Ein Geber ist, wie doch jedermann weiß, ein Mensch, der etwas gibt. Ein Mensch und Mensch, das kann eine Frau sein(Geberin), ein Mann(Geber), ein Kind(Geberes?), ein Greis(??) und neuerdings ein menschliches Wesen ohne bestimmtes Geschlecht. Wenn die Zwangsemanzipation solche unsinnigen und unhandhabbaren und jeder vernünftigen Verwendung der deutschen Sprache widersprechenden Bezeichnung braucht, nun gut.

Es kann alle möglichen Dinge gegeben werden. Geburtstagsgeschenke, eine Nagelfeile, Geld(das wird dann Spende genannt), gute Laune, anpassbare und nicht unfassbare Dinge.

Arbeit kann man nicht anfassen. Wie Luft, wobei sich Luft notfalls in Kisten verpacken lässt. Oder Lust, Lust lässt sich nicht anfassen und auch nicht verpacken.

Aber man kann sie haben oder einem lustigen Menschen ansehen. Ein lustiger Mensch, das ist ein Mensch, Mann oder Frau oder Kind oder was anderes, der ist lustig. Der hat also Lust. Ich habe meist keine. Trennt man Mensch und Lust, so lässt sich der Mensch anfassen, die Lust nicht.

Mit der Arbeit ist es genauso.

Der Mensch arbeitet. Der eine tut es mehr, der andere weniger. Dann ist er jedenfalls ein arbeitender Mensch, ein Arbeiter. (Hier sind die beiden bestimmten Geschlechter gemeint, weil Kinderarbeit verboten ist und ältere Menschen nicht mehr arbeiten, wenn sie eine vernünftige Rente bekommen.)

Also, der Arbeiter.

Hierzulande auch Arbeitnehmer genannt. Und das ist das, was mich so verwirrt. Wie kann man „Arbeit nehmen“? Arbeit ist genauso wenig anfaßbar wie Lust. Und wenn ich Lustnehmer werden wollte, wie sehe denn das aus? Es würde sich entfernt nach Partyschreck anhören, aber so richtig passt der Begriff nicht.

„Gib mir mal ein Stück Arbeit!“ und flutsch, reicht der einem so ein Stück Arbeit herüber. – Geht nicht!

Arbeit ist wie Lust an etwas gebunden, einen Gegenstand, ein Ding, einen Menschen.  Erst Arbeit + Gegenstand ergibt ein Produkt. Oder Arbeit + Mensch ergibt einen Arbeiter.

Obwohl, auch wenn er gerade nicht arbeitet ist er ja ein Arbeiter. Wenn er zum Beispiel gerade streikt, oder Pause macht oder zu Hause im Sessel sitzt. Nein, zu Hause im Sessel ist er nicht Arbeiter, da ist er Ehemann oder Ehefrau oder Häuslebesitzer oder Fernsehgucker oder was anderes, aber kein Arbeiter mehr. Da will er kein Arbeiter mehr sein.

Also, wenn der Arbeiter arbeitet an einem Ding, dass, wenn er fertig ist, ein Produkt ist, dann kann er das Produkt weitergeben. Dann gibt er die Arbeit weiter. Dann ist er ein Arbeitgeber. Obwohl er Arbeitnehmer genannt wird. Das ist verwirrend.

Dann ist der andere, der jetzt sein Produkt nimmt, der also das Erarbeitete nimmt, der Arbeitnehmer, obwohl er Arbeitgeber genannt wird.  Versuchen wir es anderes:

Ein Arbeiter hat seine Arbeit in ein Material gesteckt. Es ist ein Ding draus geworden, das man verwenden kann. Er  hat ein Produkt hergestellt. Er hat produziert.  Nun darf man ihn doch wohl Produzent nennen? Nein, in unserem Sprachgebrauch ist er nicht der Produzent. Der Produzent ist der Unternehmer, derjenige, der das Produkt von dem Arbeiter bekommt, damit er es weiterverkaufen kann. Irgendwie passt das immer noch nicht. Einfacher wäre es, wenn der Arbeitet, ein Produkt herstellt, das Produkt dann verkauft. Dann wäre er Arbeitgeber und Produzent. Ist doch viel einfacher. Und die Worte stimmen.

 Die Gewerkschaft hatte diese Woche wieder einen Warnstreik. Um neun Uhr war Treffen an der Pforte. Dann sollte es mit Bussen in die Innenstadt gehen. Ich hatte erwartet, dass sich um mich herum die Schreibtische leeren würden und ich dann mutterseelenallein weiterarbeiten müsste. Die Sorge war unbegründet.  Nicht ein einziger Schreibtisch wurde verlassen. Ich war froh, dass die Gewerkschaft trotzdem eine Rekordbeteiligung an der Kundgebung und dem Warnstreik meldete. Wahrscheinlich waren alle anderen Abteilungen wie leergefegt. Nur die Leiharbeitnehmer wären geblieben.

Schon wieder so ein Wort.  Wie man es auch anfasst, es stimmt nicht. Ist der Leiharbeitnehmer nun ein Nehmer, der Leiharbeit nimmt oder ist er ein Leiher, der Arbeit nimmt?

Bei Wasserkocherhenkel ist es einfacher: das ist der Henkel vom Wasserkocher. Der Wasserkocher wiederum ist ein Kocher, mit dem man Wasser kochen kann.  Übersetzt auf den Leiharbeitnehmer wäre das ein Nehmer, der der Leiharbeit nimmt. Und die Leiharbeit, ist Arbeit, die man Leihen kann. Ich werde mir jetzt ein wenig Lust holen. Dazu werde ich den Wasserkocherhenkel anfassen, etwas Kaltwasser in den Kocher füllen und mir einen starken Kaffee brühen. Bis die anderen von ihrem Warnstreik zurück sind. In diesem Sinne.

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