Wir haben eine Euro-, Finanz-, Banken-Krise. Da sind sich inzwischen alle einig. Die „Wirtschaftsweisen“ und auch viele andere, nicht so weise, aber anerkannte Experten sind sich ebenfalls einig, dass die Ursache nicht klar ist und es  fĂŒr die Lösung gibt es kein allgemein anerkanntes Rezept. Zusammengefasst: Die Experten sind sich nicht einig, aber darĂŒber haben sie einen Konsens.

Es ist also nicht verwunderlich: Die einen wollen mit aller Macht sparen und so den Wagen aus dem Morast ziehen. Die anderen wollen nicht sparen, sondern ausgeben, zunÀchst Kredite, und damit die Konjunktur ankurbeln. Merkel steuert in die eine Richtung, Hollande in die andere.

 Keiner wird gewinnen. Es gibt nichts zu gewinnen. Der Morast ist tief. Und so einfach ist es nicht.

Recht haben sie, es gibt kein Rezept, die Karre wieder aus dem Dreck zu kriegen. Trotz hundertfĂŒnfzigjĂ€hriger Geschichte des Wirtschaftssystems hat bisher keiner ein Rezept vorstellen können, dass die Krisen dieses Systems verhindert.

Kleiner Seitenblick nach Island: Die haben es geschafft. Die haben einen Volksentscheid („das Volk, der große LĂŒmmel“) gemacht und denen kann die Krise nichts mehr anhaben. Die Banken wurden enteignet, die Schulden gestrichen und alle sind glĂŒcklich und zufrieden, bis auf die Banker und deren Marionetten in der abgewĂ€hlten Regierung.

 Eine solche Lösung ist natĂŒrlich außerhalb des Vorstellungsvermögens der ĂŒbrigen EuropĂ€er und Nordamerikaner, deren Regierungen und der Banker. Und außerhalb der Wunschvorstellungen dieser Leute. Welcher GroßaktionĂ€r, Banker oder Kanzlerkandidat, der eben noch seinen Urlaub auf der Jacht in der Karibik plante, will schon, dass ihm bei seiner RĂŒckkehr aus dem verdienten Urlaub ein Anzeige mit nachfolgend garantierter  Verurteilung wegen diverser Vergehen, einschließlich der Veruntreuung von Volksvermögen, ins Haus flattert?

Einsitzen in einer Strafanstalt, Verlust des Vermögens, der Macht, kann es Schlimmeres geben? Da können selbst die gesetzlich vorgeschrieben Wiedereingliederungshilfen nach dem Knastbesuch nicht wirklich trösten. Oder vielleicht die in Aussicht gestellte Starthilfe vom Arbeitsamt.

 

Ich meine, das sind ein bis zwei ausreichende Argumente fĂŒr diese Leute sich mit aller zur VerfĂŒgung stehenden Macht eine andere Lösung zu erarbeiten.

 

Die faktische Enteignung und Entmachtung der Banken und der damit verbundenen, Enteignung der GroßaktionĂ€re ist fĂŒr Island und deren Bevölkerung erst einmal eine gute Lösung.  (Zum Beispiel ĂŒbernimmt der islĂ€ndische Staat einen Teil der Kreditraten fĂŒr die vor der Wende aufgenommenen, aber jetzt durch die Abwertung der Krone teurer gewordenen Kredite fĂŒr HĂ€uslebauer)

Ob das dann auch auf die Dauer helfen wird, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Der Morast ist tief. Zwar werden die ersten und schlimmsten Auswirkungen fĂŒr die islĂ€ndische Bevölkerung (besonders meine ich hier die kleinen arbeitenden Leute) gemildert, aber der Lauf der Geschichte geht ja weiter.

„Den Kapitalismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“, könnte man in Abwandlung eines Satzes von Erich Honecker sagen.

Das merkwĂŒrdige ist, dass diese Finanz-, Banken-, Eurokrise als etwas ganz normales empfunden wird. Ein Schicksal, dass uns alle Jahre mal wieder ereilt. Mal ist es eine Finanzkrise, dann die DotCom-Krise, die Immobilienkrise, und so weiter. Die Abfolge lĂ€sst sich bis zu den AnfĂ€ngen diese Wirtschaftssystems zurĂŒckverfolgen. Kein Wunder wenn man sich dann daran gewöhnt.

Es werden die faulen Griechen oder die gierigen BĂ€nker, ein einzelner BetrĂŒger oder die unbeherrschbare Elektronik als ErklĂ€rung fĂŒr das jedesmal unglaubliche Desaster genannt. Ansonsten ist alles wie von Gott gegeben. Man glaubt an die ewige Dreieinigkeit von Kapital, Markt und Freiheit.

Dabei sind der Kapitalismus und sein Markt kaum 150 Jahre alt. In dieser Zeit hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht, was fĂŒr den Kapitalismus spricht, aber die Anzahl der durch Kriege getöteten und der Verhungernden oder durch nicht behandelte Krankheit gestorbenen hat sich mehr als verdreifacht. Was gegen den Kapitalismus spricht. Gegen ihn spricht auch das sich vergrĂ¶ĂŸernde Elend auf der SĂŒdhalbkugel, die systematische Vernichtung der natĂŒrlichen Ressourcen, das sich vergrĂ¶ĂŸernde Elend und die sich verkleinernde Demokratie in unseren schönen Landen, und, und, und


Aber, alle tun so als wenn das ein von Gott gegebener Zustand wĂ€re. Die GlĂ€ubigkeit an den Markt geht bis in die Kreise, die nun wirklich die Verlierer sind. – Diejenigen, die ihren Arbeitsplatz, ihre ErnĂ€hrungsgrundlage verlieren oder demnĂ€chst verlieren werden, diejenigen, deren Rente immer weniger wert ist, jedenfalls alle diejenigen, die nie ĂŒber einen Urlaub auf einer Jacht in der Karibik nachdenken brauchen.  TrĂ€umen ja, aber nachdenken, nein.

Alles wird so bleiben. Die richtig große Krise rauscht mit Volldampf auf uns zu. Ich bin gespannt welcher Dreh diesesmal gefunden wird, die Krise hinauszuzögern, den Leuten schmackhaft zu machen, und wie hinterher den Leuten plausibel gemacht wird, dass wieder welche auf der Strecke geblieben sind, die Verlierer, diejenigen, die nicht einmal darĂŒber nachdenken brauchen wieder ordentlich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Das aber alles besser ist und dass es wieder aufwĂ€rts geht.

 

Es ist auch von Gott gegeben, das es nach der Krise wieder aufwĂ€rts geht. Das ist der Lauf der Dinge. Danach geht es uns wieder besser. Halten wir still und warten wir ab. Wenn jemand ein Rezept hat, wie es danach wieder aufwĂ€rts gehen kann, auch fĂŒr den kleinen Mann,  dann kann er ja mal einen Brief an die Regierung schreiben.

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