Archiv für Februar 2019

Die Kultur der Oberflächlichkeit

Die Kultur der Oberflächlichkeit

Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung?) soll die Bürger der bundesgermanischen Republik vor irgendetwas schützen. Wahrscheinlich geht es um die personenbezogenen Daten der Bürger. Ich hörte davon. Aber gelesen habe ich diese DSGVO nicht, jedenfalls nicht vollständig und auch nur aus Zweitveröffentlichungen, und die Hinweise auf diese in jeder öffentlichen und nichtöffentlichen Veröffentlichung und besonders auf den vielen privaten und nicht privaten Web-Seiten führen auch bei mir nicht automatisch zum Studium des Kleingeschriebenen.

Niemand liest es, niemand versteht es und alle berufen sich darauf. Alle Kommerziellen, von Google, über die Banken, die Schufa und auch alle Ämter im Dienste des Bürgers und des Staates ignorieren die Bestimmungen, auf die sie hinweisen und holen sich vom Bürger noch (Welche Verar***e!!!) die Einwilligung, genau die geschützten Daten zu verbreiten. Frecherweise holen sich die Ämter, die halboffiziellen, wie die GVZ und ähnliche Institutionen nicht mal die Einwilligung der Bürger. Sie berufen sich auf Nachfrage auf irgendwelche Gesetze zur Informationspflicht.

Es scheint eine Kultur der Oberflächlichkeit zu geben. Und eine Kultur der Ignoranz. Und der Willkür. Die Bürger haben aufgegeben, sich dagegen aufzulehnen. Sie nehmen es hin, wie viele andere Sachen, an denen sie nichts ändern können.

Es ist aber viel schlimmer. Es ist eine Kultur der Lüge.

Niemand kann mehr eine Quelle prüfen, weil die Quelle nicht benannt wird. Jeder kann, so er frech genug ist und es für notwendig hält, sich einen Titel, zum Beispiel einen Doktortitel, zulegen. Niemand kann es nachprüfen, denn jede Universität in Deutschland wird sich auf den Datenschutz berufen und auf die Nachfrage keine Antwort geben.

Es ist bei Wissenschaftlern, auch bei Historikern, die sich ja zu den Wissenschaftlern zählen, üblich geworden, nur noch pauschale Quellenangaben zu machen, etwa so: „Siehe Stasi-Unterlagen-Archiv des Bundes“. Das überführt den Verfasser normalerweise sofort der Unwissenschaftlichkeit. In diesem schönen Bundesdeutschland aber werden solche Machwerke sogar für die politische Bildung des Nachwuchses aller Deutschen empfohlen und auch benutzt.

(Ich möchte ja hier keine Namen nennen. Das würde vermutlich zur Klage führen und das kann sich keiner leisten. Wer aber Bücher von Historikern in die Hand nimmt, der sollte zunächst die Quellen überprüfen, um die Glaubwürdigkeit der Aussagen einschätzen zu können. Solche Aussagen „….bei der Auffassung von der konsequenten personellen >>Entnazifizierung<< in der DDR handelt es sich um eine historische Legende zur Selbstlegitimation der SED-Diktatur…“ gehen natürlich runter wie Oel bei Leuten, die die DDR immer noch schlecht geredet haben müssen. Aber, sie sind eben nicht belegt und vielleicht auch nicht belegbar. Ein Zitat aus „Wikipedia“ ist keineswegs ein wissenschaftlicher Nachweis, sondern nur das Zurückgreifen auf andere unwissenschaftliche Aussagen und persönliche Meinungen)

Die Daten des Bürgers, seine persönlichen Daten, sollen geschützt werden. Das ist aber nicht möglich, nicht im Zeitalter des allgemeinen Daten-Konsums. Firmen wie „Google“ verdienen Milliarden mit Verkauf von gesammelten Daten. Eine Firma wie „Facebook“ gäbe es gar nicht, wenn sie nicht personenbezogene Daten verkaufen könnte.

Es ist in hohem Maße verlogen, dem Bürger Souveränität seiner Daten zuzusprechen und gleichzeitig die Vereitelung der Straftaten, die durch Ämter, Firmen, Institutionen begangen werden, nicht zu betreiben!

Jeder kann mit jedem Datum, auch mit persönlichen und eigenen, tun und lassen was er will. Einige, die frechen, die unmoralischen, verdienen sich eine oder zwei goldenen Nasen damit. Die anderen schauen dumm aus der Wäsche.

Auch werden Daten gefälscht und Fälschungen in die Welt gesetzt. Niemand hat die Chance etwas nachzuprüfen, selbst wenn er es will.

Ich will Anarchie! Weg mit diesem Gesetz! Alle sollen das gleiche Recht haben.

Klaus Kleiner

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Pünktlich wieder raus

Ist Ihnen das auch schon einmal so gegangen: Sie setzen sich pünktlich auf den Friseurstuhl. Es ist Fünfzehn Uhr, pünktlich. Der Zeiger rückt gerade auf die Zwölf. Die Friseuse macht im Spiegel ein freundliches Gesicht, wirft Ihnen den Umhang über und in diesem Augenblick kommt dieses Zeitzeichen im Radio und der Radiosprecher sagt in seinem gewohnt sachlichen Ton: „Beim letzten Zeichen war es genau 15 Uhr.“

„Nein“, denkst Du bei dir, nein, das Radio geht schon wieder fast zwei Minuten nach!“ Aber du sagst es nicht der Friseuse, erzählst nichts von deinen Gedanken. Vielleicht würde sie dann darüber nachdenken und dann müssten die Haare drunter leiden oder dein Angesicht.

