Archiv für August 2019

Die Wahl und der Umweltschutz

Da ist eine Kleinstadt in Deutschland, sagen wir, sie liegt nahe eines Speckgürtels einer Hauptstadt und sie ist fast noch Speckgürtel und demnächst ist wieder mal Wahl.

Die Politiker aller Parteien gebärden sich kinderfreundlich und bürgerfreundlich und umweltfreundlich. Die einen wollen „Arbeit schaffen“(!), die anderen wollen bessere Bedingungen für Kinder und die nächsten wollen sich für Gerechtigkeit(!) einsetzen. Manche wollen alles zusammen und andere fühlen sich  nur für das Tierwohl verantwortlich.

Alle, fast alle, meinen mit der Verpflichtung, das Klima schützen zu wollen, bei den Wählern punkten zu können. An konkreten Vorschlägen aber mangelt es in der Kleinstadt, denn sie steht weder auf Braunkohle und soll demnächst abgebaggert werden, noch betreibt sie eine Erdölraffinerie oder gar ein Kohlekraftwerk. Da gehen den Umweltschützern die Ideen und Argumente aus. Die Stadtversammlung kann ja schließlich nicht den Eigenheimbesitzern die Nutzung von Fernwärme empfehlen, wenn es an einem Erzeuger mangelt. Auch das innerstädtische Fahren mit PKW-Dieseln würde mit Unverständnis aufgenommen werden.

Die Vertreter scheuen sich auch vor dem weiteren Zubau von Groß-Elektrowindmühlen.Denn alle, na gut, sagen wir, viele Bürger, sind schon genervt von der Verschandelung der Landschaft und der Bezahllüge, die hinter der Umwelt-Energie steht.Der Rentner hat auch dazu keine Kohle, äh, Geld.

Ein Vorschlag, wie die Parteien und die Kommune ihren Willen zum Schutz der Umwelt eindeutig und zielführend bekunden können, hätte ich. Alle Parteien könnten ihn schnell noch in ihre Programme aufnehmen:

Verbietet den Grossisten die Verbreitung von Werbematerial an die Haushalte. Daraus ergibt sich nicht nur Umweltschutz, sondern auch eine wirkliche Einsparung für den Bürger. Hier einige Fakten:

  • Es sind viele Tonnen Papier, die kaum gelesen werden, aber viel Aufwand erzeugen.
  • Der Bürger bezahlt die Herstellung des Werbematerials, weil die Kosten auf die Supermarktwarenpreise umgelegt werden.
  • Der Bürger bezahlt auch die Verbreitung (über die Preise) und den Abtransport in der „Blauen Tonne“ (an die Stadt).
  • Für die Herstellung werden Materialien verbraucht, unter anderem Holz für die Papierherstellung. Die Bäume bräuchten nicht gefällt werden.
  • Für die Herstellung werden Ressourcen, wie zum Beispiel Wasser, verbraucht, welches dann ungeklärt für anderes zur Verfügung stehen würde.
  • Die Herstellung der Druckfarben und deren spätere Entsorgung bringt unnatürliche chemische Stoffe in die Umwelt.
  • Der An-Transport der Werbung (sowie alle Transporte) nutzt die Straßen ab (LKWs!), verstopft die Straßen und trägt Dieselabgase in die Atmosphäre ein.
  • Mehr als die Hälfte aller Werbematerialien landet ungelesen/ unangefasst in der Tonne.

Als Gegenargumente muss ich mir sicher anhören:

  • Werbung ist ein Grundbedürfnis für die Unternehmen!
    • Aber, wenn sie keiner/ kaum jemand liest?
    • Man kann den Firmen Flächen an belebten Plätzen zur Werbung anbieten.
    • Jeder, der das Papier haben möchte, kann es bestellen.
  • Werbung sichert Arbeitsplätze!
    • Da die Werbung schon eingepreist ist, können die damit Beschäftigten bezahlt werden, ohne dass sie etwas dafür tun müssen, die Umwelt würde trotzdem besser dastehen.
    • Lasst stattdessen Bücher drucken. Die Leute könnten lesen.
  • Das verzerrt den Wettbewerb!
    • Im Gegenteil, die kleinen innerstädtischen Läden, die bisher keine Werbung großflächig streuen konnten, werden wieder gleichberechtigt.
    • Alle Supermarktketten haben die gleichen Bedingungen.
  • Die Werbung wird zumeist aus Recyclingmaterial hergestellt und stellt keine Umweltbelastung dar.
    • Das ist ja….. man kann es ich schönreden.
    • Es bleiben Transport, Farben, Entsorgung usw.
  • Sicher gibt es, wie immer, noch hunderttausend andere Argumente. Besonders dagegen. Dafür sind wir immer gut. Vor allem aber wird der Bürger immer verantwortlich gemacht für alle die Umweltsünden und auch für Regulierung. Dabei ist die Politik da, um es zu regeln

So könnten Schritte zur Einsparung von Umweltbelastung und Menschenbelastung unternommen werden.

