Artikel getaggt mit Lybien

Auf, nach Afrika.

Wir wollen endlich mitmischen. In Afghanistan Flagge zeigen hat nicht sehr viel Sinn gemacht. Die deutsche Bevölkerung hat leider immer noch nicht eingesehen, dass die Werte, vor allem der deutschen Wirtschaft , am Hindukusch verteidigt werden müssen. So sehr viel rauszuholen für die deutsche Wirtschaft ist auch nicht, weil das Regime in dem Land immer noch zu instabil ist und es auch auf absehbare Zeit bleiben wird.

Aber Lybien. Oel! Da müssen wir hin. Da müssen wir endlich mal ein Stückchen vom Kuchen abbekommen. Die Briten und die anderen haben das Terrain vorbereitet. Jetzt können deutsche Einheiten nachstoßen. Vielleicht sind sie schon da und die Bundesregierung weiß wieder von nichts oder will nichts wissen.

Egal. Es ist Oel da und der Kuchen wird neu aufgeteilt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Warum also warten bis der deutsche Bundestag wieder aus dem Urlaub zurück ist? Und dann fällen sie vielleicht wieder so eine  halbherzige Entscheidung oder gar keine und dann haben die Engländer und die Italiener und die USA sowieso, wieder die besten Stücke erwischt. Solange darf nicht gewartet werden. Und es ist doch im Interesse des Deutschen Volkes, wenn endlich wieder stabile Verhältnisse an der wunderschönen Mittelmeerküste herrschen. Und die Konzerne können auch was abhaben, sie bauen die zerstörten Städte wieder auf, vermarkten das Oel, mit dem ja auch der deutsche Autofahrer fährt und sie bauen neue Werke in denen dann die Lybianer billig für die deutsche Industrie arbeiten können. Und wenn es der deutschen Industrie gut geht, dann geht es doch uns allen gut, Oder?! Sieht man doch an der Dutschen Bank und an Siemensens und an EOn.  Vielleicht können sogar Aldi-Filialen eröffnet werden. Die dann die Kartoffeln von deutschen Bauern verkaufen und Wein aus pfälzischer Produktion. (Ach, die Muselmänner trinken ja keinen Alkohol.) Export ernährt uns jedenfalls, jedenfalls die deutschen Wirtschaftsbosse und die Aktieninhaber. Was für wunderschöne Kredite können von der Deutschen Bank an die Deutsche Regierung ausgereicht werden um sie den Deutschen Unternehmen für den Aufbau ihrer Deutschen Filialen in Lybien zu geben, als Entwicklungshilfe. Rückzahlung und Zinsen kommt vom Deutschen Steuerzahler. Die Welt ist in Ordnung.

Wir könnten dann mal die deutschen Panzer aus dem Schuppen holen (nicht immer nur diese leichten Schützenpanzer, das macht ja nicht wirklich Spaß) und im Wüstensand erproben und die Deutschen Transportflugzeuge würden über das Mittelmeer hin und her fliegen und dann könnten ein paar mehr gebaut werden, denn dann sehen wir ja wie sie taugen.

Auf nach Afrika. Der eine oder andere wird sicher seine Strandvilla mit eigenem Jachthafen beziehen können, ganz preiswert, in Italien ist ja inzwischen so wenig Platz und in Monaco ist alles so teuer.

Jetzt können alle, die schon immer auswandern wollten, endlich ihre Koffer packen. Aufbruchstimmung überall. Gerade die jungen Leute, die ja über die ach so schlechten Perspektiven klagen, können sich jetzt bald einschreiben. Dann werden sie sich mit ihren netten Kameraden von der neuen Afrika-Schutztruppe in leichter Tropenausrüstung bei wichtigen Aufgaben für das deutsche Volk und vor allem die deutsche Wirtschaft bewähren können. Schon Kaiser Wilhelm IV. sagte: „wenn wir ersteinmal da sind, dann werden wir die Sonne genießen.“

Ob nun Gaddafi noch lebt oder nicht, es wird ersteinmal ein unter den Einheimischen ein Mordsgerammel geben. Dem ist vorzubeugen. Die Clans sind sich nicht einig, aber jeder will jetzt das Sagen haben, denn nur dann gibt’s für ihn das große Geld. Die Chefs werden Bürgerkrieg untereinander machen, wenn nicht einer da ist, der das Ganze ein wenig lenkt. Schon deswegen ist es notwendig eine Schutztruppe zusammenzustellen.

