3. Juni 2020

Die Coronakrise wird den Kapitalismus nicht hinwegfegen.

Im Gegenteil, der Kapitalismus fĂŒhlt sich in dieser Krise besonders wohl. Es geht nicht um Jobs, es geht um Einkommen. Es geht nicht um Einkommen, es ums Auskommen!

Wir mĂŒssen neue MaßstĂ€be setzen, die alten taugen nicht mehr. Vielleicht haben sie nie getaugt.

Am Montag ist dieses Mal Feiertag. Brauchen wir nicht blau zu machen. Schon halb zehner sind wir am sonnigen Tag im Wörlitzer Park. Ein Verwandter vom „Alten Dessauer“ hat einen Landschaftspark angelegt, aber schon vor mehr als 222 Jahren. Heute werden Industrieparks angelegt. Auch das ist eine Art der Kultur.

Zwanzig Fahrzeuge auf dem Großparkplatz. FrĂŒhaufsteher, wie wir. Entlang des Wassers die Sichtachsen ansehen (in angelegten englischen Parks muss man sich immer die Sichtachsen ansehen, dazu sind sie ja da, sonst wĂŒrden sie nicht Sichtachsen heißen). Nur StrĂ€ucher und BĂ€ume und sichtbare Mauern, Tempel an den Enden der Sichtachsen. Wie absichtlich platziert, so offensichtlich. Die Luft ist so schön frisch, der Himmel so schön blau und das Wasser so schön schlammig. Ist man gar nicht mehr gewohnt. Wasser hat nicht schlammig zu sein. In der PET-Flasche ist es klar, allenfalls sprudelig, aus dem Wasserhahn ist es klar, in der Badewanne ist es so schon durchsichtig grĂŒn, im TV ist es so schön blausichtig. Aber nicht schlammig.

Seerosen. Gelbe und spĂ€ter weiße BlĂŒten, die wachsen aber nicht im Badewasser. Es werden mehr Leute, die Luft ist voller Duft. Aber zunehmend Schweiß und es könnte auch schlechter Atem sein, denn sie tragen keine Corona-Vermummung. Die Menschen werden hĂ€ufiger. Sie ĂŒberholen uns, sie drĂ€ngeln auf die FĂ€hre, die uns ĂŒber das schlammige Wasser trĂ€gt, alsbald.

Wir suchen die Begegnung zu vermeiden.

Bald ist das nicht mehr möglich. Die Leute strömen. Der Parkplatz ist ebenso unĂŒbersichtlich geworden. Die Leute wollen raus. Sie dĂŒrfen nicht fliegen, also fahren sie Auto. Sie fahren in die sonnigen Parks. Welch ein GlĂŒck fĂŒr die Parks. Welch ein GlĂŒck fĂŒr die Leute.  

4.Juni 2020

Der totgeschlagene Floyd hatte Corona. Was sonst. Ist aber doch kein Grund ihn zu Tode zu quÀlen? Oder doch?

Die Kinderkrippe, der Kindergarten. Er war gewachsen in den letzten Jahren. Immer mehr Kinder. Die doppelte Anzahl der ursprĂŒnglich geplanten KapazitĂ€t. Wer kann sich da noch kĂŒmmern. Beim Durchschnittseinkommen bezahlen die Eltern in unserem Kreis rund 100 Euro pro Kind. Das macht bei rund 40 angemeldeten Kindern also rund 4000 Euro an monatlichem Beitrag. Wenn bei allen Kindern beide Eltern arbeiten gehen und Durchschnittseinkommen erreichen, bekommt die Einrichtung rund 12.000 Euro an Einnahmen im Monat. Davon können rund sechs Betreuer (hier als Berufsstandsammelbezeichnung fĂŒr betreuende Personen, deshalb „gender“-gerecht) bezahlt werden. Aber das ist nicht die Frage. Betreuung und damit Erziehung und Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, denn es geht um das Gedeihen und den Bestand der Gesellschaft, und deshalb ist die Frage der Finanzierung zweitrangig, sie muss eben aus gesamtgesellschaftlichen Mitteln ergĂ€nzt werden.

Melinda und Bill Gates sollen in der „Corona-Krise“ 15 Milliarden Dollar zusĂ€tzlich verdient haben.

Rating 3.00 out of 5
[?]

Tags: ,