So aber erzählt sie nur von ihrer Tochter und da das so mehr Selbstgespräche sind, du also nichts antwortest, nichts antworten musst, ist alles in Ordnung. Bewegen, vielleicht mit dem Kopf nicken, vermeidest du, jedenfalls, solange dir die Schere im Nacken klappert, sowieso. Solange  ist deine Schönheit auch nicht gefährdet.

Dann kommt im Radio diese Nachricht: Die USA haben den INF-Vertrag gekündigt! Die Friseuse hält inne. Und du spürst, Gefahr liegt in der Luft! „Diese Idioten!“ sagt die Friseuse. Sie klappert gefährlich mit der Schere in der Luft. Du duckst dich unwillkürlich ein wenig in deinem Stuhl.

Die Frau tritt einen Schritt von deinem Stuhl zurück. Du siehst es im Spiegel. Sie ringt mit der Fassung.

„Wie haben wir damals gejubelt“, sagt sie. Der Gorbatschow hat es geschafft. Er hat den Reagen rumgekriegt. Allerdings, wir haben uns damals schon gefragt, wie er das gemacht hat, wie er das erkauft hat und tatsächlich, die Abrüstung war ein wenig einseitig. Die Russen, damals ja noch Sowjetunion, haben Kernkompetenz“, sie kichert leise, und wiederholt „Kernkompetenz“ und betont dabei –Kern-, „die Raketen abgebaut und die Amis haben ihre Hauptwaffen, die Bomber und Fernraketen behalten.“

Da du jetzt außer Reichweite der Schere bist, wagst du eine Frage.

„Nein“, antwortet die Frau. „Nuklearsprengsätze wurden nicht  reduziert. Es wurde nur das Wettrüsten bei den Raketen mit Reichweiten von 500 bis 5500 KM beendet. Die Trägersysteme sollten beseitigt werden.“

„Warum war das so ein Erfolg, wenn die nukleare Gefahr genau so ist wie vorher?“

Die Friseuse lehnt sich an das Waschbecken. „Eine Rakete mit Nuklearsprengkopf vorzubereiten und  abzuschießen dauert nur wenige Minuten. Die Rakete fliegt von Westdeutschland bis Moskau weniger als eine Stunde. Ein Flugzeug mit einer nuklearen Bombe braucht länger in der Vorbereitung, länger für den Flug und ist leichter abzuschießen, bevor es das Ziel erreicht. Somit ist die Gefahr, einen überraschenden Nuklearschlag zu führen, wesentlich geringer. Und damit die Gefahr eines Kriegsausbruches.“

Ich nicke zustimmend. Das leuchtet mir ein. Dann will also die USA wieder mehr Kriegsgefahr. Das kann ich verstehen. Die werden von der wirtschaftlichen und finanziellen Macht der Inder, Chinesen und vielleicht Russen stark bedrängt. Die Flugzeugträger reichen nicht mehr als Abschreckung, denn die Chinesen haben inzwischen auch solche Dinger. Sogar die Inder haben einen gekauft. Da muss man endlich mal dagegenhalten, wenn solche billigen ehemaligen Kolonien jetzt aufmüpfig werden. Da braucht man Raketen, die bis nach Peking fliegen und nach Teheran und Moskau. Dann wird eben Polen zur Front, wenn dort die Raketen stationiert werden.  Polen ist schwach besiedelt. Da kann man so einige Raketen zur Abschreckung aufstellen. In der Türkei stehen auch Abschussrampen.

Ich äußere gegenüber der Friseuse die Hoffnung, dass Deutschland von der Stationierung von Abschussrampen verschont bleiben würde. Sie ist anderer Meinung. „Diese Regierung und jede andere werden aufs Geld gucken und die sind doch schon immer von den Amis gekauft. Da kann das Volk“, sie betont „DAS VOLK“, und es hört sich ein wenig verächtlich an, „ruhig zu einhundert Prozent dagegen sein, auch die Abgeordneten. Die amerika-hörige Regierung wird es wieder zulassen. Und dicke Pensionen beziehen.“

Ich protestiere gegen diese Meinung. Die Friseuse hebt drohend die Schere. „Das Grundgesetzt wurde von den Amis abgenickt und die bundesdeutsche Regierung hat in den letzten 70 Jahren keinen Beschluss ohne die Zustimmung der Amis oder der Industrie gefasst.“ Sie von hinten tritt an meinen Stuhl. „Aber lassen Sie mal. Es kommt wie es kommt. Als Volk brauchen wir uns darüber keine Gedanken zu machen.“ Zwischen den Schneiden der Schere höre ich meine Haare knirschen. Die Frau konzentriert sich auf ihre Arbeit. Ich verlasse unverletzt den Laden.

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