Dabei geht es nicht so sehr um die Eingeborenen. Ein paar mehr oder weniger, wen stört das?! Sie werden sich auch damit abfinden müssen wieder ihre Kopftücher aufsetzen zu müssen. Auch werden sie akzeptieren müssen (warum haben sie denn solange so einen Despoten wie den Gaddafi geduldet?)  dass aus ihrem Land mit dem einst in der afrikanisch-arabischen Welt höchsten Lebensstandard  wieder ein ganz normaler arabischer Staat wird. Vielleicht müssen einige sogar wieder hungern, aber das ist doch normal in Afrika, warum sollten nicht auch mal ein paar Lybier hungern? Es wird nur wenige Jahre dauern, dann werden sie sich an den westlichen Lebensstil gewöhnt haben.

Auf nach Afrika.

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Wie ist der Plan?

Erst ist die Türkei dagegen, dann ist sie dafür. Erst will die NATO nicht, dann doch, Deutschland enthält sich, stellt aber alle möglichen Hilfsmittel. Was ist da im Gange? Laut demokratischer Medien gibt es keine gemeinsame Führung. Die Franzosen stoßen vor, die Engländer fliegen Angriffe und die Amis auch.

Wer glaubt, dass solch ein Krieg ohne jede Führung und ohne „Kollateralschäden“ durchzuführen wäre, mache folgenden Versuch:  Er verabredet sich mit Freunden und Familienmitgliedern. Man stelle sich als gemeinsames Ziel, den im Garten störenden Maulwurf zu verjagen. Natürlich müssten alle versprechen, keine der Pflanzen zu zerstören, die Kohlrabi und Zucchini auf keinen Fall zu schädigen und auch die Gartenwege und den Zaun in Ruhe zu lassen. Die Pflanzenfreunde würden das Vorhaben wegen „Nicht-Durchführbarkeit“ ablehnen. Einige würden vorschlagen die  Sauerstoffzufuhr zum Garten zu unterbinden, um dem Maulwurf die Luft zum Atmen zu nehmen. Und die „Willigen“, die dann doch noch kommen, würden ohne Plan, sich gegenseitig behindernd oder sogar verletzend, aus dem Garten eine wüste Landschaft machen. Mit den Gartenfreuden wäre es jedenfalls zu Ende. Die Zucchini wären vernichtet.

Viele der Bilder, die wir aus Lybien sehen sind schlichtweg falsch. Und die Kommentare der Medien dazu sind falsch und tendenziell. Die Lügenmaschine läuft. Die Menschen vor den Fernsehern  haben keine anderen Quellen. „Der Diktator muss weg,“ tönt es. Die Verwüstungen der Leute mit dem Spaten werden dem Maulwurf zugeschrieben. Nicht ein einziger Maulwurfshügel kommt ins Bild.

In der Nacht früh um halb vier brüllt der eine  „Zeitung“ – Verteiler auf der Straße dem anderen zu: „Hast Du schon gelesen, Liz Tailor ist tot.“ Der andere geht nicht mal auf diese so wichtige Meldung ein, er macht dem anderen den Vorwurf: „Du bist in meiner Straße!“ Er hat den Versuch der Ablenkung erkannt. Und die nachher geführte lautstarke Auseinandersetzung weckt die halbe Straße.

Aber die wollen eigentlich nur ihren gutbürgerlichen Schlaf. Die interessieren sich nicht für Liz Tailer, jedenfalls nicht zu dieser Stunde und auch nicht dafür, wer in welcher Straße die Zeitungen verteilt.

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Das Imperium schlägt zurück

Jetzt haben sie einen Grund. Den haben sie sich auch noch selbst geschaffen. Richtige Planung ist entscheidend! Es ist so leicht ein paar Dissidenten zu finden und sie einen Bürgerkrieg entfesseln zu lassen. So oft wurde es schon geübt und wieder hat es geklappt. Und dann muss die Freiheitsbewegung natürlich unterstützt werden. Die Unterdrückung der Demokratie muss beendet werden. Fix wird das Ganze noch durch den UNO-Sicherheitsrat abgesegnet (Gegen geltendes Völkerrecht, aber dass ist sowieso egal) und schon können die Raketen starten.

Um es deutlich zu sagen: Das ist Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates. Das ist die Kriegserklärung gegen einen Staat! Das geltende Völkerrecht verbietet den Eingriff von außen in einen Bürgerkrieg.

