…und uns vor den Abzockern. Da kommt doch die blanke Angst hoch. Die Börsenkurse fallen ins Bodenlose. Das hatten wir doch vor Kurzem erst! Wir erinnern uns: Es ist gerade  drei  Jahre her. Die Kurse fallen, Kurzarbeit in Deutschland für tausende, Arbeitslosigkeit für viele sogar, auf jeden Fall aber ein schreckliches Jahr für alle Aktieninhaber.

Wie unbedeutend erscheint uns da der Abzug der Botschafter von Kuwait und Saudi Arabien (zwei enge Verbündete der USA) aus Syrien, wie nebensächlich ist da der Vorstoß des Herrn Friedrich zur Zensur des deutschen Internets. Fest schließen wir in unsere Gebet alle Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführer, Inhaber und Investoren ein: Lieber Gott, lass sie jetzt die Nerven behalten! Lass sie fest glauben an Dich und den reinen Markt! Lass sie nicht innehalten in ihren Bestrebungen Waren für das nahe und ferne Ausland zu produzieren! Wenn es sein muss dürfen es auch Waffen sein.

Der Glauben der Regierung indess scheint unerschütterlich. Sie telefonieren aus ihren Urlaubsquartieren, tauschen Wetterdaten aus und sind sich einig, es war noch nie so schlechtes Wetter, wie in diesem Jahr. Gelegentlich, wenn einer nervös wird, bekennen sie sich zur Stabilisierung, gestehen ein, dass eine Unbeständigkeit der Märkte die Weltwirtschaft gefährden könnte und versprechen ihm in engen Kontakt zu bleiben.

Gleichgültigkeit oder Unfähigkeit? Wahrscheinlich beides. Von Zeit zu Zeit wird ein neues Konzept aus dem reichen Fundus der Theorien über die Marktwirtschaft herausgeholt.  Mal ist es die „freie“, dann die „soziale“, mal ist es Mister Adam Smith, mal Ludwig Erhard. Alle haben den Makel, dass irgendwann festgestellt wird, dass alles ganz anders oder – überhaupt nicht funktioniert.  Börsendaten vorauszusagen gilt selbst in eingeweihten Kreisen als Kaffeegrundleserei. Allerdings, die Voraussage ist gar nicht so schwer: Es geht immer hoch und runter, mal ein bisschen mehr und mal ein bisschen weniger. Und immer verdienen da Leute dran. Meist die, die sowieso schon genug haben. Und immer verlieren Leute dabei ( Wo Gewinner sind müssen Verlierer sein!).

Die Regierenden versuchen vorsichtige Rettungsversuche. Soweit ihre Kompetenz es zulässt. Der Bundestag kommt ja erst im September wieder aus dem Urlaub. Solange kann man ja mal aus der Ferne zusehen, wie das so abläuft.   Ein wenig Vertrauen in die Selbstregulierungskräfte sollte man schon haben.

Aber ansonsten gibt es ja immer noch die Rettungsschirme. Griechenland hat seinen, Spanien und Italien werden einen bekommen und der ganze Euro wird einen bekommen. Dann steht alles unter dem Schirm, drauĂźen plattert es wie aus GieĂźkannen, aber man steht trocken , nur die FĂĽĂźe werden nass.

 Die Regierungen, bzw. die zentralen Banken, verkaufen Staatsanleihen. Damit sich das lohnt für die Banken müssen die Zinsen der Staatsanleihen rauf und die anderen Kreditzinsen runter. Oder umgekehrt. Das ist auch vollkommen egal, hauptsache Staatsanleihen. Das ist sicheres Geld.

Die chaotische Bewegung der Kurse zwingt die Regierenden zu reagieren. Soll die Volkswirtschaft nicht in eine tiefe Rezession fallen, soll der Warenfluss und damit die Wirtschaft in Gang bleiben, dann mĂĽssen die Regierenden regulieren.

Jeder Cent, der in irgendwelche Rettungsschirme gepumpt wird, landet schließlich bei den Privatbanken. Ein schönes Geschäft. Vor allem für die Banken. Vollkommen risikolos und so schön einträglich. Jeder Cent der Staatsverschuldung gehört den Banken – und ist vorher von den Menschen an den Fließbändern, in den Entwicklungsbüros, bei der Ausbildung des Nachwuchses usw. erarbeitet worden.  Das Erarbeiten, das werden die da unten weiter tun, damit sie schön Steuern zahlen können und damit der Staat den Schuldendienst bedienen kann, an die Privatbanken. Wenn das nicht reicht, wird eben mal ein wenig Tafelsilber verscherbelt. Wenn die Staaten das nicht von selber tun, dann werden sie dazu gezwungen, mit Hinweis auf den Schuldenschirm, der ja für sie sonst nicht aufgespannt wird.

Das ist der ewige Kreislauf. Oder besser: Das ist die ewige Einbahnstraße. Die einen arbeiten bis sie Krebs bekommen oder einen BurnOut haben, die anderen fahren die dicken Jachten, verjubeln das Geld in den Kasinos, lassen sich Kaviar vom Schwarzen Meer kommen und hängen sich stockhässliche giftgrüne Bilder ins Wohnzimmer. Glücklich macht das auch nicht.  

Die Krise erfĂĽllt ihren Zweck. Lassen wir es laufen. Oder will da irgendjemand Chaos auf den StraĂźen, wie in Athen oder London oder noch schlimmer, weil das auf andere Art und Weise nicht zu stoppen ist??

Rating 3.00 out of 5
[?]

Tags: , ,