und auszuschließen, dass ein herabfallender Ast den Zaun schädigen oder gar zerstören könne.

Dann sägten sie zunächst die großen Äste und zerlegten diese in Stücke, die leicht auf einem Anhänger transportiert werden konnten. Dann schnitten sie den oberen Teil des Stammes ab und zerlegten diesen ebenfalls. Für die Verarbeitung zu  Brennholz waren allerdings die Stammteile noch zu groß. Dazu hätte der Stamm in Scheiben geschnitten werden müssen, so dass sie sich durch einen Hieb der Axt in Scheite hätten teilen lassen können.

Die Männer luden den zerlegten Baum auf einen Autoanhänger, brachten die Zaunfelder wieder an ihre Stelle und verschwanden.

Wir warteten gespannt auf unser Eichhörnchen. An diesem Tage kam es nicht mehr. Es dämmerte auch bald und wir verließen das Büro später als sonst. Am nächsten Tag war das Tier auch nicht zu sehen. Aber heute, heute ist es wieder da. Es läuft die Tanne hoch, verschwindet hinter dem grünen Vorhang der Nadeln, taucht auf, läuft den Ast bis zu seiner Spitze und springt. Der Baum, der ehemals an dieser Stelle stand, ist verschwunden.  Das Tier fliegt und … landet sicher und als wenn es nie anders landen wollte, auf dem nächsten Bäumchen, um dann schnell mit einem weiteren Sprung in der Tanne zu verschwinden.


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