In und vor Kriegen läuft die Lügenmaschine auf vollen Touren. Auf allen Seiten. Deshalb ist keinem der Berichte Glauben zu schenken, von welcher Seite sie auch immer kommen. Wir sehen einen abstürzenden Kampfjet. Er geht auf ein Wohngebiet nieder. Wir sehen FlaG-Feuer. Wir sehen startende Raketen und Brände in irgendeiner arabisch anmutenden Stadt. Wir hören von 124 abgefeuerten Tomahawk-Raketen. Wir hören von 24 abgefeuerten Raketen. 22 Ziele sollen getroffen worden sein. Was stimmt?

Das einzige was unumstritten ist: Die westlichen Nationen und die USA haben Kriegsschiffe und Kriegsflugzeuge eingesetzt um Ziele in Lybien zu beschießen. Und sie haben getroffen. Sie haben wie in Afghanistan, wie in Jugoslawien, wie im Irak nicht nur militärische Ziele „erwischt“, sondern es wurden wieder zivile Ziele getroffen.  

Gaddafi ist ihnen auf der Nase rumgetanzt. Jetzt schlagen sie zurück. Was Gaddafi auch immer getan hat, was er auch immer tut. Er ist das Staatsoberhaupt eines souveränen Staates. Er hat nichts getan, was auch andere Führer arabischer Staaten nicht auch getan hätte, außer: Er ist ihnen eine ganze Weile auf der Nase rumgetanzt.

 Auf den „Ruf eines bedrohten Volkes“ (Obama) in Bahrein  hatten sie auch gehört, da haben sie die Saudischen Truppen hingeschickt. Allerdings wurden da die Rebellen beschossen. Sicher kein Irrtum. In Lybien nun beschießen sie die staatlichen Truppen. Und das soll sicher nicht als Gegengewicht für das Eingreifen in Bahrein sein. Es hat die gleichen Ziele: Die Sicherung bzw. Schaffung der Herrschaft der westlichen Ideologie.

Erschreckend ist, dass sich die Westeuropäer an sich und dann auch noch die USA einig sind in ihrem Vorgehen. Hat die Planung des Irak-Krieges über ein Jahr gedauert, so sind hier innerhalb weniger Tage Entscheidungen getroffen worden.

Es muss ihnen schon ganz schön wichtig sein diesen Brand einzudämmen. Und es muss ihnen wichtig sein, die Stärke und Einheit zu demonstrieren, denn alle Vermittlungsversuche (Afrikanische Union, Arabische Liga, Venezuelas Präsident, Gaddafi selbst) wurden einfach ignoriert. Der Krieg war beschlossen, genehmigt und wird durchgeführt. Na dann „Gute Nacht“.

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KT oder: Umfrage

Er wird sich eines Tages in die Reihe der Großen dieser Nation einreihen dürfen, neben Kohl und  Lübke, Strauß und Biermannn. Fast ist er schon Teil der Deutschen Geschichte. Jedenfalls ist er ersteinmal Geschichte.

KT, wie er inzwischen liebevoll genannt wird, bekommt den Großen Zapfenstreich. Einer, der betrogen hat, der es zugegeben hat und dem eine Klage wegen des Betruges droht, bekommt höchste Ehren. Das rührt uns, der taffe Baron, der sich doch nur hat erwischen lassen, muss nun abtreten. Die Umfragen bestätigen die Trauer der Nation. Nach unterschiedlichen Angaben würden etwa 73 Prozent der Bundesbürger sich wünschen, dass KT in die Politik und Regierung zurückkehrt. Frau Merkel auch.

Wie wird eine Umfrage gemacht: Um die gewünschte Antwort zu geben wird ein kostenloses Telefon eingerichtet; für die unerwünschten Antworten wird dann ein kostenpflichtiges Telefonieren angeboten.

Beispiel:

Frage: Würden Sie KT gern als Bundeskanzler sehen? Kostenlos unter 0800xxxxx.

[Ja oder JA oder ja, Nur Leser von Bunte und Bild rufen überhaupt dort an]

Frage: Ist KT ihr Lieblingsminister? Kostenlos unter 0800xxxx. [Nur Leser von Bunte und Bild rufen überhaupt dort an]

Frage: Würden Sie KT als Betrüger verurteilen? Anruf unter 0800xxxy, 48 Cent aus dem deutschen Festnetz.

[Warum sollte ein noch nicht verblödeter Bundesbürger für die Beantwortung dieser Frage Geld ausgeben wollen???]

Der Musikdirektor war glücklich. Sonst immer nur diese öder Staatsempfänge mit öden Staatshymnen oder öder Marschmusik. Jetzt können seine Jungs mal zeigen was in ihnen steckt. Gönnen wir ihnen diese kleine Eitelkeit.  Ihre Kameraden mit der Waffe in der Hand werden ja bald wieder anderswo Gelegenheit haben ihre Tapferkeit zu zeigen.