Aber wir wählen wieder. Wir wählen. Statt  zu fordern. Die Parteien werben für sich und wir Bürger sollten von ihnen sinnvolle Taten fordern. Machen wir aber nicht.

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CO2 und die Steuer

Die unten stehende Tabelle ist ein Auszug aus den Statistiken des  Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. (https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung-fischerei/tabellen-zu-ernaehrung-und-fischerei/)

Hier ist zu lesen, dass im Jahre 2018 etwa 4.87.900 Tonnen Fleisch (Schlachtgewicht) in die Bundesdeutsche Republik eingeführt wurden. Also etwa 0,49 Millionen Tonnen.

Der jetzt geschlossene Vertrag mit den USA sieht eine Anhebung der Einfuhren von dort auf 35.000 Tonnen vor. Aus Lateinamerika (Argentinisches Steak!) wird die Einfuhr im gleichen Zeitraum auf 10.000 Tonnen abgesenkt.

Meine erste Frage bei Betrachtung der Zahlen ist: Was soll dann die Aufregung um diesen Vertrag, wenn es sich beim Handelsanteil der USA nur um einen Anteil am Handelsvolumen von nicht einmal 10 Prozent handelt und sich der Gesamtanteil wegen der Verringerung des lateinamerikanischen Anteils fast gar nicht verändert?

Meine nächste Frage angesichts der obigen Zahlen ist: Warum wird so viel Fleisch rein und raus transportiert? Mal ein paar argentinische Steaks importieren, das sehe ich ein, haben doch dort die Weiden einen ganz anderen Geschmack. Auch das zerhackte Rindfleisch für das amerikanische Fastfood-Erlebnis muss natürlich aus dem Ursprungsland sein. Aber warum werden die anderen 400.000 Tonnen Fleisch jedes Jahr durch die Gegend gekarrt?

Werden hier deutsche Schwarz-Weiss-Rinder mit polnischen Viechern getauscht oder ungarische Fleischrinder mit Bayrischen? Wozu? Vielleicht bin ich zu ungebildet in Sachen Landwirtschaft und Nahrungsmittel. Viellicht taugt ja die Schwarz-Weiße nicht für ungarische Salami. Dann soll mir das jemand erklären.

Meine dritte Frage zu den Zahlen: Warum verbrauchen wir jedes Jahr mehr Fleisch, wenn wir doch alle wissen, dass es gesünder ist, mehr Gemüse zu essen und wir ja inzwischen alle Diät- und Ernährungsprofis geworden sind?

Ich versuche mal die ganz kurzen Antworten auf meine Fragen selbst zu finden:

Zu 1: Es ist einfach, weil sie immer Geschrei machen müssen, um die Leute im Sommerloch zu beschäftigen und von anderen, eigentlich wichtigen Fragen, abzulenken, oder weil sie es nicht besser wissen.

Zu 2: Es verdiene eine Menge Leute daran, das Fleisch hin und her zu karren. Das macht das Fleisch teurer, bezahlen muss es der Käufer im Supermarkt. Aber es verbraucht so schön den LKW-Diesel, man kann schöne große LKW für den Transport bauen, die Straßen und Brücken müssen instand gehalten werden, das bringt Geld für die Bauunternehmer. Wenn jetzt wieder das Totschlagargument kommt „Aber die LKW-Fahrer hätten keine Arbeit!“, dann sage ich: „Schickt sie einfach fünf Jahre früher in die vollbezahlte Rente. Die gesparten Gelder des Transportes könnten für ihre Rente verwendet werden. (Es ist nämlich eine NULL-Leistung, wenn das Fleisch nur hin- und her gekarrt wird. Und dafür werden die Fahrer ja auch bezahlt.)

Zu Drittens: Solange die Werbung für den Verbrauch von Fleisch läuft, solange das Gemüse so unattraktiv ist, solange wird auch der Verbrauch gesteigert. Die Vegetarier sind nicht so zahlreich, wie es die Aufmerksamkeit vermuten lässt. Aber die Industrie verdient jedes Jahr an unserem Konsum. Und deshalb muss er gesteigert werden. Mit allen Mitteln. Die Erhöhung der Steuer auf Fleisch wird diskutiert. Vielleicht ist das nur eine Sommerloch-Diskussion. Ebenso ist eine „CO2-Steuer“ ständig im Gespräch. Wenn die Bundesregierung nach einem Beschluss des Bundesparlaments ein einfaches Gesetz zum Verbot oder zur drastischen Reduzierung von Fleisch Im- und Exporte verabschieden würde, wäre mindestens die Reduzierung des CO2-Ausstoßes schon mal angegangen. Und das ist ja angeblich der Zweck der Erhebung der beiden Steuerarten: Die Fleischsteuer (auf 9%) und CO2-Steuer (auf den errechneten Ausstoß) sollen zur Reduzierung der Erzeugung von Treibhausgasen beitragen.

Leo Lewin

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