Jetzt ging das los. Jetzt haben sie angefangen. Im schönen Havelland sind sie dabei eine Bombe zu vergraben. Oben fährt die Ketziner Fähre über die Havel, Besucher sitzen auf der Terrasse des Lokals an der Fähre und schauen auf die vorbeiziehenden Segelboote, unten tickt der Zeitzünder. Die Uhr ist eingestellt. Es sind dreißig Jahre. Bis dahin übernimmt das Konsortium die Garantie. Was ist, wenn die Garantie ausläuft kennen wir von Auto und Waschmaschine: Schluss, aus, nichts geht mehr, den Schaden trägt der Nutzer.

Es werden fast 50 tausend Tonnen CO2 in eine Tiefe von 800 Meter gepumpt. Die Speicherung soll in Salzwasser führenden Sandsteinschichten oder in ehemaligen Erdgasfeldern erfolgen.  Bei Ketzin gibt es eine Sandsteinschicht, die Salzwasser führt. Wird dort das CO2 hineingegeben, so entsteht Selterswasser(kohlensäurehaltiges Mineralwasser). Wir könnten also Vattenfall danken und eine Mineralquelle eröffnen, in der gleich Wasser gefördert wird, in dem schon der Sprudel drinnen ist. Der könnte gleich an der Ketziner Fähre verkauft werden.

Achtung übrigens: Beim Öffnen einer Flasche Mineralwasser, diese kleinen aufsteigenden Blasen, die so angenehm erfrischend der Kehle des durstigen Wanderers  schmeicheln, das ist reines CO2! Schonen Sie die Umwelt! Trinken Sie umweltbewußt! Vermeiden Sie das öffnen von Wasserflaschen!

Die Risiken sind natürlich vom Konsortium genau erkannt worden. Da sind Risiken bei der Einhaltung des Zeitplanes, Kosten- und Personal-Probleme, Probleme beim Bohren, die auftreten können, und so weiter. Auch das Risiko mit der Wasser-Ressource ist aufgelistet. Allerdings weit hinten. Von wegen der auslaufenden Garantie.

In Deutschland werden pro Jahr rund 900 Millionen Tonnen CO2 „produziert“. Es müssten also rund 20.000 solcher Löcher in die Erde gemacht werden, um alles unter die Erde zu bringen. Wahrscheinlich würden wir dann „Deutsche Platte“ heißen und auf einem sprudelnden Mineralwassersee schwimmen.

Die Seite im Internet, die von einem Konsortium betrieben wird, ist in englischer Sprache. Sie trägt also kaum zur Information der breiten demokratischen Schichten unserer Bevölkerung bei. Dem Konsortium gehören neben Vattenfall und RWE auch Ingenieurgesellschaften und Forschungsunternehmen an. Zwei ausländische Universitäten sind vertreten. Die sehen sich den Schaden aus der Ferne an. Das, was sich da so offiziell anhört, ist allein kommerziell gesteuert.

Die Abscheidung des CO2, so dass es verpresst werden kann, senkt den Wirkungsgrad des Kraftwerkes um 10 Prozent. Heißt: Um 10 Tonnen CO2 in einen Tankwagen zu bekommen muss eine Tonne CO2 zusätzlich erzeugt werden. Die CO2-Bilanz der ganzen Geschichte ist auch höchst umstritten.

Gas- Speicherung im Untergrund muss nicht gefährlich sein. Seit Jahrtausenden gibt es Gasblasen unter uns im Gestein. Sie werden angebohrt und stehen uns dann als Erdgas zur Verfügung. Allerdings verhält sich CO2 ein wenig anders als das Erdgas. Das sagt schon die Bezeichnung: CO2 – Kohlensäure, ist sauer. Das Wasser reagiert, das Gestein reagiert und keiner kann wirklich sagen, wie. Es fehlen schlicht die Forschungsergebnisse.  Kanada hat vor Jahren einen Versuch abgebrochen. Die Gründe sind nicht genau bekannt. Vielleicht haben die Eskimos protestiert, weil sie nur noch Selters aus ihren Naturquellen trinken konnten. Vielleicht wurde es als unwirtschaftlich erkannt, nachdem die Fördergelder ausgelaufen waren. Warum nun gerade in einem dichtbesiedelten Gebiet ein neuer Versuch unternommen wird, läßt sich nur vermuten. Meine Vermutung ist: Geldgier. Auf keinen Fall aber kann die Schonung von Umwelt und Mensch das edle Ziel sein.

Und diejenigen, die sich für das allgemeine Wohl vorausschauend einsetzen sollen, die dazu verpflichtet sind und sich haben verpflichten lassen?

Der zuständige Ministerpräsident, samt seiner Regierung, ist dagegen. Trotzdem wird es gemacht. Also entweder lügen die alle frech in die Zeitung hinein oder diese demokratisch gewählten Leute sind nicht in der Lage die Interessen, unsere und ihre, zu vertreten. In beiden Fällen steht die Frage: Wozu brauchen wir die Demokratie???

Die Anwohner haben bestimmt Plakate aufgehängt. Ich war nicht dort in letzter Zeit. Die Bürger haben keine Chance. Wenn sie sich wenigstens einig wären, aber auch das ist nicht. Die einen sagen: Dann kommen Arbeitsplätze in die Gegend. Die nächsten sagen: Na ist doch gut, wenn das CO2 unsere Umwelt nicht mehr schädigen kann. Dann gibt es welche, die sagen: Bis das hoch kommt bin ich längst verfault. Und es gibt diejenigen, die sagen: Wir müssen die Verantwortung übernehmen, für uns und für unsere Kinder, wir müssen das Risiko minimieren. Diese Leute allerdings sind eindeutig in der Minderheit.

Die da die Verpressung vorantreiben sind auch eine Minderheit. Allerdings sind sie nicht Volk und auch nicht demokratisch gewählt, sondern haben sich die notwendige Macht verschafft. So einfach ist das.

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