Die Umfragen werden schon vorbereitet:

Frage: Solle gegen den Lybischen Diktator Gaddaffi eine Flugverbotszohne eingerichtet werden ? Kostenlos unter 0800xxxxx

[Ja,Ja,Ja!]

Frage: Sollen deutsch Truppen, wie einst Rommel siegreich in Tobruk einziehen? Kostenlos unter 0800xxxx

 [Ja, ja, ja]

Also auf nach Afrika!

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Lybien, heute

Es ist unübersichtlich, enorm unübersichtlich. In fast allen arabischen Ländern ist Aufruhr, Revolte, Revolution. Wer will das einschätzen, wer hat den Überblick?

Die Ereignisse in Lybien überschatten jede andere Berichterstattung aus der uns fremden Welt des arabischen Raumes. Wir wissen, Rommel ist da rumgefahren mit seinen Panzern, hat aber wieder abziehen müssen. Die Engländer vertrieben ihn, nicht die Araber. Wir wissen, alles Islamisten in der Gegend, viel Öl, schöne Strände, monumentale Bauten, die man sich vom Rücken eines Kamels aus ansehen kann. Wüste, in Kleidern laufende Scheichs, quirlige Märkte, auf denen exotische Dinge rumliegen und Frauen werden manchmal ignoriert.

Das alles ist so weit weg (außer man ist im Urlaub da, aber auch dann) und es ist gut so, solange die Scheiche regelmäßig das Öl liefern.

Es ist unübersichtlich. Einzig die deutschen Nachrichten vermitteln das einzig richtige Bild: Gaddafi ist (fast) gestürzt. Die Aufständischen sind auf dem Vormarsch. Dann wieder nicht.

Widersprüchliches. Wo ist Revolution, wo geht es hin? Revolutionen haben die Eigenart, dass niemand weis, wo sie wirklich hingehen. Da ist es besser, wenn wir das ein wenig lenken.

Die Amerikanischen Kriegsschiffe, erst vor kurzem in Richtung Rotes Meer gedampft, kommen wieder zurück, um vor Libyen Stellung zu beziehen. Konfusität, planen die Amerika einen Luftschlag gegen Lybien? Reicht da denn noch der Atem des so großen westlichen Verbündeten noch? Afghanistan, ein Desaster; Irak, läuft auch nicht so wie geplant, aber überall sind große Personalstärken gebunden. Da wird Europa wieder helfen müssen. Zwei Deutsche Kriegsschiffe sind schon vor Lybiens Küste eingetroffen und ein Versorger. Wann werden sie eingreifen? Wird Deutschland wieder eine Luftunterstützung geben? Wird Europa wieder, wie in Jugoslawien, unterstützen müssen? Deutsche Soldaten helfen bei der Evakuierung aus Lybien. Deutsche Militär-Flugzeuge landen auf lybischem Staatsgebiet. Auf einem deutschen Flughafen werden Amerikaner von einem Araber erschossen. Wann werden Deutsche in Deutschland erschossen? Deutsche Luftwaffe fliegt nach Kreta. Wird die Invasion vorbereitet?

Der Krieg tobt hier, hier vor unserer Haustür. Die Benzinpreise steigen und steigen. Die Beimischung von Alkohol in den Sprit verunsichert. Die Ölkonzerne sagen: Alles von der Politik so gewollt, Die Politik sagt: Wir wollen doch was für die Umwelt tun. Die Autokonzerne sagen: Wir übernehmen keine Garantie. Die Nachrichten sagen: Öllieferungen sind gesichert.

Der Autofahrer tankt den noch viel teuren Super-Super-Benzin. Er will ja nicht sein Auto ruinieren, mit dem er täglich zur Arbeit fahren muss. Aber wie lange kann er das noch tun? Sein Einkommen steigt nämlich nicht so wie die Benzinpreise! Und im Super-Super-Markt  bleibt plötzlich auch immer mehr Raum im Korb bei gleicher Geldabgabe.

Dazu die Angst: Wenn die Araber jetzt Ernst machen mit ihren Revolutionen und Revolten, wie wird das dann mit der Ölversorgung? Einig sind sich alle an der Tankstelle: Die Ölkonzerne, die nutzen die Unsicherheit, die Angst schamlos aus.

Besser ist es sich auf den Fussballkanal zu zappen. Fatalismus ist angesagt. Es kommt wie es kommt.

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